Aus gesundheitlichen Gründen gibt Jan van Aken sein Amt als Co-Vorsitzender der Linken ab Juni überraschend ab. Die Linke zählte noch bei der Bundestagswahl 2025 zu den Überraschungssiegern. Wenige Monate zuvor lag die Partei bei drei Prozent und musste um den Einzug in den Bundestag bangen. Doch die Partei holte auf – und erreichte am Wahltag 8,8 Prozent der Stimmen. Einer, der dafür mitverantwortlich war: Co-Parteichef Jan van Aken.

Wer ist der Mann, der die Linke durch diesen Wahlkampf führte? Was gibt es über Jan van Aken zu wissen? Lesen Sie den Steckbrief.

Jan van Aken: Die wichtigsten Infos zum Politiker im Steckbrief

NameJan Paul van Aken
Geburtsdatum1. Mai 1961
AmtCo-Vorsitzender
ParteiDie Linke
Parteimitglied seit2006
FamilieVater von drei Kindern

Jan van Aken: Das Wichtigste zum Privatleben des Linken-Spitzenkandidaten

Jan van Aken kommt am 1. Mai 1961 in Reinbek, Schleswig-Holstein, auf die Welt. Er ist Arbeiterkind: Seine Mutter arbeitete als Sekretärin, der Vater verdiente als Werkzeugmacher seinen Lebensunterhalt. Aufgewachsen ist van Aken in Glinde-Wiesenfeld bei Hamburg.

  • Ausbildung: Jan van Aken besteht sein Abitur im Jahr 1980 an der Sachsenwald-Oberschule in Reinbek. Er studiert Biologie an der Universität Hamburg, promoviert im Fach im Jahr 1993.
  • Familie: Jan van Aken hat drei Kinder und lebt in Hamburg.
  • Beruf: Der Politiker war unter anderen für Greenpeace tätig und arbeitete als Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen.

Jan van Aken bei der Partei Die Linke: Die Stationen seiner Karriere

Jan van Aken ist seit vielen Jahren politisch aktiv. Er war in den 1980er-Jahren an der Anti-Atomkraft-Bewegung beteiligt, demonstrierte gegen das Atomendlager Gorleben. Nach seiner Promotion arbeitete er als Gentechnikexperte für Greenpeace. Er ist zudem ausgesprochener Rüstungsgegner: 1999 gründete er zusammen mit einem Biosicherheitsaktivisten und einer Rechtsanwältin das Sunshine Project.

Aktion gegen Gentechnik
Jan van Aken (r.) bei einer Greenpeace-Pressekonferenz im August 1998© picture alliance / SZ Photo | Rolf Zöllner

Die NGO trat für die Ächtung von Biowaffen ein und agitierte erfolgreich gegen den Einsatz des Pflanzenvernichtungsmittels Agent Green im Krieg gegen Drogen. Im Jahr 2003 gründete er an der Universität Hamburg die Forschungsstelle für Biowaffen und Rüstungskontrolle, von 2004 bis 2006 arbeitete er Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen.

Seit 2006 ist van Aken Mitglied der Partei Die Linke. Es folgte eine Parteikarriere: 2009 ist er Spitzenkandidat für die Bundestagswahl in Hamburg, von 2012 bis 2013 stellvertretender Vorsitzender der Partei und zwischen 2016 und 2022 gehört er dem Bundesvorstand an. Dazu war van Aken zwischen 2009 und 2017 Bundestagsabgeordneter.

Landesparteitag der Linken
Anfang einer Politikkarriere: der Hamburger Bundestagsabgeordnete Jan van Aken, 2009.© picture-alliance/ dpa | Angelika Warmuth

Als im August 2024 die damaligen Vorsitzenden Janine Wissler und Martin Schirdewan ankündigten, nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen, warf Jan van Aken seinen Hut in den Ring, nicht als „Totengräber der Partei“, wie er es ausdrückte, sondern um die Linke wiederzubeleben. Er gab sich selbstbewusst, es gehe nicht ums Reinkommen (in den Bundestag, d. Red.), sondern „ums gut und sicher Reinkommen“. Nun tritt van Aken überraschend zurück.

