Diesmal ging es schnell. Während sich Emmanuel Macron bei den letzten Regierungsbildungen teils mehrere Monate Zeit gelassen hatte, entschied er sich nun binnen weniger Stunden. Am Dienstagmorgen reichte der abtretende Regierungschef François Bayrou seinen Rücktritt ein – und am Abend vermeldeten die Abendnachrichten bereits die Ernennung Lecornus.

Mit der eiligen Ernennung wollte Macron zweifellos dem wachsenden Druck der Linken begegnen und zuvorkommen. Die Sozialisten verlangten den Premier-Posten seit Tagen für sich. Sie stützten sich auf das Resultat der letzten Parlamentswahl von 2024, in der die Linksfront mit Einschluss der Sozialisten knapp vorne lag. Macron hatte aber die drei letzten Premierminister – Michel Barnier, François Bayrou und jetzt Sébastien Lecornu – aus den eigenen Reihen gewählt.

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In ersten Reaktionen sprach die Parti Socialiste von einer „Ohrfeige“ des Präsidenten für die gesamte Linke. Die Linksaußenpartei „Das unbeugsame Frankreich“ warf Macron eine „Provokation“ vor. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen befand, Lecornu sei Macrons „letzte Patrone“.

Das verheißt nichts Gutes für den neuen Premier. Mit vereinten Kräften könnten ihn die Linke und Le Pens Rassemblement National (RN) rasch wieder zu Fall zu bringen. Die Sozialisten könnten dabei das Zünglein an der Waage spielen. Und sie würden nun zweifellos gegen eine Macron-Regierung stimmen. Denn sie hatten sich bereits auf die Ausübung der Regierungsverantwortung eingestellt. Unter anderem hatten sie Einsparungen von 21,7 Milliarden Euro an dem Staatshaushalt 2026 vorgesehen. Bayrou hatte mit dem Anspruch, 44 Milliarden einzusparen, die Vertrauensabstimmung in der Nationalversammlung verloren.

Frankreich weiter politisch gespalten

Macron gab seinem neuen Regierungschef die schriftliche Vorgabe auf den Weg, er solle „mit allen Parteien“ den Kontakt suchen. Lecornu ist mit den Verhältnissen in der Nationalversammlung bestens vertraut. Seine Karriere hatte der heute 39-Jährige als jüngster Parlamentsassistent Frankreichs gestartet. Er begann als Mitglied der konservativen Partei UMP – heute „Les Républicains“ – und gehörte 2017 zu den ersten, die ins Mitte-Lager von Emmanuel Macron überliefen.

Auch wenn Lecornu das Rampenlicht scheut, kennen die Franzosen sein Gesicht aus vielen TV-Berichten zum Thema Ukraine-Krieg. Als Verteidigungsminister ist der aus der Region Paris stammende Berufspolitiker, der früher Mönch werden wollte, immer wieder in die Ukraine gereist. Er brachte dem kriegsversehrten Land neue Waffenlieferungen oder schlicht seine Unterstützung. Wie er seinen baldigen Regierungssturz vereiteln will, weiß er wohl noch selber nicht.