Seit Wochen hört man von Pete Hegseth einen Satz: „Die Abteilung muss wachsam bleiben und die Pflegestandards einhalten, die dem Kriegerethos zugrunde liegen.“ Der US-Verteidigungsminister oder bald auch ganz offiziell „Kriegsminister“ scheint die Werbung des Rasierer-Herstellers Gilette verinnerlicht zu haben und kämpft bei seinen Soldaten „für das Beste im Mann“. Sie sollen glattrasiert und fit sein. Diese Haltung hat er bereits im August in einer internen Mitteilung an das US-Militär betont und an diesem Dienstag bei einem Treffen vor hochrangigen Generälen und Admirälen erneut bekräftigt.

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„No more beardos“, sagte Hegseth am Dienstag, was frei übersetzt so viel heißt wie: „Keine bärtigen Sonderlinge mehr.“ Die US-Soldaten sollen künftig stramme Burschen mit gepflegtem Äußeren sein. Dabei scheint neben der Betonung auf das Geschlecht (wenn Frauen die neuen Fitnessstandards erreichen, sei das gut – wenn nicht, sei das eben Pech), auch der Wunsch nach einer bestimmten Hautfarbe durchzustechen: Vor allem afro-amerikanische Soldaten könnten unter der neuen Maßgabe leiden.

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Im Krisenmodus
 

Dass Soldaten glatt rasiert sein müssen, ist in der US-Armee nichts Neues. Doch gab es seit dem Vietnam Krieg und der damit verbundenen verstärkten Aufnahme von schwarzen Männern eine neue Regelung, wie das US-Portal „Mother Jones“ berichtet. Denn laut dem „American Osteopathic College of Dermatology“ leiden rund 60 Prozent der afro-amerikanischen Männer unter „Pseudofolliculitis Barbae“, auch einfach Rasurbrand genannt. Die schmerzhaften Pusteln im Gesicht können sich durch tägliches Rasieren auf Dauer entzünden und permanente Narben hinterlassen. Zwar lässt sich diese Hautreizung durch eine sorgfältige Reinigung oder eine ärztliche Behandlung möglicherweise in den Griff bekommen, doch Experten empfehlen vor allem, sich nicht mehr komplett glatt zu rasieren. Eine „Heilung“ gibt es also nicht.

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Zwar gibt es für amerikanische Soldaten die Möglichkeit, sich ein ganzes Jahr lang von der Rasurpflicht entbinden zu lassen. Doch endet diese Periode und hat man derweil keine Lösung für den Rasurbrand gefunden, werden die Militärangehörigen entlassen. Die neue Richtlinie aus Hegseths Ministerium dürfte also zwangsläufig dazu führen, dass viele der laut „Mother Jones“ rund 200.000 schwarzen Soldaten ihre Militärkarriere über kurz oder lang an den Nagel hängen könnten.

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Dass der ehemalige Fox-Moderator weiß, für wen diese Maßgabe zum Problem wird, ist nicht belegt. Allerdings behauptet Hegseths immer wieder, dass Personen nur aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Ethnie in ihr Amt gekommen seien – gemeint sind Frauen und Nicht-Weiße. Hegseth, so scheint es, will ihnen das Leben in der Armee jetzt schwer machen.