Jan van Aken: Das sind seine Themen

Um das zu erreichen setzte die Linke im Wahlkampf unter anderem auf das „Projekt Silberlocke“. Dahinter standen die erfahrenen Linken-Politiker Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow, die als Direktkandidaten antraten. Ihr Ziel: Direktmandate sichern und über die Grundmandatsklausel die Partei auch bei einem möglichen Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde im Bundestag halten. Doch am Ende war das nicht nötig – die Linke übersprang die Hürde klar. Vor allem bei jungen Wählerinnen und Wählern zwischen 18 und 34 Jahren konnte die Linke deutlich zulegen. Hier half der Partei möglicherweise ihre starke Präsenz auf sozialen Medien.

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Politisch steht van Aken für:

  • Frieden: Van Aken versteht sich als Friedenspolitiker. In die Linke ist er eingetreten, weil sie die einzige Partei war, „die im Bundestag gegen den Kriegseinsatz der Bundeswehr gestimmt hat“. Rüstungskontrolle und Abrüstung sind Themen, mit er sich in der Partei stark eingebracht hat – nennt sich selbst „Cheffriedenstaube“ der Partei. US-Atomwaffen würde er am liebsten aus Europa verbannen. Allerdings vertritt er eine differenziertere Haltung beim Thema Ukraine. Es reiche nicht, einfach nur Frieden zu rufen „und sich dann wegzuducken“, sagte er der dpa. Waffenlieferungen machten einen nicht gleich zum Kriegstreiber, diese abzulehnen bedeute allerdings auch nicht, dass man im „Hintern von Putin steckt“. Den will er als „Verbrecher“ auf der Anklagebank sehen.
  • Mieten: Ein Thema will van Aken bei den Linken besonders stark machen: die steigenden Mieten in Deutschland. Die Partei soll laut ihm einen Mietendeckel fordern und diese Forderung zum zentralen Verkaufsargument bei den Wählerinnen und Wählern machen. Seine Hoffnung: Das Thema so wichtig machen, dass die anderen Parteien „nicht mehr drum rumkommen“: „So hat die Linke auch den Mindestlohn damals durchgesetzt.“
  • Soziale Gerechtigkeit: Beim Bundesparteitag bewarb sich van Aken mit den Worten: „Mein Name ist Jan van Aken und finde, es sollte keine Milliardäre geben.“ Seine Linke solle sich mit „den unanständig Reichen“ anlegen und Politik machen für „diejenigen, die das Land am Laufen halten [...] und am Ende des Monats doch zu wenig Geld in der Tasche haben“. Rentnerinnen und Bürgergeldbeziehende schließt von Aken da ein. Denen, die sich nicht mehr gehört fühlten, wolle er ein politisches Angebot machen, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“, und forderte die Einführung einer Vermögensabgabe für einen Infrastrukturfonds, „um daraus die Sanierung und den Ausbau der Bahn zu finanzieren“.
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Jan van Aken: „Männer!“
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Jan van Aken: Erfolge und Kontroversen

In van Akens Zeit als Bundestagsabgeordneter fällt eine Geldstrafe gegen ihn. Das Amtsgericht Lüneburg verurteilte den Politiker wegen einer öffentlichen Aufforderung zu Straftaten zu 15 Tagessätzen zu je 150 Euro – van Aken hatte sich bei einem Castor-Transport in Niedersachsen an einem Aufruf zum Schottern, der Entfernung von Steinen aus dem Gleisbett einer Bahnstrecke, beteiligt. Im Rahmen der Ermittlungen hatte der Bundestag die Immunität des Abgeordneten aufgehoben.

Van Aken konnte sich an der Spitze der Partei beweisen und die Linke vor dem drohenden Ausscheiden aus dem Bundestag bewahren.