Der abgewählte Bundeskanzler Olaf Scholz ist aus Sicht des SPD-Landtagsfraktionschefs in Nordrhein-Westfalen, Jochen Ott, auch an seiner mangelhaften Kommunikation gescheitert. „Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Bundeskanzler eben mehr sprechen und auch mehr emotional führen muss, um die Menschen mitzunehmen“, sagte der Oppositionsführer nach einer Fraktionssitzung in Düsseldorf. „Das hat Olaf Scholz nicht hinbekommen.“

Schlechtestes Ergebnis seit dem Kaiserreich

Die SPD hatte mit 16,4 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis jemals bei einer Bundestagswahl eingefahren. Es ist zugleich ihr schlechtestes Ergebnis bei einer nationalen Parlamentswahl seit 138 Jahren – seit der Reichstagswahl 1887 im Kaiserreich, als sie noch Sozialistische Arbeiterpartei hießen.
„Jeder hier weiß, dass wir drei unbeliebte Ampel-Matadore hatten plus einen unbeliebten CDU-Kandidaten, was die Stimmung der Wahlberechtigten wahrscheinlich nicht besonders fröhlich gemacht hat“, bilanzierte Ott.

Wahlkreis-Sieger: Wer für das Ruhrgebiet im Bundestag sitzt

Regierungsviertel am Morgen
Wer wird im nächsten Deutschen Bundestag für die Interessen des Ruhrgebiets kämpfen?© picture alliance/dpa | Fabian Sommer
***MONTAGE*** CDU Kreisverband Wesel Sascha van Beek
Am östlichen Rand des Ruhrgebiets, im Kreis Wesel, gewinnt Sascha van Beek (CDU) den Wahlkreis Wesel I (112) souverän mit 34,8 Prozent der Erststimmen. Kevin Waldeck (SPD) kommt auf 28,1 Prozent der Stimmen.© Montage: Lena Lübner | Foto: CDU Kreisverband Wesel
***MONTAGE*** Kerstin Radomski CDU Wesel
Nur ein Teil des Wahlkreises Krefeld II/Wesel II (113) gehört noch zum Ruhrgebiet. Kerstin Radomski (CDU) gewinnt ihn mit 31,9 Prozent der Stimmen gegenüber 30,3 Prozent für den SPD-Kandidaten Jan Dieren.© Montage: Lena Lübner | Foto: Tobias Koch
***Montage*** Bärbel Bas
Den Wahlkreis Duisburg I (114) hat die bisherige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas für die SPD gewonnen. Für sie stimmten 39 Prozent der Menschen, eines der bundesweit besten Ergebnisse. Ihr Gegenkandidat Dennis Benjamin Schleß von der CDU erhielt 22 Prozent der Stimmen. © Montage: Antonia Keßler | Foto: Deutscher Bundestag / Tobias Koch
***MONTAGE*** Unterwegs mit SPD-Kandidat Mahmut Özdemir in AfD-Hochburg
Der SPD-Politiker und bisherige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Mahmut Özdemir, hat den Wahlkreis Duisburg II (115) mit 33,1 Prozent der Stimmen gewonnen. Zweitplatzierter war hier nicht die CDU, sondern der AfD-Kandidat Sascha Lensing.© Montage: Lena Lübner | Foto: Stefan Arend/FFS
***Montage*** SPD-Unterbezirksparteitag in Oberhausen
Im Wahlkreis Oberhausen – Wesel III (116) hat der SPD-Abgeordnete Dirk Vöpel sein Mandat verteidigt. 31,4 Prozent der Menschen stimmten für ihn, Simone-Tatjana Stehr (CDU) erhielt 26,9 Prozent.© Montage: Antonia Keßler | Foto: Martin Möller / Funke Foto Services
***Montage*** Sebastian Fiedler
Sebastian Fiedler ist 2021 erstmals in den Deutschen Bundestag eingezogen und hat sein Mandat im Wahlkreis Mülheim – Essen I (117) verteidigt. Für ihn stimmten 32,6 Prozent der Menschen, 28,9 Prozent der Erststimmen gingen an Astrid Timmermann-Fechtner (CDU). Damit hat Fiedler den Wahlkreis gewonnen, obwohl die CDU die meisten Zweistimmen holte.© Montage: Antonia Keßler | Foto: Maurice Weiss
