Die USA haben es getan: In den frühen Morgenstunden (Ortszeit) fielen Bomben auf Venezuela. Bei Angriffen auf Militärstützpunkte starben nach Regierungsangaben nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten. Der langjährige Machthaber Nicolás Maduro und seine Frau wurden festgenommen. Nach US-Angaben sollen sie außer Landes gebracht worden sein.
Während der US-Präsident den Militärschlag als „brillant“ feiert, steht nun die Frage im Raum, wie es weitergeht in dem bislang links-national geführten Land. Bilder von Venezolanern im Exil zeigen, dass die Luftschläge nicht nur auf Unmut stoßen. Nicht unerfreut dürfte auch eine Frau sein, die zuletzt vom Nobelkomitee mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde: María Corina Machado.
Lange Zeit war nicht klar, ob die Aktivistin ihren Preis Mitte Dezember überhaupt entgegennehmen kann. Maduro führte den Karibik-Staat mit harter Hand. Seine Gegner und Oppositionelle weilen zumeist im Ausland oder sitzen im Gefängnis. Überraschenderweise kündige Machado nach ihrem Auftritt in Oslo an, in ihre Heimat zurückkehren zu wollen. Offen ist bislang, welche Rolle die Oppositionsführerin nun in dem zerrütteten Land spielen wird.
+++ Verfolgen Sie das aktuelle Geschehen in Venezuela im Newsblog +++
Maduro: Letzte Wahl in Venezuela wohl manipuliert
In Freiheit zu bleiben stand nach der mutmaßlich gefälschten Präsidentenwahl im Vordergrund bei der Oppositionsführerin von Venezuela. Denn seit der Abstimmung am 28. Juli 2025, die Machthaber Nicolás Maduro ganz offensichtlich manipuliert hat, war die Jagd auf seine Gegner und unabhängige Beobachter eröffnet. Die Köpfe der Anti-Maduro-Bewegung hielten sich weitgehend im Verborgenen auf.
Machado war zwar bei der Wahl nicht offiziell der größte Herausforderer des Machthabers, aber seine größte Gegenspielerin und seine größte Gefahr ist sie dennoch. Die kämpferische und streitlustige Politikerin zeigt keine Angst und keine Resignation. Anders als so viele andere Führer der venezolanischen Opposition vor ihr.
Auch interessant
Venezuela: Unter großem Risiko wagte sich Machado aus dem Versteck
Machado wirkt bereit, alles zu opfern für das, was sie die Freiheit Venezuelas nennt. Sie hat ja schon viel verloren. Das Stahlunternehmen ihres Vaters, das der Familie Reichtum brachte, wurde schon unter Hugo Chávez enteignet. Ihre Kinder und Enkel leben schon lange im Ausland. Machado kämpft vielleicht ihren letzten Kampf und sie ist gewillt, ihn zu gewinnen. Dabei trägt sie ihr Motto oft auf ihren Hemden aufgedruckt: „Hasta el final“. Bis zum Ende.

Machado ist die eiserne Lady Venezuelas, die den Diktator stürzen will. Sie hat immer ihre Bewunderung für die ultraliberale ehemalige Premierministerin von Großbritannien, Margaret Thatcher (1979 bis 1990), bekundet. Diese habe auch immer ihre Werte gegen alle Gegner und Widerstände verteidigt, sagt Machado.
Allerdings war sie nicht immer die große Demokratin, für die sie sich heute ausgibt. 2002 unterstütze sie den damaligen Putschversuch gegen Chávez. Wie allen Hardlinern der rechtskonservativen und religiösen (Wirtschaft)-Eliten Venezuelas waren auch ihr damals alle Mittel recht, die Linksnationalisten loszuwerden. Es waren ganz andere Zeiten.
Auch interessant
Maduro hält Machado für eine Kriminelle, die in den Knast gehört
Zwanzig Jahre später hatte sie im Oktober 2023 mit 92 Prozent der Stimmen die Vorwahl der oppositionellen Einheitsplattform PUD für die Präsidentschaftskandidatur gewonnen, obwohl ihr im Januar der von der Regierung kontrollierte Rechnungshof wegen angeblicher „finanzieller Ungereimtheiten“ das aktive Wahlrecht entzog. Dennoch baute sie ihre Führungsposition weiter aus und gab ihr politisches Kapital an den Außenseiter und ehemaligen Diplomaten Edmundo González weiter, der laut offiziellen Angaben die Wahl gegen Maduro mit gut 44 zu 51 Prozent verlor.
Die mittlerweile unangefochtene Oppositionsführerin ist in Form und Forderungen ganz anders als der ausgleichende González. Sie ist verbal konfrontativ, bisweilen aggressiv, und sie ist lange gegen jegliche Kompromisse und Verhandlungen mit dem chavistischen Regime gewesen. Maduro hält sie für eine Kriminelle, die eigentlich in den Knast gehört. Und nicht für eine Politikerin, mit der man über eine Abgabe der Macht verhandelt.

Für viele ist Machado eine Hoffnungsträgerin – und damit hoch gefährdet
Eigentlich war Machado als radikale Stimme in der breiten und oft gespaltenen Opposition lange isoliert. Die Chefin der Partei „Vente Venezuela“ konnte sich gegen den moderaten Henrique Capriles 2012 oder 2019 gegen den damaligen Präsidenten der Nationalversammlung, Juan Guaidó, nie profilieren. Doch ein Stück weit ist sie jetzt die letzte verbliebene Kämpferin gegen den Chavismus, die nicht im Gefängnis oder im Exil ist. Das macht sie zur Hoffnungsträgerin und auch zu einer hoch gefährdeten Person.
Ideologisch bezeichnet sie sich als „Liberale“. Sie ist wirtschaftlich neoliberal, will den Staat verkleinern, verteidigt die freie Marktwirtschaft und fordert die Privatisierung des staatlichen Ölgiganten „Petróleos de Venezuela“ (PDVSA). In sozialen Fragen lehnt die gläubige Katholiken Abtreibungen ab. Es sei denn, die Schwangerschaft ist Resultat einer Vergewaltigung.
Auch interessant
Machado ist die älteste von vier Schwestern, geschieden und Mutter dreier Kinder. Sie war in den USA auf dem Internat, suchte dort schon früh den Kontakt zur Republikanischen Partei. Sie steht Donald Trump deutlich näher als US-Präsident Joe Biden. Zurück in der Heimat studierte sie Wirtschaftsingenieurwesen. 2010 zog sie als unabhängige Abgeordnete mit einem stramm antikommunistischen Diskurs in die Nationalversammlung ein. Dem von Chávez begründeten „Chavismus“ und seinen Werten eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ sprach sie immer jegliche Legitimität ab und bezeichnete ihn als „Ideologie eines Putsches“.
Lesen Sie auch: Venezuela: Tote bei Anti-Maduro-Protesten
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im August 2025 und wurde mit neuen Informationen aktualisiert.





