Der US-Sender ABC setzt die Talkshow des prominenten Fernsehmoderators Jimmy Kimmel nach dessen Äußerungen über das Attentat auf den rechten Aktivisten Charlie Kirk vorerst ab. Die Sendung werde „in absehbarer Zukunft“ nicht mehr ausgestrahlt, teilte ABC mit. Begründet wurde der Schritt mit Äußerungen Kimmels über den getöteten Vertrauten von Präsident Donald Trump. An welchen Worten genau die Entscheidungsträger Anstoß nahmen, blieb offen. Trump äußerte sich erfreut über ihren Beschluss und forderte, weitere Shows ihm unliebsamer Moderatoren abzusetzen.
Kimmel hatte in seiner Show zuletzt suggeriert, dass der mutmaßliche Attentäter Tyler Robinson möglicherweise Teil der sogenannten Maga-Bewegung des US-Präsidenten gewesen sei. „Wir hatten am Wochenende einige neue Tiefpunkte, als die Maga-Gang verzweifelt versuchte“, den Mann, der Charlie Kirk ermordet habe, „als alles andere als einen von ihnen darzustellen und alles Mögliche tat, um daraus politisches Kapital zu schlagen“, sagte er.
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Der rechte Aktivist war vergangene Woche Mittwoch bei einem Auftritt auf einem Universitätscampus im Bundesstaat Utah erschossen worden. Kirk galt als einer der einflussreichsten rechten Aktivisten und Sprachrohr von Donald Trump für die Jugend.

Jimmy Kimmel abgesetzt: Sender – „Beleidigend und unsensibel“
Die Entscheidung von ABC erfolgte kurz nachdem Nexstar, einer der größten Eigentümer von ABC-Partnersendern, erklärt hatte, „Jimmy Kimmel Live“ „auf absehbare Zeit“ nicht auszustrahlen. In einer Mitteilung erklärte Nexstar-Präsident Andrew Alford, das Unternehmen lehne Kimmels Äußerungen nachdrücklich ab. „Die Äußerungen von Herrn Kimmel zum Tod von Herrn Kirk sind in einer kritischen Phase unseres nationalen politischen Diskurses beleidigend und unsensibel“, erklärte er.
Kimmel reagierte zunächst nicht auf die Entscheidung der Disney-Tochter ABC. Ob die Show überhaupt wieder aufgenommen wird, ist angesichts der aufgeheizten Stimmung in den USA fraglich.

In den Vereinigten Staaten tobt ein erbitterter Streit darüber, wie sich über den Tod Kirks geäußert werden darf, dessen teilweise extrem konservative Ansichten heftig umstritten waren. Trump und seine Regierung haben angekündigt, gegen Kommentatoren vorzugehen, die sich ihrer Meinung nach nicht angemessen zu dem im Bundesstaat Utah erschossenen 31-Jährigen äußern. Kritiker halten es für höchst bedenklich, dass dabei Presse- und Meinungsfreiheit auf der Strecke bleiben.
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Trump frohlockt: „Tolle Neuigkeiten für Amerika“
„Tolle Neuigkeiten für Amerika“, kommentierte Trump die Personalie auf seiner Plattform Truth Social. „Glückwunsch an ABC, dass sie endlich den Mut hatten, das zu tun, was getan werden musste.“ Der Präsident nahm zudem die verbliebenen Comedians Jimmy Fallon und Seth Meyers ins Visier, die er „zwei totale Versager“ nannte. Der Sender NBC müsse nun folgen und ihre Shows ebenfalls absetzen. Trump formulierte es als klare Aufforderung: „Tu es, NBC!!!“
In Los Angeles, wo Kimmels Show aufgezeichnet wird, äußerten sich Fans der Sendung entsetzt. „Jede Fernsehsendung, die sich gegen Donald Trump ausspricht, versucht er zu verbieten“, sagte der 51-jährige Tommy Williams. „Wir verlieren unsere Meinungsfreiheit. So etwas passiert in Russland, Nordkorea und China, bei staatlichen Fernsehsendern.“
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Late-Night-Shows sind Trump Dorn im Auge
Die amerikanischen Late-Night-Shows stehen seit der Absetzung des ebenfalls prominenten Talkmasters Stephen Colbert beim Sender CBS besonders unter Druck. Trump machte immer wieder klar, dass ihm neben Colbert vor allem Jimmy Kimmel ein Dorn im Auge sei. Die US-Talkmaster machen sich in pointierter und teils derber Art und Weise über den US-Präsidenten und dessen autoritären Tendenzen lustig und bilden damit in den Augen vieler Beobachter ein wichtiges Gegengewicht zur politisch einseitigen Kommunikation des Weißen Hauses.
Shows von Kimmel, Colbert oder anderen „Talkern“ wie Meyers, Fallon und John Oliver nutzen dabei ihre im Vergleich zu nüchterner formulierenden News-Journalisten größeren Freiheiten, geben sich betont subjektiv und halten sich sprachlich nicht zurück.
Anders als die meisten Nachrichtenmoderatoren sprechen sie in diesem Zusammenhang beispielsweise nicht von „Unwahrheiten“, sondern von „Lügen“, nicht von „skurrilen Auftritten“, sondern „Peinlichkeiten“. Aus ihrer Abneigung gegenüber Trump und dessen Regierungsmethoden machen Kimmel und Co. dabei keinen Hehl. Trump nimmt derlei Kritik persönlich und versucht kritisch berichtende Medien auch mit juristischen Mitteln auf Regierungslinie zu bringen, wie nicht nur die jüngste Milliarden-Klage gegen die „New York Times“ zeigt.
News aus den USA
Nicht nur US-Medien im Visier
Doch US-Medienprofis sind nicht die einzigen, die infolge des Todes von Charlie Kirk und der Debatte über die Kommentierung des Attentats in Bedrängnis geraten. So geriet der als Korrespondent in Washington arbeitende ZDF-Journalist Elmar Theveßen ebenfalls unter Beschuss – unter anderem wegen Bemerkungen über Kirk und Kritik an Trumps stellvertretendem Stabschef Stephen Miller. Der früher als US-Botschafter in Berlin stationierte Trump-Vertraute Richard Grenell bezeichnete Theveßen daraufhin als „linksradikal“ und forderte, ihm das Visum zu entziehen.
Das ZDF entgegnete dazu knapp, man nehme die Aussagen zur Kenntnis – und „die Arbeit von Elmar Theveßen ist durch die Pressefreiheit geschützt“. Sie sei ein hohes Gut, in Deutschland und in den USA.
dpa/afp/bee