***Montage*** Essener SPD-Kandidaten Ingo Vogel
Im Wahlkreis Essen II (118) heißt der Gewinner Ingo Vogel. Der Sozialdemokrat holte den Wahlkreis mit 30,3 Prozent der Zweitstimmen. Sein Gegenkandidat von der CDU, Florian Fuchs, kam auf 24,7 Prozent.© Montage: Antonia Keßler | Foto: SPD Essen
***Montage*** Der CDU Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer
Im Süden von Essen gewinnt Matthias Hauer (CDU) den Wahlkreis Essen III (119) mit 35,7 Prozent der Erststimmen und verteidigt ihn damit gegen den bekannten Schausteller Albert Ritter von der SPD (24,7 %).© Montage: Antonia Keßler | Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services
***Montage*** Essen - Ruhrgebeitsabgeordnete der SPD
Der Abgeordnete Frank Schwabe (SPD) hat seinen Wahlkreis Recklinghausen I (120) mit 33,1 Prozent erneut gewonnen und sich damit gegen seinen Kontrahenten Michael Breilmann von der CDU durchgesetzt (28,8 %).© Montage: Antonia Keßler | Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
***MONTAGE*** Lars Ehm
Mit Lars Ehm gewinnt erstmals seit 1961 die CDU den Wahlkreis Recklinghausen II(121). Er erhält 31,6 Prozent der Erststimmen. Brian Nickholz (SPD) kommt nur noch auf 29 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: CDU/Handout
***MONTAGE*** Essen - Ruhrgebeitsabgeordnete der SPD
Die AfD gewinnt in Gelsenkirchen die meisten Zweistimmen. Als Direktkandidat setzt sich aber der SPD-Abgeordnete Markus Töns im Wahlkreis 122 erneut durch. Er bekommt 31,4 Prozent der Erststimmen. Zweiplatzierter ist Friedhelm Rikowski von der AfD (25,8 %).© Montage: Lena Lübner | Foto: Lars Heidrich/FFS
***MONTAGE*** Nicklas Kappe tritt innerhalb der CDU Gladbeck als Bundestagskandidat an
Mehr als 50 Jahre hat die SPD den Wahlkreis Bottrop-Recklinghausen III (124) direkt gewonnen. Nun hat sich Nicklas Kappe von der CDU mit 31,7 Prozent der Erststimmen gegen Dustin Tix von der SPD (29,5 %) durchgesetzt.© Montage: Lena Lübner | Foto: Thomas Gödde/FFS
***MONTAGE*** M. Kleinrensing WP Hagen Bundestagswahl
Am Freitag stand sie in Oberhausen noch auf der Bühne beim Wahlkampfendspurt der NRW-CDU, am Sonntag gewinnt sie ihren Wahlkreis: Tijen Ataoğlu erhält 28,9 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Hagen – Ennepe-Ruhr-Kreis I (137), Timo Schisanowski (SPD) kommt auf 25,6 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: Michael Kleinrensing/WP
***MONTAGE*** Neue Agenda-Beauftragte in Herdecke
Der Wahlkreis Ennepe-Ruhr-Kreis II (138) geht nur knapp an die Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster von der CDU. Sie holt 30,9 Prozent der Erststimmen. Axel Echeverria (SPD) kommt auf 30,0 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: Lena Siegel/WP
***MONTAGE*** Lars Klingbeil bei ThyssenKrupp Steel
Der Sozialdemokrat Serdar Yüksel gewinnt den Wahlkreis Bochum I (139) mit 32,7 Prozent der Erststimmen. Fee Roth von der CDU kommt auf 24,6 Prozent. © Montage: Lena Lübner | Foto: Sven Simon/imago
***MONTAGE*** Hendrik Bollmann
Im Wahlkreis Herne – Bochum II (140), bislang Wahlkreis von Michelle Müntefering, verteidigt die SPD ihre Position: Hendrik Bollmann bekommt 33,5 Prozent der Erststimmen und zieht in den Bundestag ein. Christoph Bußmann (CDU) kommt auf 23,8 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: SPD
***MONTAGE*** Jens Peick
Dortmund bleibt eine SPD-dominierte Stadt. Der Bundestagsabgeordnete Jens Peick verteidigt seinen Wahlkreis Dortmund I (141) und erhält 30,6 Prozent der Erststimmen. Sarah Beckhoff (CDU) kommt auf 23,7 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: Gerd Pietrowski
***MONTAGE*** Sabine Poschmann
 
