Während die Welt nach Davos und Grönland blickt, schauen kanadische Militärs an ihre Südgrenze. Wie die Zeitung „Globe and Mail“ unter Berufung auf anonyme Regierungsmitarbeiter berichtet, hat die Armee Überlegungen für eine mögliche Invasion aus den USA aufgestellt.

Demnach wolle man sich in so einem Fall auf Taktiken verlegen, mit denen sich afghanische Mudjahedin-Kämpfer der sowjetischen Invasion – und später auch unter anderem kanadischen Nato-Truppen – entgegenstellten. 

Die kanadische Armee geht dem Bericht zufolge davon aus, dass die US-Armee ihre Stellungen in nur zwei Tagen überrennen würde. Ein Gegenangriff müsse daher auf guerillaartige Nadelstiche setzen. Der „Globe and Mail“-Bericht stellt aber auch klar, dass es sich hier um „konzeptionelle und theoretische“ Überlegungen handle, keinen vollständig ausgearbeiteten Plan. 

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Experten rechnen mit Warnsignalen

Experten gingen laut der Zeitung davon aus, dass einer Invasion Warnsignale vorausgingen. So würden die USA vermutlich die Zusammenarbeit mit den Kanadiern im nordamerikanischen Luftverteidigungskommando Norad aufkündigen, bevor die Panzer rollen. Sollten sich die Anzeichen verdichten, würde sich Kanada mit Hilfsgesuchen wohl an Frankreich und Großbritannien wenden.


Hintergrund dieser Überlegungen dürften die wiederholten Andeutungen des US-Präsidenten Donald Trump sein, nach denen er Kanada als einen Bundesstaat der Vereinigten Staaten sieht. Erst am Dienstag etwa hatte Trump ein KI-generiertes Bild gepostet, das ihn vor einer Landkarte zeigt, in der unter anderem Kanada in den Farben der US-Flagge eingefärbt ist.

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Auch die imperialen Ambitionen des US-Präsidenten anderswo auf dem amerikanischen Doppelkontinent dürften in Ottawa für sorgenvolles Stirnrunzeln sorgen. Trumps Äußerungen zu Grönland werden mehr und mehr zu einer Herausforderung für die Nato-Alliierten der US-Amerikaner – und führen dazu, dass die Mitgliedsstaaten über einen Ausbau ihrer Militärpräsenz auf der Arktis-Insel nachdenken.

Dänemark hat ein kleineres Kontingent entsandt, auch Frankreich, Großbritannien und Deutschland waren zu einer Erkundungsmission in der Hauptstadt Nuuk. Die Kanadier denken ihrerseits offenbar ebenfalls über eine Entsendung von Soldaten nach.

Premierminister Mark Carney hat Medienberichten zufolge die Teilnahme der kanadischen Armee an militärischen Übungen auf Grönland ins Spiel gebracht – angesichts der Zolldrohungen des US-Präsidenten an seine Verbündeten scheint die kanadische Regierung aber unsicher, ob so ein Schritt klug wäre. Die Kanadier sind derzeit mit Kampfflugzeugen im Rahmen einer Norad-Mission auf der Insel.