Die Bildungsberichte der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind in Deutschland gefürchtet. In internationalen Vergleich ist da in der Regel nur das untere Mittelfeld drin. Umso überraschender war im Jahr 2024 ein OECD-Bericht zur Integration von Eingewanderten. Da punktete Deutschland plötzlich: mit der erfolgreichen Sprachförderung in Integrationskursen.

Die Betonung der Wichtigkeit von sprachlicher und kultureller Integration ist Teil vieler Sonntagsreden. Die Gleichgültigkeit in den 1960-er und 1970-er Jahren den früheren „Gastarbeitern“ und ihren Familien gegenüber dürfe sich nicht wiederholen, heißt es. Wir wüssten doch heute, wie wichtig Sprache für einen gelungenen Start sei. Wissen wir es?

Die meisten Kursteilnehmer werden im Land bleiben. Machen wir den Start nicht zu schwer!

Wie ist es dann zu erklären, dass der Integrationskurs zwar erwiesenermaßen wirkt, er um seine Existenz aber von Jahr zu Jahr kämpfen, zumindest um seine Substanz ringen muss? Da haben Honorar-Lehrkräfte kaum Chancen, einen sozialversicherungspflichtigen Job zu bekommen. Da wird denen, die die deutsche Sprache nicht auf Anhieb gut lernen, die „Nachhilfe“ gestrichen. Da wird Förderung zum Teil erst Monate nach dem Antrag der Kursträger bewilligt – oder auch nicht.

Mit Knauserigkeit kann die Kernaufgabe Integration nicht gelingen. Die meisten dieser Kursteilnehmer haben einen Aufenthaltstitel und werden bleiben. Können wir es uns leisten, dieses Potenzial liegen zu lassen, weil das Geld für Sprachkurse knapp wird? Der Start der Bundes-Sprachförderung für Zugewanderte im Jahr 2005 war ein Meilenstein. Die Bedeutung von Integration ist in diesen 20 Jahren nicht geringer geworden. Im Gegenteil.