Warum der Kreml nicht schneller auf den Post von US-Präsident Donald Trump reagiert hat? „Als Trump seine Äußerungen machte, war es in Moskau bereits dunkel. Es wäre seltsam, wenn der Kreml nachts reagieren würde“, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow leicht sarkastisch in einem Interview mit RBC-Radio. Und überhaupt: Sehr ernst nimmt man in Russland Trumps jüngste Äußerung nicht.

Trump hatte nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj am Rande der UN-Vollversammlung in New York auf seinem Netzwerk „Truth Social“ verbreitet, seiner Meinung nach könne die Ukraine mithilfe der Europäer ihr Territorium von Russland zurückerobern. „Mit Zeit, Geduld und der finanziellen Unterstützung der Europäer, vor allem aber der Nato, sind die Original-Grenzen vor dem Krieg absolut eine Option“, schrieb Trump.

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Außerdem bezeichnete er Russland als „Papiertiger“. Aus dem Kreml konterte man am Mittwoch. „Russland ist keineswegs ein Tiger. Schließlich wird Russland eher mit einem Bären in Verbindung gebracht. Es gibt keine ‚Papierbären‘, und Russland ist ein echter Bär“, so Peskow. Und Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, unterstellt Trump sogar Realitätsverlust. In seiner Realität „ist alles anders. Kiew gewinnt, Russland liegt in Trümmern“.

Sarkasmus macht sich breit, durchaus gemischt mit Enttäuschung über Trump. Die Euphorie nach dem Treffen zwischen Wladimir Putin und Trump in Alaska scheint verflogen. Die vom US-Präsidenten initiierte Annäherung zwischen Russland und den USA habe Peskow zufolge ein „Ergebnis nahe null“ gebracht. „Dieser Prozess verläuft schleppend, sehr schleppend.“

Putins Sprecher: „Russland erlebt Probleme in verschiedenen Wirtschaftsbereichen“

Die besetzten Gebiete zurückerobern, den Krieg gewinnen, das könne der Ukraine nicht gelingen, so Putins Sprecher. Die Offensive werde fortgesetzt, um „unsere Interessen zu wahren und die Ziele zu erreichen“, die Präsident Putin festgesetzt habe. „Wir tun dies sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft unseres Landes.“ Und weiter: Die Entwicklung an der Front zeige, „dass die Lage derjenigen, die jetzt nicht verhandeln wollen, morgen und übermorgen noch viel schlechter sein wird“. Kiews Pläne, die Ukraine in ihre Grenzen von 1991 zurückzuführen, seien unrealistisch, meint Andrej Kartapolow, der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament. Die tatsächlichen Grenzen würden von Russland festgelegt.

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Wirtschaftlich sei Russland nicht in Not, wie Trump das unterstellt hatte. „Russland bewahrt seine makroökonomische Stabilität“, so der Kremlsprecher. Und räumt gleichzeitig ein: „Russland erlebt Spannungen und Probleme in verschiedenen Wirtschaftsbereichen.“ Diese würden mit den Sanktionen und den globalen Wirtschaftsturbulenzen zusammenhängen. Allerdings kostet der Krieg in der Ukraine viel Geld. Rund 40 Prozent aller staatlichen Ausgaben fließen in Militär und Sicherheit. Für den Haushalt 2026 plant das Finanzministerium in Moskau deshalb eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent. Als „strategische Priorität“ wurden Verteidigung und Sicherheit genannt sowie die Versorgung der Soldaten und ihrer Familien.

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Bleiben die Sanktionen. Laut Trump würden sich die USA an Verschärfungen beteiligen, sofern alle EU- und Nato-Staaten mitmachen. Hier setzt man in Moskau auf Uneinigkeit. Kaum anzunehmen ist, dass etwa das Nato-Land Türkei bei Sanktionen mitzieht. Schließlich verdient man prächtig am Handel mit Russland. Und Ungarn will sich nicht von russischen Erdöllieferungen unabhängig machen, obwohl US-Präsident Donald Trump die Nato-Länder dazu aufgefordert hat. Das Land könne ohne russische Energie seine sichere Versorgung nicht gewährleisten, so der ungarische Außenminister Péter Szijjártó.