Laut einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) sind viele Lehrkräfte in NRW mit der Umsetzung der schulischen Inklusion unzufrieden, obwohl sie grundsätzlich Inklusionsbefürworter sind, also das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen für sehr wichtig erachten.

„Die Haltung der Lehrkräfte ist klar. Landesregierung und Schulträger sind gefordert, die Bedingungen für eine gelingende schulische Inklusion zu schaffen – und das seit Jahren“, erklärt hierzu Anne Deimel, Landesvorsitzende des VBE NRW, in einer Mitteilung.

Nicht einmal jeder Fünfte ist mit den Bedingungen zufrieden

Für die vom Institut Forsa durchgeführte Studie wurden im März und April 2025 insgesamt 2.737 Lehrkräfte in Deutschland befragt, darunter 518 in NRW. 289 von ihnen unterrichten derzeit in inklusiven Klassen. Das Ergebnis: 64 Prozent der Lehrkräfte in NRW halten die gemeinsame Unterrichtung von Kindern mit und ohne Behinderung grundsätzlich für sinnvoll – ein Höchstwert im Vergleich zu den Vorjahren (2020 waren es zum Beispiel 57  Prozent) und über dem Bundesdurchschnitt (62  Prozent). Doch nur 18 Prozent halten Inklusion unter den aktuellen Bedingungen auch praktisch für sinnvoll.

Schlechtere Bedingungen für Inklusion in NRW

Die Umfrage des VBE zeigt, dass im Bund durchschnittlich 19,4 Schülerinnen und Schüler in einer inklusiven Klasse unterrichtet würden, in der im Durchschnitt 4,0 Kinder einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf hätten. In NRW seien es jedoch 4,5 Kinder in Klassen mit durchschnittlich 21 Schülerinnen und Schülern.

Barrierefreiheit ist alles andere als selbstverständlich

97 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer fordern laut dem VBE eine Doppelbesetzung aus Lehrkraft und sonderpädagogischer Lehrkraft in inklusiven Klassen. Die Realität an den Schulen sei aber eine andere. Nur zwei Prozent der befragten Lehrkräfte hätten angegeben, dass es an ihrer Schule in inklusiven Klassen immer eine Doppelbesetzung gebe. Fast jede dritte Lehrkraft (27 Prozent) sei durchweg alleine in ihrer Klasse. Ein weiterer Besorgnis erregender Befund: 46 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Schule in keiner Weise barrierefrei sei, erklärt die Gewerkschaft.

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Etwa vier von fünf befragten Lehrkräften in NRW kritisieren die Inklusionspolitik der Landesregierung. Als Gründe wurden vor allem genannt: Personalmangel, ungeeignete Räume, zu große Klassen und das „Alleinlassen“ der Lehrkräfte.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) reagierte so auf die Umfrage: „Wir wissen, dass die Anforderungen an die Schulen in Zeiten steigender Schülerzahlen mit sonderpädagogischem Förderbedarf wachsen. Das stellt das gesamte Bildungssystem vor Herausforderungen.“ NRW investiere aber „massiv“ in die schulische Inklusion.

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Der VBE in NRW fordert daher echte Doppelbesetzungen aus Lehrkraft und sonderpädagogischer Lehrkraft für das gemeinsame Lernen, kleinere Lerngruppen – Klassen dürften 24 Kinder und Jugendliche nicht überschreiten, Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf müssten dabei doppelt gezählt werden - bessere Fortbildungen für Lehrkräfte, passende Lernmittel, digitale Ausstattung und barrierefreie Räume.

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„Dass die Realität so weit hinter dem Anspruch zurückbleibt, liegt nicht in der Verantwortung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sondern in der Verantwortung der Politik. Eine gelingende Inklusion ist eben nicht nur eine Frage des Wollens und der Haltung - es ist eine Frage der Bedingungen“, betont VBE-Landeschefin Anne Deimel.