Puppen, Plüschtiere, Modell-Eisenbahnen, leuchtender Schleim oder knallbunte Geräte, die mit Elektronik vollgestopft sind: Der Markt für Kinderspielzeug in Europa ist riesig, allein in Deutschland werden damit in diesem Jahr voraussichtlich 4,5 Milliarden Euro umgesetzt. Bei den Händlern und Herstellern herrscht gerade Hochbetrieb, denn das Weihnachtsgeschäft spielt für die Branche seit jeher eine zentrale Rolle.
Einen Monat vor dem Fest hat die Europäische Union nun neue Regeln für die Sicherheit von Spielzeug festgelegt. Das EU-Parlament in Straßburg billigte am Dienstag abschließend eine Verordnung, die das Ziel hat, Gesundheitsrisiken für Kinder zu reduzieren. Die können erheblich sein: Jedes fünfte Produkt, das in Europa als gefährlich eingestuft und vom Markt genommen wird, ist ein Spielzeug. Das wichtigste Hersteller-Land ist mit großem Abstand China, etliche Waren von dort kommen über Online-Händler in die EU. Ein Überblick.

Kinderspielzeug: Was genau hat das EU-Parlament jetzt beschlossen?
Die Abgeordneten nahmen in Straßburg einen Text an, mit dem die bisher geltenden Vorschriften zur Spielzeug-Sicherheit in Europa grundlegend reformiert werden. Produkte, die innerhalb der EU in Verkehr gebracht werden, müssen diese Vorschriften in Zukunft zwingend erfüllen – und zwar ganz unabhängig davon, in welchem Land der Hersteller sitzt. Für Spielzeug aus China gelten also dieselben Regeln wie für Spielzeug aus Deutschland oder anderen europäischen Staaten.
Die EU-Kommission hatte die Reform 2023 angestoßen. Im vergangenen April verständigten sich Parlament und EU-Mitgliedstaaten auf einen gemeinsamen Entwurf, den die Volksvertreter nun abschließend billigten. Die Berichterstatterin des Parlaments, die Thüringer Abgeordnete Marion Walsmann (CDU), sagte: „Indem wir Risiken früher erkennen, gefährliche Stoffe begrenzen und Unternehmen verlässliche Leitplanken bieten, schaffen wir einen Markt, auf dem Qualität gewinnt.“ Walsmann ergänzte: „Die neue Spielzeugsicherheitsverordnung sorgt dafür, dass europäische Kinder mit dem sichersten Spielzeug der Welt spielen können.“
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Was sind die zentralen Punkte der Verordnung?
Die Liste der schädlichen Chemikalien, die in Spielzeug verboten sind, wird erheblich erweitert. Untersagt ist fortan die Verwendung von Stoffen, die das Hormonsystem oder das Atmungssystem beeinflussen, Hautallergien verursachen oder Organe schädigen können. Verboten werden auch gefährliche künstliche Substanzen, die biologisch nicht abbaubar sind und deshalb als „Ewigkeits-Chemikalien“ bezeichnet werden.
Woher wissen Verbraucher, ob das gekaufte Produkt sicher ist?
Das ist die zweite große Neuerung, die jetzt kommen wird: Künftig müssen sämtliche Spielzeuge über einen deutlich sichtbaren, digitalen Produktpass verfügen. In der Praxis wird das meistens ein QR-Code sein, der direkt auf das Spielzeug aufgedruckt ist und mit dem Smartphone gelesen werden kann. Dieser Produktpass soll zeigen, dass das Produkt den europäischen Sicherheitsvorschriften entspricht. Auch andere Informationen sollen dort enthalten sein. Spielzeug-Importeure werden künftig verpflichtet, bei der Einfuhr digitale Produktpässe zu hinterlegen. Das soll Kontrollen durch den Zoll und nationale Inspektoren erleichtern. Bevor Hersteller überhaupt ein Spielzeug in Europa in den Verkehr bringen, sollen sie zwingend eine Sicherheits-Überprüfung des Produkts vornehmen und dabei die besondere Verletzlichkeit von Kindern berücksichtigen. Bei digitalen Spielzeugen soll auch sichergestellt werden, dass nicht die psychische Gesundheit der Kinder gefährdet werden kann.
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Ab wann gelten die neuen Regeln?
Aus Verbrauchersicht ist das der große Haken an den geplanten Neuerungen: Die Europäische Union räumt Herstellern und Behörden eine sehr lange Übergangsfrist ein, um sich auf die neuen Regeln einzustellen. Sie beträgt 54 Monate, also viereinhalb Jahre. Das bedeutet, dass die Reform erst mittelfristig ihre volle Wirkung entfalten wird. Viele Kinder von heute werden dann bereits aus dem Alter heraus sein, in dem man sich gemeinhin für Spielzeug interessiert. Ware, die jetzt verkauft wird und in vier Wochen unterm Weihnachtsbaum liegen soll, ist von den Neuerungen noch nicht betroffen.
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Was sagen Verbraucherschützer?
Die halten die neuen Regeln für einen riesigen Fortschritt. Bei der europäischen Verbraucherschutz-Dachorganisation BEUC ist von einem „Meilenstein“ die Rede. Die Vorschriften seien sehr streng – zumindest auf dem Papier. „Jetzt müssen die Unternehmen sie auch befolgen. Wir müssen insbesondere sicherstellen, dass Spielzeug, welches über Online-Marktplätze gekauft wird, den neuen Regeln entspricht.“ Die Verbraucherschützer haben hier insbesondere Plattformen wie die chinesischen Plattformen Temu und Shein im Blick.

Wie bedeutend ist die Spielzeug-Branche als Wirtschaftszweig?
In Europa dürfte die Spielzeug- und Spielebranche in diesem Jahr Schätzungen zufolge knapp 30 Milliarden Euro umsetzen. Es gibt auf dem Kontinent durchaus noch eine substanzielle Spielzeug-Industrie, sie beschäftigt nach Angaben der EU-Kommission rund 50.000 Personen. Meistens handelt es sich um mittelständische Firmen. Der dominante Akteur im Spielzeug-Markt ist aber eindeutig China: Mehr als 86 Prozent aller Spielzeug-Exporte weltweit entfallen den Angaben zufolge auf dieses Land.





