Der Preis des Westfälischen Friedens geht 2026 an die Nato. Geht Ihnen das auch so? Man liest das, denkt nach – und dann kommt ein Gefühl auf: Da stimmt was nicht!
Um es klar vorwegzusagen: Das wird keine Kritik an der Nato. Angesichts der Bedrohung durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der den Krieg nach Europa zurückbringt, die Freiheit bedroht, Staaten verachtet und für grausige Verbrechen verantwortlich ist, müssen wir froh sein, dass wir die Nato haben und hoffen, dass es sie noch lange gibt.
Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe als Stifterin des Preises begründet die Wahl damit, dass die Nato Konflikte eindämme, Eskalation vorbeuge und Zusammenarbeit stärke. Stimmt.
Ehren wir lieber die, die in Konflikten vermitteln!
Es geht aber um etwas anderes: Macht es Sinn, ein Militärbündnis mit einem Friedenspreis zu ehren? Im vergangenen Jahr wurde Margot Friedländer geehrt, und es war eine großartige Wahl. Denn die kurz nach der Auszeichnung verstorbene Friedländer, ein Opfer der Nazi-Diktatur, stand für Vergebung und unbedingte Menschenfreundlichkeit.
Valery Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt trugen diesen Preis. Sie haben – wie vor ihnen Adenauer und de Gaulle und nach ihnen Kohl und Chirac – die Freundschaft zwischen zwei früheren „Erzfeinden“ begründet beziehungsweise gepflegt.
Wer die Nato ehrt, ehrt zwar ein Schutzbündnis, aber auch eine bewaffnete Konfliktpartei. Das entwertet den Preis. Er bekommt so eine politische Färbung und gibt sich eine Blöße. Ehren wir lieber die, die in Konflikten vermitteln! Der Westfälische Friede war 1648 ein Hochfest der Diplomatie und des Verhandlungsgeschicks. Zeit, sich an die Wurzeln zu erinnern.



