Mitten in einer Zeit zunehmender Unsicherheit legt NRW ein Darlehensprogramm auf, welches die Investitionsbereitschaft vor allem kleiner und mittlere Unternehmen ankurbeln soll.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) bezeichnet das Angebot als „Investitions-Turbo“. Johanna Antonia Tjaden-Schulte von der verantwortlichen NRW.Bank spricht von „besseren Konditionen als je zuvor“ für Firmen, die in Nachhaltigkeit, Digitalisierung und moderne Technologien investieren möchten.

Niedrige Zinsen und hohe Tilgungsnachlässe für kleine und mittlere Unternehmen

Die Darlehen aus dem Programm „NRW.Bank Invest Zukunft“ können alle Unternehmen in NRW ab dem 19. Mai 2025 über ihre Hausbank beantragen. Der Zins liegt zwei Prozent unter dem Marktzins. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten zusätzlich Tilgungsnachlässe zwischen fünf und 20 Prozent.

Bei einer Darlehenssumme von 500.000 Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren könne ein kleines Unternehmen mit diese Programm rund 170.000 Euro sparen, so die NRW.Bank. Die Maximal-Ersparnis liege für ein Darlehen über zehn Millionen Euro bei zwei Millionen Euro. Die Verwendungszwecke sind vielfältig: Klima- und Umweltschutz, Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz, Mobilität, Digitalisierung und Innovation.

Unsichere Lage dämpft die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen

Mehrere kleine und mittelständische Unternehmen lobten am Freitag das Förderprogramm als unbürokratisch, günstig und breit gefächert. Sie stellten allerdings klar, dass die Lage derzeit so unübersichtlich sei, dass viele Firmen vor Investitionen zurückschrecken.

„Wir benötigen generell eine Trendwende bei der Konjunktur“, sagte Jutta Kruft-Lohrengel, Chefin eines Autohauses in Oberhausen und Präsidentin der IHK Essen. Ihr Unternehmen plant mit Hilfe der NRW.Bank die „Elektrifizierung“ des Betriebshofes und den Bau einer Halle für Hochvolt-Technik.

„Nachhaltige“ Brot-Tüte kommt bei vielen Kundinnen und Kunden nicht an

„Das Geld sitzt nicht locker. Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen ist alles andere als einfach“, sagte Peter Barlog, Chef einer Kunststofftechnik-Firma in Overrath. Sehr wichtig sei Planungssicherheit. Es werde zu oft ins Leere investiert, weil die Entwicklung nicht vorhersehbar sei. „Da schwenkt die Autoindustrie wieder zurück zum Verbrenner, obwohl sie lange Richtung E-Mobilität unterwegs war, und Recycling-Quoten kommen doch nicht so wie gedacht.“

Lena und Matthias Winkelmann, die eine Bäckerei-Kette am Niederrhein leiten, möchten rund 800.000 Euro investieren, unter anderem in neue Backöfen, Kühl-Räume und eine „Brötchenstraße“. Sie planen zudem eine App, mit der Kunden Waren per Smartphone bestellen und bezahlen können. Auch diese Firma leide darunter, dass Entwicklungen kaum noch vorhersehbar seien, erklärt die Chefin. „Wir haben nachhaltige Brot-Tüten, die das Dreifache kosten im Vergleich zu den normalen Plastiktüten. Die Kunden möchten aber wieder die Plastiktüten, weil der Nachhaltigkeitsgedanke schon wieder verloren gegangen ist.“