Als Soldaten der Bundeswehr die Ladeklappe des Transporters öffnen, ist ihnen schnell klar: Hier fehlt Ware. Und diese Ware ist brisant: 10.000 Schuss Gefechtsmunition für Pistolen, Kaliber 9 Millimeter. 9900 Schuss Manövermunition für Gewehre, 15 Stück Pyrotechnik für Übungen. Gefährlich sind vor allem die Patronen für die Pistolen, ein häufig verwendetes Kaliber. Scharf, tödlich.

Die Munition lagerte in einem Transporter. Es ist vergangene Woche, als der Fahrer die Fracht ausliefern will. Es ist ein ziviler Dienstleister, der für die Bundeswehr arbeitet. Die Spedition hat bei der Truppe einen Vertrag für diese Munitionslieferungen.

Munition gestohlen: Die Bundeswehr gibt sich zu Einzelheiten bedeckt. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Bundeswehr: Munition gestohlen: Erst in der Kaserne fiel der Diebstahl auf

Es sind keine Soldaten im Fahrzeug. Für die Nacht zum 25. November parkt der Fahrer den Wagen vor einem Hotel in der Nähe eines Gewerbegebiets in der Stadt Burg bei Magdeburg. Er übernachtet dort. Das Fahrzeug bleibt offenbar unbewacht vor der Tür stehen. Das lokale Portal Meetingpoint Jerichower Land hat zuerst über den Fall berichtet. Die Bundeswehr bestätigt den Vorgang mittlerweile, auch auf Nachfrage unserer Redaktion.

Der Fahrer, so zeigen es eigene Recherchen und weitere Medienberichte, war allein. Das ist ungewöhnlich für eine Spedition, die Munition transportiert. Die bisher unbekannten Täter müssen in der Nacht die Tür zur Transportfläche aufgebrochen haben. Am Morgen bemerkt er offenbar ein Einbruch in das Fahrzeug zunächst nicht. Erst an der Wache in der Kaserne fiel der Diebstahl auf.

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Die Bundeswehr schweigt sich aus

Die Bundeswehr beantwortete Nachfragen zu dem Fall nicht. Unklar ist, wie das Fahrzeug gesichert war. Offen ist auch, ob der Fahrer gegen Sicherheitsregeln verstoßen hat. Eine Sprecherin im „Unterstützungsbereich Bundeswehr“ will zu laufenden Ermittlungen nichts sagen. Die örtlichen Polizeidienststellen in Sachsen-Anhalt geben sich ebenfalls bedeckt – und verweisen für eine Auskunft an die Bundeswehr.

Gestohlene Waffen und Munition bei der Bundeswehr bereitet Sicherheitsleuten große Sorge. Oftmals, das zeigen Fälle der Vergangenheit, kommt der Täter aus der Truppe selbst. Vor einigen Jahren machte der extrem rechte Franco A. Schlagzeilen. Er wollte sich offenbar als Geflüchteter aus Syrien tarnen – und Anschläge begehen. Vor seiner Festnahme hatte der Bundeswehrsoldat ein großes Munitionslager mit gestohlenem Material angelegt. Auch bei einem Komplizen von A. entdeckten Ermittler rund 1000 Schuss Munition für Pistolen und Gewehre.

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Rechtsextreme Netzwerke: Bundeswehr-Soldaten trainieren für den „Tag X“

Als besonders gefährlich schätzten Sicherheitsleute das das Netzwerk „Nordkreuz“ ein, das vor einigen Jahren aufflog und auch Verbindungen zu Franco A. aufwies. Dort waren mehrere Dutzend Rechtsextremisten versammelt, sie bereiteten sich auf einen sogenannten „Tag X“ vor, wollten Gewalttaten gegen Geflüchtete und politische Feinde verüben. Unter ihnen auch ehemalige Soldaten.

Im Frühjahr dieses Jahres fällten Richter in Eckernförde ein Urteil gegen mehrere ehemalige Soldaten der Truppe. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten 2022 in mehrere Bundeswehrgebäude in Schleswig-Holstein und Niedersachsen eingebrochen waren. Dabei erbeuteten sie Ausrüstung im Wert von rund 115.000 Euro – darunter Funkgeräte, Ferngläser, Kompasse, Spezialkopfhörer und Digitalkameras.