Die Spannungen zwischen den USA und Venezuela haben sich in diesem Monat deutlich verschärft: US-Militärjets zerstörten mehrere mutmaßliche Drogenschmuggelboote in der Karibik, zuletzt eines rund 80 Seemeilen vor der dominikanischen Insel Beata. Das Boot sei vermutlich aus Venezuela aufgebrochen, hieß es. Nach Angaben der US-Regierung befand sich auf dem Schnellboot rund eine Tonne Kokain. Präsident Donald Trump hatte den Einsatz zuvor angekündigt und ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie das Boot in Flammen aufgeht.

Offiziell dient der Einsatz der US-Marine der Bekämpfung von Drogenkartellen, die aus Venezuela operieren sollen. Experten und ehemalige Militär- und Geheimdienstvertreter sehen hinter den Aktionen jedoch vor allem einen politischen Druckversuch auf Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro. Washington bezeichnet ihn als illegitim und wirft ihm vor, kriminelle Banden und Drogenkartelle zu unterstützen. Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA würden keinen „Kartell-Staat“ in ihrer Hemisphäre dulden.

Die US-Militärpräsenz in der Region ist massiv: Rund 4.500 Soldaten befinden sich laut „New York Times“ auf acht Kriegsschiffen, dazu kommen F-35-Kampfflugzeuge in Puerto Rico. Analysten werten dies als deutliches Signal, dass Washington mehr bezweckt als die Zerstörung einzelner Boote. Admiral a. D. James Stavridis bezeichnete die Operation als „Gunboat-Diplomacy“, also als Kanonenbootdiplomatie, und betonte, dass die USA ernsthafte Schritte zur Veränderung von Maduros Verhalten erwägen, so die „New York Times“.

Venezuelas Reaktion und Militärübungen

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro reagierte scharf auf die US-Militäraktionen. In Caracas fanden großangelegte Militärtrainings für die Zivilbevölkerung statt. Maduro rief „Millionen“ Bürger dazu auf, im Falle eines Angriffs des „amerikanischen Imperiums“ bereit zu sein, „zu den Waffen zu greifen“ und Venezuela zu verteidigen. Auch der Verteidigungsminister Vladimir Padrino López kritisierte die Angriffe als „nicht erklärten Krieg“.

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Von Mittwoch bis Freitag (17. bis 19. September) hatten venezolanische Streitkräfte auf der Karibikinsel La Orchila eine dreitägige Militärübung durchgeführt. Auch in dicht besiedelten Stadtteilen wie Petare wurden Gruppen von Zivilisten im Umgang mit Waffen, Erster Hilfe und ideologischer Schulung ausgebildet.

Präsident Venezuelas schickt Brief an Trump

Am 6. September schickte Maduro einen Brief an US-Präsident Donald Trump, in dem er die Vorwürfe, Venezuela sei in den Drogenhandel verstrickt, zurückwies. Maduro wies die Behauptungen, er leite ein Drogenkartell, als „absolut falsch“ zurück und machte „Fake News“ für die Spannungen verantwortlich. Er betonte seine Gesprächsbereitschaft, lobte Trumps Einsatz zur Beendigung von Kriegen und forderte „Dialog und Verständnis“, um Frieden in der gesamten Hemisphäre zu sichern. Laut Maduro spiele Venezuela keine große Rolle im internationalen Drogenhandel – gestützt auf UN-Daten und Karten zu Drogenrouten in der Region.

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Menschenrechtsexperten kritisierten die US-Angriffe als „außergerichtliche Hinrichtungen“ und forderten die Vereinigten Staaten auf, sich aus ihrem „gesetzlosen Krieg gegen den Drogen-Terrorismus“ zurückzuziehen. Rechtsexperten und einige Mitglieder des US-Kongresses bezeichneten die Angriffe zudem als völkerrechtswidrig. Gleichzeitig kursieren Entwürfe für Gesetzesvorlagen, die Präsident Trump weitreichende Befugnisse für Einsätze gegen Drogenkartelle geben würden.

News aus den USA

Die massiven Militäroperationen und die Eskalation der Spannungen in der Karibik lassen in der Region Befürchtungen aufkommen, dass die USA möglicherweise einen Angriff auf venezolanisches Territorium planen könnten.

Armut und Misswirtschaft: Venezuela steckt tief in der Krise

Die USA, die EU und viele lateinamerikanische Staaten zweifeln das offizielle Wahlergebnis an und betrachten stattdessen den inzwischen im spanischen Exil lebenden Oppositionskandidaten Edmundo González als Sieger.

Die USA bieten 50 Millionen Dollar für Infos für eine Festnahme Maduros.
Die USA bieten 50 Millionen Dollar für Infos für eine Festnahme Maduros. © AP/dpa | Cristian Hernandez

Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Wirtschaft des einst wohlhabenden Landes mit reichen Erdölvorkommen leidet unter Missmanagement, Korruption und Sanktionen. Mehr als sieben Millionen Menschen haben Venezuela nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen.

afp/dpa/kmh