Ein Bayer auf Rügen – das war einst eine beliebte Fernsehserie (1993 bis 1997) mit Wolfgang Fierek in der Hauptrolle. Heutzutage muss es heißen: ein Bayer auf Helgoland. Denn am Dienstag und Mittwoch hat Markus Söder (58) die Insel in der Nordsee besucht.

Der Zweck der Reise? Eigentlich keiner. Es sei ein Freundschaftsbesuch, sagt der bayrische Ministerpräsident von der CSU. Und Helgolands Bürgermeister Thorsten Pollmann (parteilos) betont: „Dieser Besuch hat privaten Charakter.“ Was natürlich nur die halbe Wahrheit ist, schließlich begleitet ein ganzer Pressetross Söder öffentlichkeitswirksam. Hinzu kommt: Die Insel selbst hat für den rund 19-stündigen Aufenthalt des Gastes so ziemlich alles aufgefahren, was sie hat.

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Söder schmettert Seemannslied

Söder selbst hat sichtlich Spaß an seinem bereits zweiten Aufenthalt auf Helgoland, schmettert in der Nordseehalle mit einem Shanty-Chor das Seemannslied „Sie hieß Mary-Ann“ von Freddy Quinn. Dabei hatte er sogar einen kurzen Solo-Part. Dann stellt er sich vor der Langen Anna (ein 47 Meter hoher Brandungspfeiler) in Pose, um später Gleiches noch einmal bei den Seehunden und Kegelrobben auf der Düne zu tun. Mit dabei: ein Trupp Trachtler aus Bayern.

Bayerns Ministerpräsident Söder besucht Helgoland
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (6.v.r., CSU) steht inmitten einer Trachtengruppe während der Ankunft auf Helgoland.© Frank Molter/dpa | Frank Molter

Was nicht fehlen darf – der Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde. Das passiert nicht etwa im Rathaus in irgendeinem Bürgermeisteramtszimmer, nein, das zelebriert der Besuch aus dem Süden öffentlichkeitswirksam auf dem zentralen Platz der Insel – samt Sherry am frühen Vormittag für alle. „Es war mir eine Ehre“, sagt er danach. Um dann seine Kanäle in den sozialen Medien mit seinen Eindrücken bestücken zu lassen. „Ich habe mich in diese Insel verliebt. Ich kann es gar nicht anders sagen.“

Was ebenfalls nicht fehlen darf: die Rubrik #söderisst. Bei Instagram ist zu beobachten, dass Söder voller Leidenschaft in ein frisches Matjesbrötchen beißt – „am liebsten mit vielen Zwiebeln“. Da sage noch einer, dass Söder nur das „fetischhafte Wurstgefresse“ (Zitat Habeck) beherrsche.

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Markus Söder versorgt seine Anhängerschaft mit Fotos und Videos bei Instagram

Überhaupt Instagram: Mit mehreren Beiträgen aus Helgoland, Fotos und Videos, versorgt er dort seine Follower. So ist er beispielsweise auf der Brücke des 12.000-PS-Hochgeschwindigkeitskatamarans „Halunder Jet“ zu sehen. Oder bei den bereits erwähnten Kegelrobben: „Ein seltener und faszinierender Anblick. Helgoland zeigt, wie kraftvoll Natur und Geschichte wirken können. Und warum es sich lohnt, beides zu bewahren. Ein Besuch, der beeindruckt und den man nicht vergisst“, schreibt der CSU-Politiker dazu auf Instagram.

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Aber warum zieht es den bayrischen Ministerpräsidenten überhaupt auf die Insel, die Luftlinie ca. 936 Kilometer von München entfernt liegt? Söder hatte im Februar auf einer Veranstaltung erklärt, dass sowohl Sylt als auch Helgoland wegen der hohen Zahlungen Bayerns in den Länderfinanzausgleich eigentlich längst zum Freistaat gehören müssten. Das wiederum nahmen Bürgermeister Pollmann und die Tourismusdirektorin Katharina Schlicht zum Anlass, den Ministerpräsidenten werbewirksam einzuladen. Und weil sie das so nett getan hätten, habe er zugesagt, sagt Söder.

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Was er dabei jedoch nicht gemacht hat, ist Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) von seinen Absichten zu unterrichten. Eigentlich gehört es zum guten Ton, dass sich die Staatskanzleien darüber informieren, wenn ein Regierungschef in das Bundesland eines anderen reist. Entsprechend irritiert zeigte man sich in Kiel.

Günther wünscht Söder ruhige See und nicht zu viel Wind

Entsprechend schmallippig reagierte Günther, verwies darauf, dass ein Treffen nicht möglich sei, weil er Gäste betreuen müsse, „die auch vorher Bescheid gesagt haben“. Er wünschte Söder eine ruhige See und nicht zu viel Wind, damit er wohlbehalten ankomme und auch wohlbehalten wieder zurückfahre.

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Entsprechend ist auch Söders Reise selbst Thema auf der Insel. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich der Bürgermeister genau die politische Dimension überlegt hat“, sagt Söder. Dieser habe schon den ganzen Tag Muffe davor, wie der Besuch in Kiel aufgenommen wird. Doch der Gast aus München beruhigt: „Sollte es Ärger geben und sollten Sie irgendwann wirklich nicht mehr zufrieden sein mit der Situation, weil der Kreis Pinneberg zickt, weil Kiel gar kein Geld mehr hat, wie es im Moment der Fall ist“, dann könne er sich an den „reichen Freund aus dem Süden“ wenden. „Sollte das irgendwie eine Strafaktion geben werden, wir kommen dafür auf, Herr Bürgermeister.“

dpa/dw