Brandanschlag

AfD-Politiker verspottet Mutter der Opfer von Solingen

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Mevlüde Genc bei der Trauerfeier anlässlich des Brandanschlags von Solingen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Mevlüde Genc bei der Trauerfeier anlässlich des Brandanschlags von Solingen.

Solingen/Düsseldorf.  AfD-Abgeordneter spottet über die Mutter der Todesopfer des rechtsextremen Anschlags von Solingen und über Ministerpräsident Armin Laschet.

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Christian Blex sitzt für die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) im nordrhein-westfälischen Landtag, ist stellvertretender Sprecher des Landesvorstandes seiner Partei und als solcher am Mittwoch via Twitter über Ministerpräsident und Mevlüde Genc hergezogen.

Nur einen Tag nach der bewegenden Trauerfeier in Gedenken an den faschistischen Brandanschlag in Solingen vor 25 Jahren, twitterte Blex: "Für die Nachwelt: Armin Laschets "Botschafter der Integration" trägt Kopftuch und spricht nach 48 Jahren in Deutschland trotz deutscher Staatsbürgerschaft kaum ein Wort deutsch. #Solingen #Solingen1993 #Integration #Islamisierung #Merkelmussweg #AfD"

Gemeint ist damit Mevlüde Genc. Die 75-jährige hatte bei dem Anschlag, den vier junge Männer aus der rechtsextremen Szene begangen hatten, zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren. Trotz ihres Schmerzes hat sich Mevlüde Genc seither immer wieder für Versöhnung und nicht für Hass ausgesprochen, weshalb sie auch zahlreiche Auszeichnungen erhielt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der die Familie Genc seit zehn Jahren kennt, hatte Mevlüde Genc bei der Trauerfeier am Dienstag ein „Vorbild“ genannt und verkündet, dass es in NRW künftig die Verleihung einer „Mevlüde Genc-Medaille“ für Versöhnung geben wird. Mit 10.000 Euro soll die neue Ehrung dotiert sein.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die eigens für diese Gedenkstunde per Hubschrauber in den Rheinwiesen abgesetzt werden muss, betonte: „Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert. Dafür bewundern wir Sie.“

Mevlüde Genc sagte am Dienstag, sie habe sich immer nur gewünscht, dass ihre Kinder in Deutschland aufwachsen wie alle anderen und dass „der Hass nicht Eingang findet in ihre Herzen“. Den Tweet des AfD-Abgeordneten Christian Blex verstehen nun aber viele als genau das: als einen Ausdruck des Hasses.

Reaktionen auf den Twett von Christian Blex

So schreibt Serap Güler (CDU), NRW-Staatssekretärin für Integration, auf Facebook etwa: "Dieses Gefühl, wenn Du Dich bei so viel Hass nur noch übergeben willst...Eine Schande für unser Land NRW, dass dieser widerliche Kerl, sich MdL nennen darf." WDR-Moderatorin Asli Sevindim griff den Tweet des Politikers auf und schrieb: "Für die Nachwelt: Diese Frau hat all ihre Kinder - auch die ermordeten - als Teil Deutschlands erzogen, hat ihnen Liebe statt Hass beigebracht und sieht Deutschland als ihre Heimat. Sie ist Deutsche. Für das, was Sie sind, Herr Christian Blex, fehlen mir grad die Worte."

Wer ist Christian Blex?

Der Warendorfer Christian Blex gehört jener AfD-Delegation an, die vor einigen Monaten in die Schlagzeilen gerieten, weil sie zunächst auf die von Russland besetzte Krim reisten und später Syrien besuchten, um die Forderung ihrer Partei nach einer Rückkehr der in Deutschland lebenden syrischen Flüchtlinge zu unterstreichen. Die Abgeordneten veröffentlichten in sozialen Netzwerken Fotos, die sie unter anderem bei einem Treffen mit dem syrischen Großmufti Ahmed Hassun zeigen.

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