In Berlin gilt anlässlich der Beisetzung der verstorbenen Holocaust-Überlebenden und Berliner Ehrenbürgerin Margot Friedländer am heutigen Donnerstag eine hohe Sicherheitsstufe. Die Polizei wird mit vielen Einsatzkräften zum Schutz der Trauerfeier und einzelner hochrangiger Personen Präsenz zeigen, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Trauerfeier auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begann um 10 Uhr. 

Zur Beerdigung kamen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Olaf Scholz (SPD), Angela Merkel, Bundespräsident a.D. Joachim Gauck, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Ron Prosor, Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Berlins ehemaliger Kultursenator Joe Chialo und Yehuda Teichtal, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Chabad.

Die ersten Trauergäste treffen um 9.30 Uhr ein.
Die ersten Trauergäste treffen um 9.30 Uhr ein.© Alexander Rothe | Alexander Rothe

Bewgender Abschied von Margot Friedländer: „Sie haben uns einen Auftrag hinterlassen“

Bei der Trauerfeier sprach Gideon Joffe, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Eröffnungsworte. In seiner Rede wandte er sich direkt an die Verstorbene: „Liebe Frau Friedländer, Sie haben uns einen Auftrag hinterlassen“, sagte Joffe. „Er heißt schlicht und eindringlich: seid Menschen. Wir versprechen Ihnen, wir werden erinnern, wir werden sprechen und wir werden versuchen, Ihrem Wunsch gerecht zu werden, Menschen zu sein.“

Auch Sänger Max Raabe erwies Margot Friedländer die letzte Ehre – mit einem musikalischen Abschied. Bereits zu ihrem 103. Geburtstag hatte er ihr ein Ständchen gesungen. Bei der Trauerfeier singt Raabe erneut und wählt ein Lied, das gut zu Friedländers Lebenshaltung passte: „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück, und ich träum’ davon in jedem Augenblick. Irgendwo auf der Welt gibt’s ein bisschen Seligkeit, und ich träum’ davon schon lange lange Zeit.“

Beisetzung Holocaust-Überlebende Margot Friedländer
Blumen liegen auf dem Sarg der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer im Friedhof Weißensee der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. © Kay Nietfeld/dpa Pool/dpa | Kay Nietfeld

Margot Friedländer mit 103 Jahren gestorben – Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Beerdigung

Es gelte für die Polizei, einen würde- und respektvollen Rahmen für die Beerdigung zu schaffen und zugleich für die Sicherheit hochrangiger Personen zu sorgen, erklärte die Sprecherin weiter. Zu einzelnen Schutzmaßnahmen würden jedoch keine Angaben gemacht. Erst am Montag war es in der Stadt zu weitflächigen Sperrungen und umfassenden Sicherheitsvorkehrungen gekommen, als der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog seinen Staatsbesuch in Berlin absolvierte.

Margot Friedländer war am vergangenen Freitag im Alter von 103 Jahren gestorben. Als Jüdin war sie in der NS-Zeit ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte sie in die USA, kam aber im hohen Alter zurück in ihre Heimat Berlin. Seither setzte sie sich bei zahlreichen Veranstaltungen etwa an Schulen für Menschlichkeit und Demokratie, gegen das Vergessen der NS-Verbrechen und gegen Hass ein.

Für ihr Lebenswerk wurde Friedländer zur Ehrenbürgerin Berlins ernannt. Die Stadt würdigt sie nun mit einem Ehrengrab.

Abschied von Margot Friedländer – Prominente Politiker vor Ort

Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Berlins Regierender Buergermeister Kai Wegner, die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel, Axel Springer SE - Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner, Bundeskanzler Friedrich Merz, Daniela Schadt, der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, Monika Grütters, bei der Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedländer im Friedhof Weißensee der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Bundesräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßt Kinder bei der Trauerfeier von Margot Friedländer.© epd | Kay Nietfeld
Die ersten Trauergäste treffen um 9.30 Uhr ein.
Die ersten Trauergäste treffen um 9.30 Uhr ein.© Alexander Rothe | Alexander Rothe
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Bundeskanzler Friedrich Merz verbeugt sich vor dem Sarg, während der Beisetzung der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Zahlreiche hochrangige Gäste waren bei dem bewegenden Abschied der Holocaust-Überlebenden dabei.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Der mit Blumen geschmückte Sarg der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Monika Grütters, Bundeskanzlerin a.D Angela Merkel (CDU), Bundeskanzler a.D. Olaf Scholz (SPD) und seine Frau Britta Ernst.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Vier Männer tragen den Sarg von Margot Friedländer.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Der mit Blumen geschmückte Sarg der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz und seine Ehefrau Britta Ernst während der Beisetzung der Holocaust-Überlebenden.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Bundeskanzler Friedrich Merz richtet den Kranz der Bundesregierung bei der Beisetzung.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundeskanzler Friedrich Merz, Elke Büdenbender und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Beisetzung.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Bundeskanzler Friedrich Merz grüßt den früheren Bundespräsidenten.© epd | Kay Nietfeld
Beisetzung der Holocaust-Ueberlebenden Margot Friedlaender
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner trägt ins Kondolenzbuch von Margot Friedländer ein.© epd | Kay Nietfeld
Rund ein Dutzend Anwohnerinnen und Anwohner lauschen in Sichtweite des Friedhof-Eingangs den Trauerreden von Steinmeier und Merz, die durch die Lautsprecher rüberschallen.
Rund ein Dutzend Anwohnerinnen und Anwohner lauschen in Sichtweite des Friedhof-Eingangs den Trauerreden von Steinmeier und Merz, die durch die Lautsprecher rüberschallen.© Alexander Rothe | Alexander Rothe