Dir Dortmunder Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann (SPD) holt ihren Wahlkreis Dortmund II (142) erneut und gewinnt 32,4 Prozent der Erststimmen. Michael Depenbrock (CDU) kommt auf 24,9 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: Achim Melde/Deutscher Bundestag
***MONTAGE*** Oliver Kaczmarek
Im Wahlkreis Unna (143) I behauptet sich Oliver Kaczmarek (SPD) nur knapp. 31,8 Prozent der Erststimmen gehen an ihn, der Konkurrent der CDU, Tilmann Rademacher, kommt auf 29,8 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: Deutscher Bundestag/Inga Haar
***MONTAGE*** Michael Thews
Michael Thews (SPD) gewinnt den Wahlkreis Hamm – Unna II (144) mit 32,2 Prozent der Erststimmen. Der CDU-Kandidat Arnd Hilwig kommt auf 30,1 Prozent.© Montage: Lena Lübner | Foto: Michael Thews/SPD

In den kommenden schwierigen Sondierungswochen mit der CDU sei es extrem wichtig, dass die SPD eine vernünftige Aufstellung habe, um dem Wahlsieger Paroli bieten zu können. Deshalb sei es „für den Moment richtig“, wenn Parteichef Lars Klingbeil als vom Bundespräsidium designierter Fraktionsvorsitzender zunächst die Handlungsfähigkeit der SPD sicherstellen würde und Rückendeckung für die Sondierungsgespräche bekomme. 

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Grundsätzlich brauche die Partei aber neben einem schärferen inhaltlichen Profil auch einen personellen Aufbruch. „Wir haben mit unserem Programm nicht den Nerv getroffen“, stellte Ott fest. Diese Fragen seien beim Bundesparteitag im Dezember zu klären.

Klare Absage von Merz an SPD-Forderungen

Für Sondierungsgespräche mit der CDU rief Ott Wahlsieger Friedrich Merz zu: „Links ist nicht vorbei!“ Natürlich müsse über Themen wie Klimaschutz und Umverteilung gesprochen werden, damit Reiche nicht immer reicher und Arme noch ärmer würden. 
Ott forderte mit Blick auf die anstehenden Gespräche zwischen Union und SPD nicht nur eine vernünftige Altschuldenregelung.

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Auch eine Lockerung der Schuldenbremse könnte von CDU, CSU und SPD möglichst noch mit dem alten Bundestag zeitnah auf den Weg gebracht werden, argumentierte Ott. Eine Forderung, der Merz aber nur wenig später eine klare Absage erteilte. „Es ist in der naheliegenden Zukunft ausgeschlossen, dass wir die Schuldenbremse reformieren“, erklärte er am Dienstag vor einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Das ist, wenn es überhaupt stattfindet, eine ziemlich umfangreiche, schwierige Arbeit, die da zu leisten ist.“ (dpa, mk)

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