Es ist eines seiner vielen Versprechen aus dem Wahlkampf – mit geschätzt 175 Milliarden US-Dollar extrem teuer und bei der Umsetzung mit mannigfaltigen Problemen behaftet. Immer wieder betont Donald Trump, wie wichtig das Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten sei. Das geplante Schutzschild nach dem Vorbild von Israels „Iron Dome“ soll die USA nach Angaben von Verteidigungsminister Pete Hegseth vor Marschflugkörpern, ballistischen Raketen, Hyperschallraketen und Drohnen schützen.

Den „Golden Dome“ hat Trump nun mit der Zukunft Grönlands verknüpft. Und die soll nach seinem Willen amerikanisch sein. „Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit. Es ist von entscheidender Bedeutung für den Golden Dome, den wir aufbauen“, schrieb der US-Präsident gerade wieder auf seiner Plattform „Truth Social“. Dass die amerikanischen Übernahmepläne keine leeren Drohungen sind, hat Trump mit der jüngsten Androhung von Strafzöllen unter anderem gegen Deutschland zum wiederholten Male deutlich gemacht.

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USA haben bereits Militärbasis in Grönland

Doch ist Grönland wirklich so wichtig für den Aufbau des „Golden Domes“? Militärexperten bezweifeln das und führen drei wesentliche Punkte an. Todd Harrison etwa, Senior Fellow am American Enterprise Institute, sagte dem US-Magazin „Politico“, dass das zu Dänemark gehörende Grönland schon seit Jahrzehnten Teil des amerikanischen Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsnetzes sei.

Die Chefin der US-Basis Pituffik auf Grönland, Susannah Meyers (links) bei dem Besuch von US-Vizepräsident JD Vance und seiner Frau Usha. (Archivbild)
Die Chefin der US-Basis Pituffik auf Grönland, Susannah Meyers (links) bei dem Besuch von US-Vizepräsident JD Vance und seiner Frau Usha. (Archivbild)© AFP Pool via AP/dpa | Jim Watson

Das US-Militär unterhält mit der Pituffik Space Base einen Stützpunkt auf der Arktisinsel. Grundlage dafür ist ein Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Dänemark aus dem Jahr 1951. Die Space Base beherbergt zwar noch keine Raketenabwehrsysteme, könnte aber nach Einschätzung von Experten in Abstimmung mit Dänemark leicht damit ausgestattet werden. „Wir haben in Grönland bereits uneingeschränkten Zugang zu allem, was wir für den Golden Dome benötigen, aber der Präsident spricht, als wüsste er das nicht“, sagte Harrison „Politico“. Die Aussagen Trumps seien „von der Realität abgekoppelt“. Nach Angaben der Raumfahrtabteilung der US-Streitkräfte betreibt das US-Militär in Pituffik zudem zumindest ein Radarsystem, das Angriffe durch See- und Interkontinentalraketen erkennen kann.

Für den „Golden Dome“ bieten sich auch andere Standorte an

Als zweiten Punkt führen Experten an, dass der „Golden Dome“ nicht zwingend in Grönland aufgebaut werden müsse. Es böten sich alternative Standorte an. Ein Regierungsbeamter, der anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber „Politico“, dass das Pentagon bereits mögliche Standorte geprüft habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass der Militärstützpunkt Fort Drum im Bundesstaat New York eine echte Alternative sei. „Im Vergleich zu Fort Drum erscheint Grönland nicht als der bessere Standort für solche Abfangsysteme“, sagte der Beamte dem Blatt. Auch Standorte in Kanada oder Alaska seien bereits diskutiert worden.

Der dritte Punkt: Ein Großteil des „Golden Dome“ soll nach Möglichkeit weltraumgestützt sein. Gemäß den ursprünglichen Plänen soll die Raketenabwehr ohnehin in den Weltraum verlagert werden. Der Bedarf an bodengestützten Systemen würde sich damit verringern, und Grönland würde weit weniger Bedeutung als potenzieller Stützpunkt zukommen. Ob sich Trump von diesen Argumenten überzeugen lässt, darf jedoch bezweifelt werden. Zuletzt hatte der Republikaner ohne überzeugende Beweise erklärt, die USA müssten Grönland auf jeden Fall übernehmen, sonst würden dies Russland oder China tun.

tok