- In Russland passiert fast die Hälfte aller Verbrechen unter Alkoholeinfluss
- In vielen Fällen handelt es sich um häusliche Gewalt
- Eine Region reagiert und setzt mit neuen Maßnahmen ein deutliches Zeichen
Für seine Hochzeit bekam Alexei M. extra Urlaub vom Krieg, reiste von der Front in der Ukraine in seine Heimat Jekaterinburg. Was dann geschah, das berichtet das Portal sibireal.org. Am Ende jener Nacht am 5. März war Marina, Alexeis frisch angetraute Ehefrau, tot. Erstochen von ihrem eigenen Ehemann.
Gewalt war wohl immer schon ein Thema in deren Beziehung, berichtet ihre Freundin. „Er und Marina waren schon lange vor der Hochzeit zusammen, als er noch im Sägewerk arbeitete. Er schlug sie oft, aber sie ließ sich das gefallen.“ Danach, so die Freundin, kniete er nieder, weinte und entschuldigte sich. Schlimm genug. Aber Mord? Gefeiert wurde die Hochzeit bei Marinas Freundin. Und natürlich floss der Alkohol in Strömen. Alexei beschuldigte seine Frau, sie hätte ihn betrogen – und stach mit einem Küchenmesser zu. Natürlich habe sie ihn nicht betrogen, weiß Marinas Freundin, „das stimmte nicht, aber er wurde schon an der Front paranoid.“ Im Krieg habe er völlig den Verstand verloren. Alexei M. wurde zu 12,5 Jahren Straflagerhaft verurteilt.
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Russland: 46 Prozent aller Straftaten geschehen unter Alkoholeinfluss
Traumatisierung durch den Krieg plus Alkohol, eine gefährliche Mischung: In den drei Jahren nach Kriegsbeginn seien in Russland laut dem Portal verstka.media mindestens 378 Menschen durch Straftaten von Soldaten auf Heimaturlaub gestorben, weitere 376 hätten lebensgefährliche Verletzungen erlitten. „Die meisten Verbrechen sind häuslicher Natur und geschehen aufgrund von Alkoholkonsum“, so das Portal.
Alkohol ist in Russland ein großes Problem, auch wenn die Zahl der Straftaten, begangen unter Alkoholeinfluss, rückläufig ist. Zumindest, wenn man offiziellen Angaben glaubt. Laut dem russischen Innenministerium wurden von Januar bis Juli 2025 in ganz Russland mehr als 88.000 Straftaten registriert, bei denen Alkohol eine Rolle spielte. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl zwar zurückgegangen, aber vor allem in der Provinz ist Alkohol nach wie vor ein Faktor. Trauriger Spitzenreiter sei die Region Tuwa in Südsibirien. 46 Prozent aller Straftaten seien dort unter Alkoholeinfluss begangen worden, in Burjatien seien es 33 Prozent gewesen.

Beispiel Jakutsk, eine Stadt am Polarkreis: Dort eskalierte im Juli ein Streit zwischen zwei Brüdern. Laut Staatsanwaltschaft stach einer der beiden „beim gemeinsamen Konsum alkoholischer Getränke“ mit einem Messer zu. Das Opfer verblutete noch am Tatort. Im Mai lief eine Geburtstagsparty russischer Jugendlicher in der sibirischen Region Irkutsk aus dem Ruder. Auch dort wurde viel getrunken. Die Feier endete mit einer Gewaltorgie. Einer der betrunkenen Gäste attackierte die anderen mit einem Messer, zündete anschließend das Gartenhaus, in dem die Feier stattfand, an und kam dabei ums Leben. Die Bilanz des Abends: fünf Tote. „Die Toten sind im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, darunter ist auch ein Mädchen“, so der Sprecher des Ermittlungskomitees in der Region Irkutsk.
Region Wologda: Alkohol gibt es nur noch zwischen 12 und 14 Uhr
Schluss mit dem Saufen, das verkündete im März Georgij Filimonow, der Gouverneur der Region Wologda, knapp 400 Kilometer nordöstlich von Moskau. Alkoholismus sei „eine schwere soziale Krankheit und eine Geißel unserer Gesellschaft“. An Wochentagen darf jetzt in der ganzen Region nur noch zwischen 12 und 14 Uhr Alkohol verkauft werden. Ein voller Erfolg, meint der Gouverneur, Straftaten unter Alkoholeinfluss seien um 30 Prozent zurückgegangen. Russische Journalisten, die vor Ort waren, sind da skeptischer. Keine langen Schlangen vor den Geschäften, Taxifahrer bunkern Alkohol und verkaufen aus dem Kofferraum. Und dann bleibt immer noch der manchmal tödliche Griff zum selbst gebrannten Schnaps.
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Illegal gebrannter Schnaps birgt große Gefahren
Im August berichtete die Nachrichtenagentur RIA Nowosti vom Tod dreier Menschen in Kuban im Nordkaukasus. Gekauft hatten sie den illegal gebrannten Schnaps auf einem regionalen Markt. „Nach dem Konsum wurden mehrere Bürger mit Anzeichen einer Vergiftung in eine medizinische Einrichtung gebracht. Drei von ihnen starben anschließend. Den vorliegenden Informationen zufolge könnte es noch weitere Opfer geben, darunter auch Touristen aus anderen Regionen“, so ein Vertreter der örtlichen Behörden. Schwarz gebrannter Alkohol enthält als Verunreinigung oft das stark giftige Methanol, das zur Blindheit und sogar zum Tod führen kann. Zwei Verkäuferinnen wurden festgenommen, eine 30-Jährige und ein 71-Jähriger. Verkauft hatten sie den Alkohol unter dem Deckmantel „hausgemachter Wein“. Die verkaufte Alkoholmenge blieb unbekannt.
Alkohol in Russland: Traumatisierte Soldaten könnten das Problem verschärfen
Illegal gebrannter Schnaps gehört in Russland zum Alltag. Zumal hochprozentiger Alkohol teuer geworden ist. Im Zeitraum von Januar bis Mai sankt der Absatz allein von Wodka um 5,8 Prozent, berichtet die Zeitung Kommersant. Die Alternative zum teuren Wodka oder Cognac ist selbst gebrannt. Und hat Folgen. Allein in der Region Udmurtien am westlichen Rand des Ural wurden in diesem Jahr bislang 251 Fälle von Vergiftungen registriert, so die Behörden.
Alkoholismus war immer schon ein Thema in Russland. Durch zurückkehrende Soldaten nach einem Friedensschluss in der Ukraine könnte sich das Problem verschärfen. „Afgantsy“ nannte man in den 1990-Jahren die Veteranen, die aus dem Afghanistan-Krieg zurückkamen. Kriegstraumatisierung, Drogen und vor allem Alkohol führten zu steigender Kriminalität im Land. Viele befürchten, das könnte sich wiederholen.




![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, LUGANSK PEOPLE'S REPUBLIC - JULY 29, 2026: A serviceman from the military commandants office of the Lugansk People's Republic performs an air defence duty to protect the airspace of the Lugansk People's Republic. Alexander Reka/TASS] Air defence in Lugansk People's Republic, Russia](https://img.sparknews.funkemedien.de/412741926/412741926_1785999935_v16_9_1200.jpeg)



