Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu ist überraschend zurückgetreten. Der Premier habe seinen Rücktritt bei Präsident Emmanuel Macron eingereicht und dieser habe ihn angenommen, teilte der Élysée-Palast mit. Zuvor hatten mehrere Oppositionsparteien erneut mit dem Regierungssturz gedroht. Sie hatten die weitgehend unveränderte Regierungsmannschaft scharf kritisiert.

Der rechtspopulistische Parteichef Jordan Bardella forderte umgehend Neuwahlen. Dies hatte Macron bislang ausgeschlossen. Hintergrund der Regierungskrise ist der Streit um den Haushalt für das kommende Jahr, in dem Frankreich angesichts seiner Staatsfinanzen massive Einschnitte bei öffentlichen Ausgaben bevorstehen. 

Auch die Vorsitzende der Fraktion der linkspopulistischen La France Insoumise forderte Neuwahlen. Bei X beklagte Mathilde Panot den Rücktritt von drei Ministerpräsidenten in nur einem Jahr. „Der Countdown hat begonnen“, zählte sie den Präsidenten an. „Macron muss gehen.“ Parteigründer Jean-Luc Mélenchon forderte indessen, ein bereits eingereichter Amtsenthebungsantrag gegen Macron müsse nun sofort geprüft werden. Lecornu war seit Macrons Wiederwahl im Mai 2022 der fünfte Premierminister Frankreichs.

Er war erst im September 2025 auf den gescheiterten François Bayrou gefolgt, der seinerseits nur neun Monate durchgehalten hatte. Er stürzte im Streit über einen harten Sparkurs über die Vertrauensfrage im französischen Parlament. Das Land hat mit rund 3,3 Billionen Euro die höchsten Schulden in der Europäischen Union.

Regierung war wackelig gestartet

Die Regierung Lecornus hatte schon kurz nach ihrem Start deutliche Risse gezeigt. So war etwa der in seinem Amt bestätigte Innenminister und Vorsitzende der konservativen Républicains, Bruno Retailleau, unzufrieden über die Zusammensetzung. Er hatte für den Montag eine Krisensitzung seiner Partei angekündigt, was Spekulationen über einen Austritt der Konservativen aus der Regierung laut werden ließ.

Retailleau hatte zuvor ein Drittel der Ministerposten für seine Partei verlangt und ist über die Rolle und das Gewicht der Konservativen in der neuen Regierung unzufrieden, berichtete der Sender rfi unter Verweis auf Parteiverantwortliche. Für Empörung bei den Konservativen sorgt demnach auch, dass der 2024 ausgeschiedene langjährige Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire, der der Mitte-Partei von Macron angehört, überraschend zum Verteidigungsminister bestimmt wurde.

Die ebenfalls im Amt bestätigte konservative Kulturministerin Rachida Dati hingegen hatte ihre Partei vor einem Ausstieg aus der Regierung gewarnt. „In einem für das Land ernsten Moment dürfen die Républicains sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, schrieb Dati. „Nur wenige Stunden nach der Zustimmung zur Regierungsbeteiligung wieder auszusteigen, bedeutet, Chaos und Unordnung zu provozieren. Die Franzosen erwarten von uns Verantwortungsbewusstsein.“

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In der Folge gab die Pariser Börse am Montagvormittag deutlich nach. Gegen 10 Uhr lag der französische Leitindex CAC40 zwei Prozent im Minus. Die anderen europäischen Börsen zeigten sich weitgehend unbeeindruckt vom politischen Chaos in Frankreich. In Frankfurt lagen die Kurse im Schnitt minimal im Minus.

afp, daw/pcl