Es ist in Venezuela jetzt das Panorama eingetreten, das sich für die USA wie das „Worst-Case-Szenario“ anfühlen muss. Nicolás Maduro ist zwar weg und sitzt in einem US-Gefängnis. Aber die Chavisten sind noch da. Und im Moment sieht es nicht so aus, als gäbe es nennenswerte Risse in den Machtstrukturen der linksnationalistischen Führung des Landes. Das halbe Dutzend der Figuren, die mit Maduro den festen Machtzirkel bildeten, ist noch da. Und sie wirken verschworen.  

Wer könnte also in Zukunft das südamerikanische Land regieren? Infrage kommen in erster Linie die aktuelle Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, der vermutliche Wahlsieger der Präsidentenwahl vom Juli 2024, Edmundo González, und in gewisser Weise auch María Corina Machado. Die überraschende Friedensnobelpreisträgerin ist sicher die Lieblingslösung für US-Präsident Donald Trump, auch wenn er sich am Samstag überraschend distanziert hat. Und was mit dieser ominösen „Gruppe“, von der Trump am Wochenende sprach, ist, weiß auch niemand. Mutmaßlich Außenminister Marco Rubio und „Kriegsminister“ Pete Hegseth.

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Delcy Rodríguez wird wohl vorerst an der Spitze des Staates stehen

Die erste Wahl als künftige Staatschefin ist Delcy Rodríguez, sie ist als Vizepräsidentin am Samstagabend noch als Übergangsstaatschefin vereidigt worden. So sieht es die Verfassung vor. Sie ist die neue starke Frau in Caracas und wird wohl vorerst die Geschicke Venezuelas leiten. Auch wenn Trump ihr diffus mit einem weiteren und noch härteren Militärschlag gedroht hat, sollte sie nicht freiwillig abtreten. Auf der anderen Seite sagte er auch, er stehe mit Rodríguez in Verhandlungen. 

Die Menschen in Venezuela kennen die Juristin schon lange als überzeugte Hardlinerin an der Seite Maduros. Gemeinsam mit ihrem Bruder hat sie ihm immer den Rücken freigehalten. Sie war von 2013 bis 2014 Kommunikations- und Informationsministerin und dann bis 2017 Außenministerin. In dieser Zeit prägte sie den konfrontativen Kurs gegen die USA. Dann stieg sie zur Vizepräsidentin und später Ölministerin auf. In den vergangenen Jahren, in denen Maduro seine Auslandsreisen reduzierte, spielte sie eine Schlüsselrolle in den Beziehungen zu Verbündeten wie der Türkei, China und dem Iran.

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US-Angriff auf Venezuela: Maduro festgesetzt – was jetzt folgt
Im Krisenmodus
 

Venezuela: Macron sieht den Wahlsieger von 2024 als natürlichen Maduro-Nachfolger

Der französische Staatschef Emmanuel Macron hat für die Maduro-Übergangsnachfolge Edmundo González Urrutia ins Spiel gebracht. „Wir wünschen uns, dass der 2024 gewählte Präsident diesen Übergang rasch sicherstellen kann.“ Macron spielt auf den Ersatzkandidaten an, der bei der mutmaßlich von Maduro gefälschten Präsidentenwahl im Juli 2024 siegte, dann aber nicht siegen durfte, weil Maduro nicht von der Macht lassen wollte. 

Der 76-Jährige ging dann ins Exil nach Spanien und ist das, was er immer war: Ein freundlicher Rentner, ein Ex-Professor und Ex-Diplomat, aber ohne politische Verankerung in der zerstrittenen Opposition in Venezuela. Auch María Corina Machado, die ihn ja installierte, da sie nicht antreten durfte, hat ihn fallengelassen.

Aber die USA, die Europäische Union und mehrere lateinamerikanische Staaten sehen González als den eigentlichen gewählten Präsidenten Venezuelas an. Aber er hat keinen Einfluss in den Institutionen, keine Kontakte zum Militär und Sicherheitsapparate. Vielleicht hat man deshalb in diesen wirren und umwälzenden Stunden für die Geschichte Venezuelas nichts von González gehört. Dass er das Land in Neuwahlen führt, ist so gut wie ausgeschlossen.

Edmundo González Urrutia lebt im spanischen Exil – und gilt unter anderem der EU und den USA als eigentlich gewählter Präsident Venezuelas. (Archivbild)
Edmundo González Urrutia lebt im spanischen Exil – und gilt unter anderem der EU und den USA als eigentlich gewählter Präsident Venezuelas. (Archivbild)© Lise Åserud/NTB/AP/dpa

Friedensnobelpreisträgerin findet keine Sympathien bei Trump

Eine verblüffende Wende hat Trump bei der Frau vollzogen, von der man denkt: Sie ist die Lieblingskandidatin der rechten US-Regierung: María Corina Machado, Rechtsaußen-Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin und bedingungslose Anhängerin von Donald Trump. 

Machado, 56, derzeit profiliertestes Gesicht der Anti-Chavisten, war in der venezolanischen Opposition immer eine Außenseiterin und ist eher eine Anhängerin von militärischen Interventionen als eine Friedenstaube – und sie würde Venezuela nur allzu gerne in Richtung eines ultrarechten Landes wie Argentinien steuern mit allen Freiheiten für die investierenden Unternehmer. Problem nur: Im Moment hat sie keinerlei Mandat in ihrer Heimat. Und ob sie bei Neuwahlen gewinnen würde, ist auch eher fraglich. Vielleicht zielte darauf Trumps Aussage, als er sagte: Frau Machado sei eine sympathische Frau, verfüge nicht über die nötige „Unterstützung im Land und den Respekt“. Gesprochen habe er nicht mit ihr. Aber gut möglich, dass ihm das sein Geheimdienst CIA eingeflüstert und dabei die Stimmung im Land wiedergegeben hat.