Wer in die USA reisen will, soll fünf Jahre rückwirkend sein Leben in den sozialen Medien offenlegen. Likes. Witze. Spott. Kritik. Alles. Ein Striptease mit Stasi-Geruch. Geht's noch? 

Ein falscher Witz über Trump, ein Meme zur falschen Zeit – und der Urlaub könnte bereits vor dem Check-in vorbei sein. Falls die Gerichte dem Wahnsinn nicht schnell ein Ende setzen. Ein Fall aus Absurdistan. Präsident Donald Trump, der sich penetrant als Verteidiger der Freiheit verkauft, baut eine ideologische Grenzkontrolle auf. Nicht gegen Terror. Sondern gegen Andersdenkende. 

Was ihn treibt? Angst und Kontrollsucht. Und der alte autoritäre Reflex: Wer mich nicht liebt, ist gegen mich. Trump braucht Feinde, um seine Macht zu erklären. Migranten. Medien. Europa. Deutsche. Jetzt auch Touristen. 

Wer Demokratien verhöhnt, ist kein Partner mehr, sondern ein Risiko

Das ist nicht nur schädlich für die Wirtschaft, das ist politische Paranoia. Der Präsident eines Landes, das einst Zufluchtsort für Verfolgte des NS-Regimes war, will wissen, was Besucher denken. Nicht, was sie tun. Was sie denken. Er will prüfen, wer auf Linie ist – weltweit – und wer nicht. Die USA verwandeln sich unter Trump in eine Festung mit Gesinnungskontrolle. Freiheit auf Widerruf. Einreise nur mit sauberem digitalen Gewissen.

US-Korrespondent Dirk Hautkapp.
US-Korrespondent Dirk Hautkapp.© privat | Privat

Europa und alle anderen Teile der Welt sollten diese Kränkung nicht hinnehmen. Man darf sich von diesem Präsidenten nicht triggern lassen – aber auch nicht einlullen. Man muss lernen, strategisch zu handeln. So als wäre Amerika nur noch ein unsicherer Verbündeter auf Zeit. 

Wer Demokratien verhöhnt, ganze Bevölkerung pauschal unter Verdacht stellt und Kritiker präventiv aussortiert, ist kein Partner mehr. Sondern ein Risiko. Trump nennt das Sicherheit. In Wahrheit ist es Angstpolitik.