Bis vor ein paar Monaten repräsentierte Annalena Baerbock (Grüne) als Bundesaußenministerin die Bundesrepublik Deutschland, seit September ist sie für gleich 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verantwortlich. Wenn das mal kein Aufstieg ist! Die 44-Jährige hat sich als Präsidentin der UN-Generalversammlung gut in New York eingelebt, postet fleißig kurze Clips auf ihrem Instagram-Kanal (723 Tausend Follower) und holt sich dafür die obligatorischen Shitstorms ab. So weit, so normal.
Nun hat Baerbock dem Magazin „Stern“ ein längeres Interview gegeben. Es liest sich so, als sei die Übersiedelung in die Vereinigten Staaten ein großer Befreiungsschlag gewesen. „In Deutschland war das gerade für die Kinder nicht immer so einfach, dass die Mutter überall erkannt wird. Hier gehe ich komplett unter, ich kann rausgehen, ohne dass jedes Mal genau geschaut wird, ob man auch wirklich stehen bleibt, wenn die Ampel plötzlich auf Rot umspringt“, sagte die Ex-Außenministerin im Interview. Nicht dass wir glaubten, Baerbock ginge bei Rot über die Ampel, aber es klingt schon so, als spürten Baerbock und ihre beiden Töchter in New York die große Freiheit.
Robert Habeck? Annalena Berbock hat noch nicht mal über ihn nachgedacht
Nicht einmal deutsches Brot scheint die Chefdiplomatin in ihrer neuen Heimat zu vermissen. „Wie man auf Social Media sehen konnte, habe ich eine große Schwäche für Bagels“, sagte Baerbock augenzwinkernd. Und auch ihrem Parteifreund Robert Habeck weint sie offenbar keine Träne nach. „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“, sagte Baerbock dem „Stern“ und musste dabei lachen. Der ehemalige Rivale tritt demnächst einen neuen Job auf der anderen Seite der USA an: als Gastdozent an der „Public Ivy“-Universität Berkeley in Los Angeles.
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Um Politik ging es in dem Interview natürlich auch. Die Kriege in der Ukraine und in Gaza werden gestreift (Baerbock plädiert erneut für eine Zweitstaatenlösung mit einem eigenen Staat Palästina). Die Tatsache, dass sie der eigentlich für das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung vorgesehenen langjährigen Spitzendiplomatin Helga Schmid den Posten recht unelegant weggeschnappt hat, moderiert Baerbock locker weg und verweist auf die vorgezogene Neuwahl zum Bundestag. Weil das alles „anders kam“, habe man ein Regierungsmitglied (nämlich sie selbst) für den Job ins Rennen schicken können, so Baerbock nonchalant. Kann man so erklären, muss man aber trotzdem nicht gut finden.
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UNO-Generalsekretärin will Baerbock nicht werden
Und was passiert, wenn ihre Amtszeit (nur ein Jahr!) vorbei ist? Zurück nach Berlin? „Das Jahr ist kurz genug. Daher werde ich jeden einzelnen dieser 365 Tage hier mit voller Leidenschaft ausfüllen. Was ich danach mache, sehe ich dann“, antwortet Baerbock. Ein Job wird es aber garantiert nicht werden. Auf die Frage, wie eine UNO-Generalsekretärin Annalena Baerbock klinge, sagte sie dem „Stern“: „Die Betonung auf ‚in‘ – das klingt wunderbar! Und vor allem überfällig nach 80 Jahren.“
Baerbock fügte hinzu: „Aber dass ich das Amt übernehme, ist ausgeschlossen.“ Den Prozess der Auswahl zu steuern, das sei jetzt ihr Job. „Und der ist bei dieser Weltlage schwierig genug.“




