Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni hat einige Erfahrung im Umgang mit vermeintlich starken Männern. Seit ihrem Amtsantritt als erste Frau an der Spitze der italienischen Regierung vor drei Jahren hat die Rechtspopulistin mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie sich sowohl im internationalen als auch im innenpolitischen Machtgefüge behaupten kann. Ob beim G7-Gipfel, im Umgang mit EU-Spitzen oder im direkten Schlagabtausch mit politischen Rivalen: Meloni begegnet den selbstbewussten Auftritten anderer Staats- und Regierungschefs mit einer Mischung aus strategischer Härte, rhetorischer Schlagfertigkeit und ideologischer Standfestigkeit.

Meloni war die einzige Frau unter den rund 30 Staats- und Regierungschefs, die Mitte Oktober am internationalen Gipfel im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh teilnahmen, bei dem es um eine Friedenslösung für den Nahen Osten ging. Dort wurde sie von US-Präsident Donald Trump in höchsten Tönen gelobt – allerdings vor allem wegen ihres Aussehens. „Sie ist eine schöne junge Frau“, so der 79-Jährige an die italienische Regierungschefin gerichtet. „Es macht Ihnen nichts aus, wenn man Sie schön nennt, stimmt‘s? Denn Sie sind es.“

Anschließend fügte Trump hinzu, die ihm politisch nahestehende rechtspopulistische Regierungschefin sei „unglaublich“: „Und sie wird in Italien wirklich respektiert. Sie ist eine sehr erfolgreiche Politikerin.“

Meloni: Gewerkschaftsboss bezeichnete sie als „Kurtisane“

Trumps Lobeshymne für Meloni stieß der politischen Linken ihrer Heimat sauer auf. Die Ministerpräsidentin werde von Trump auf paternalistische Weise behandelt – was einer Regierungschefin eines Landes wie Italien nicht würdig sei, hieß es. Maurizio Landini, Chef des größten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL mit fünf Millionen Mitgliedern und aufsteigender Stern am linken Politikhimmel Italiens, bezeichnete Meloni in einer Fernsehsendung sogar als „Trumps Kurtisane“. Sie habe für den Friedensprozess im Nahen Osten keinen Finger gerührt und sich mit einer Rolle als „Laufbursche“ Trumps begnügt.

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Maurizio Landini, Chef des größten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL: Er beleidigte Meloni als „Trumps Kurtisane“. © picture alliance / ZUMAPRESS.com | Roberto Monaldo

Melonis Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In einem Beitrag in ihren sozialen Netzwerken veröffentlichte die 48-Jährige die Definition aus einem Wörterbuch, wonach eine „Kurtisane“ ein „Euphemismus für Prostituierte“ sei.

Meloni schrieb: „Landini, offenbar geblendet von wachsendem Groll, hat mich im Fernsehen als Kurtisane bezeichnet. Ich denke, die meisten Menschen kennen die gebräuchlichste Bedeutung dieses Wortes“. Für diejenigen, die es nicht wüssten, postete sie die erste Definition, „die man bei einer schnellen Internetrecherche findet“.

„Die Linke, die jahrzehntelang für Respekt Frauen gegenüber gepredigt hat, kritisiert – mangels Argumenten – eine Frau, indem sie sie als Prostituierte bezeichnet“, so die Ministerpräsidentin weiter. Rückendeckung erhielt sie dabei von ihrer Partei Fratelli d‘Italia („Brüder Italiens“), die Landini einen „sexistischen Angriff“ auf Meloni vorwarf.

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Meloni zeigt im Umgang mit Alphamännern Härte

Melonis Stellungnahme sorgt in Italien für Aufsehen – nicht zuletzt, weil sich gerade die politische Linke dem Kampf für Gleichberechtigung und gegen Machismo verschrieben hat. Doch Meloni ist immer wieder mit selbsternannten Alphamännern konfrontiert – und zeigt im Umgang mit ihnen eine gewisse Härte. Weder ließ sie sich in ihrer Karriere vom Charme und Machtgehabe eines Silvio Berlusconi beeindrucken, noch bringt sie das launische Auftreten ihres temperamentvollen Koalitionspartners Matteo Salvini aus dem Konzept.

Auch im Privaten macht Meloni keine Kompromisse, wenn es um Prinzipien geht. Die erklärte Vertreterin traditionell-konservativer Werte lebt allein mit ihrer Tochter in Rom. Von ihrem langjährigen Lebensgefährten, einem TV-Journalisten, trennte sie sich öffentlich, nachdem dieser sich gegenüber einer Kollegin sexistisch und respektlos geäußert hatte.

G7 summit
Allein unter Männern: Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (zweite von links) beim Gruppenbild mit den anderen Staats- und Regierungschefs während des G7-Gipfels im kanadischen Kananaskis. © AFP | Michael Kappeler

Fake-Bilder auf Erotik-Portal sorgten für Empörung – Meloni positionierte sich klar

Kürzlich beschwerte sich Meloni scharf über ein italienisches Erotik-Portal mit Hunderttausenden Nutzern, das im September für landesweite Empörung sorgte, nachdem dort manipulierte Bilder von Politikerinnen, Schauspielerinnen und weiteren Prominenten veröffentlicht worden waren. Auch sie selbst sowie ihre Schwester Arianna fielen den Betreibern der Webseite zum Opfer. „Ich bin angewidert von dem, was geschehen ist, und möchte meine Solidarität und Nähe allen Frauen ausdrücken, die von den Betreibern dieses Forums und seinen ,Nutzern‘ beleidigt, beschimpft und in ihrer Intimsphäre verletzt wurden“, erklärte Meloni. „Es ist beschämend, dass im Jahr 2025 noch immer Menschen glauben, es sei normal und legitim, die Würde einer Frau mit sexistischen und vulgären Beleidigungen mit Füßen zu treten – und das auch noch feige, versteckt hinter Anonymität oder einer Tastatur“, sagte Meloni weiter.

Die Regierungschefin geht auch juristisch gegen zwei Italiener – Vater und Sohn – vor, die im Jahr 2020 auf einer US-amerikanischen Website manipulierte Pornovideos veröffentlicht hatten, in die Melonis Gesicht montiert worden war. „Ich habe Anzeige erstattet, weil ich das Geschehene für unerträglich halte. Ich setze mich jeden Tag für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ein – da muss ich mit gutem Beispiel vorangehen und gegen diejenigen vorgehen, die Unrecht tun“, erklärte Meloni. Mit einem Urteil in diesem Verfahren wird im November gerechnet.