Donald Trump schreibt sich Geschichte gerne selbst; unabhängig von historisch belastbaren Fakten. Vor diesem Hintergrund sind die neuen Bronze-Gedenktafeln zu verstehen, die der 47. US-Präsident an der Kolonnade des Weißen Hauses anbringen ließ; jeweils unter den gerahmten Fotos seiner Vorgänger. Im Stil erinnern die Beiträge an Trumps Tiraden in den sozialen Medien – inklusive Beleidigungen, unbegründeter Behauptungen und willkürlicher Großschreibung.

Trump versteht die Dauerausstellung, durch die er regelmäßig Staatsgäste führt und deren Finanzierung unklar ist, „als Hommage an frühere Präsidenten, gute, schlechte und solche dazwischen, die unserem Land gedient und dabei so viel aufgegeben haben“. 

Kommen beide sehr schlecht weg in der Geschichtsschreibung Trumps: die Vorgänger-Präsidenten Joe Biden (l.) und Barack Obama.
Kommen beide sehr schlecht weg in der Geschichtsschreibung Trumps: die Vorgänger-Präsidenten Joe Biden (l.) und Barack Obama.© AFP | MANDEL NGAN

Die Autorenschaft für die Texte, die in Washington auch in konservativen Kreisen Kopfschütteln auslösten („Was für ein Kindskopf!”), liegt offenbar bei Trump persönlich. „Die Tafeln enthalten eloquent formulierte Beschreibungen der einzelnen Präsidenten und ihres Vermächtnisses. Als Geschichtsstudent wurden viele davon direkt vom Präsidenten selbst verfasst“, erklärte Regierungssprecherin Karoline Leavitt.

Kurz vor Weihnachten tritt der US-Präsident vor die Kameras und richtet eine Rede an die Nation. Trump lobt sich darin - nach fast einem Jahr im Amt - vor allem selbst. Er steht unter großem Druck.

Trumps eigene Gedenktafel preist seinen Sieg 2024 und besagt, dass er „die beispiellose Instrumentalisierung der Strafverfolgungsbehörden gegen ihn sowie zwei Attentatsversuche“ überwunden habe. Sie behauptet, dass Trump vom Tag seiner Amtseinführung im Januar das Versprechen eingelöst habe, das „Goldene Zeitalter Amerikas“ einzuläuten. Zu den „beispiellosen Errungenschaften“, die auf sein Konto gingen, gehöre sein Beitrag zur „größten Wirtschaft, die die Welt je gesehen hat“.

Dagegen kommt sein Vorgänger Joe Biden schlecht weg. „Sleepy Joe Biden war mit Abstand der schlechteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Biden, der sein Amt infolge der korruptesten Wahl, die die Vereinigten Staaten je gesehen haben, antrat, war für eine Reihe beispielloser Katastrophen verantwortlich, die unsere Nation an den Rand der Zerstörung brachten“, heißt es auf der Bronze-Gedenktafel.

Funeral Held For Former Labor Secretary Alexis Herman At Washington National Cathedral
Bill Clinton und seine Frau Hillary Clinton, die 2016 im Rennen um das Weiße Haus gegen Donald Trump unterlag.© Getty Images via AFP | Kevin Dietsch

Trump gestand Biden, der von „seinen radikalen linken Beratern dominiert wurde“, kein Foto zu. Das Konterfei des 46. Präsidenten wurde durch ein Bild eines „Autopen“ ersetzt, mit dem die präsidiale Unterschrift unter Gesetzen und Anordnungen getätigt werden kann, ohne dass der Staatschef persönlich Hand anlegen muss. So will Trump Biden rückblickend als amtsunfähig erscheinen lassen.

Ebenfalls herabgewürdigt wird Barack Obama. „Barack Hussein Obama war der erste schwarze Präsident, ein Community Organizer, Senator von Illinois für eine Amtszeit und eine der umstrittensten politischen Persönlichkeiten in der amerikanischen Geschichte“, heißt es auf der Plakette. 

Wird von Trump wegen der Kriege in Afghanistan und im Irak gerügt: Präsident George W. Bush.
Wird von Trump wegen der Kriege in Afghanistan und im Irak gerügt: Präsident George W. Bush. © AFP | MANDEL NGAN

Die Tafel des ehemaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton enthält diese Nickeligkeit: „2016 verlor Hillary, die Frau von Präsident Clinton, die Präsidentschaft an Präsident Donald J. Trump!“

Die Erinnerung an den ehemaligen Präsidenten George W. Bush, wie Trump Republikaner, kartet ebenfalls nach: „Präsident Bush schuf das Ministerium für Innere Sicherheit, begann aber Kriege in Afghanistan und im Irak, die beide nicht hätten stattfinden dürfen.“