Nein, es ist nicht okay, wenn ein Lehrer mit einer 16-jährigen Schülerin ein Verhältnis anfängt. Es ist nicht okay, als Lehrer auf verständnisvollen Kumpel zu machen, im engen und intimen Whatsapp-Austausch mit Schutzbefohlenen – mit dem Ziel, sich so Vertrauen und Nähe zu erkaufen, die einer Lehrkraft gar nicht zusteht.
Aber ja, es ist nicht nur okay, sondern auch Pflicht für eine Lehrkraft, einem Schüler oder einer Schülerin zu helfen, wenn er oder sie sexuell missbraucht, ausgenutzt oder auch belästigt wird – selbst wenn ein beliebter Kollege dann die Konsequenzen zu ziehen hat. Die Sorge um den Ruf der Schule darf dabei keine Rolle spielen.
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Es sind eigentlich einfache Regeln, die einem der gesunde Menschenverstand auflegt. Doch in den vergangenen Jahrzehnten wurden sie systematisch missachtet. Wie Betroffene leiden, wenn sie realisieren, dass es Missbrauch war, dass sie ausgenutzt wurden in der sensibelsten Phase ihres Lebens, wird nun in der Studie der Aufarbeitungskommission sexueller Missbrauch klar.

Sexuelle Gewalt: Runde Tische reichen nicht aus
133 Betroffene aus mehreren Jahrzehnten erzählen, was ihnen während ihrer Schulzeit passiert ist. Dass es früher der autoritäre Lehrer war, der Grenzen überschritt und später, nach den 1980er Jahren, der coole Lehrer, den alle anhimmeln. Sie erzählen, wie systematisch vertuscht wurde, wie sich Lehrer und Lehrerinnen, aber auch Eltern in einem Kartell des Schweigens einmauerten, wie sie niemanden fanden, dem sie sich anvertrauen konnten.
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15 Jahre nach dem großen Knall – damals erschütterten Missbrauchsskandale an Elite-Schulen (Canisius-Kolleg, Kloster Ettal, Odenwald-Schule) zeigt dieser Blick auf die Opfer von sexueller Gewalt, dass es eben nicht reicht, runde Tische zu gründen, Studien in Auftrag zu geben und Leitlinien zu erstellen. Das ist alles gut gemeint, doch die Gefahr ist groß, dass die Konzepte in föderalen Strukturen zerfasern. Denn ob besagte Leitlinien tatsächlich im Schulalltag gelebt werden oder in Schubladen landen, hängt vom Schulträger, den jeweiligen Schulaufsichtsbehörden und nicht zuletzt von der Schulleitung ab. Anders gesagt: Ob Schule wirklich dem Anspruch gerecht wird, ein Schutzraum zu sein, ist Glücksache. Und damit darf sich ein Bildungssystem nicht zufrieden geben.




