Im Sudan herrscht seit zwei Jahren ein Bürgerkrieg, der das Land praktisch teilt. Die östliche Hälfte steht unter Kontrolle der Staatsarmee (SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan, im Westen dominieren die paramilitärischen Rapid Support Forces unter Mohamed Hamdan Dagalo. „Gerade muss man feststellen, dass das Land ganz faktisch gespalten ist“, sagt der Journalist und Sudan-Experte Roman Deckert im Podcast „Im Krisenmodus“. Besonders dramatisch ist die Lage in der westlichen Region Darfur: In der Stadt Al-Faschir sind Hunderttausende Menschen vom Hungertod bedroht.

Der Konflikt hat sich schleichend entwickelt. Die Rapid Support Forces entstanden aus ehemaligen Milizen, die schon in früheren Kämpfen in Darfur aktiv waren. Deckert erklärt: „Die RSF-Milizen sind seit den 2000er Jahren immer stärker geworden. Sie gehen ursprünglich zurück auf die gefürchteten Janjaweed-Milizen. Ihr Anführer hat damals nicht nur mit Petrodollars gehandelt, sondern auch ein Netzwerk aufgebaut.“ Gold und andere Ressourcen machen den Krieg profitabel – und die Zivilbevölkerung zahlt den höchsten Preis:

214061_569_cover.jpg
Sudan: Wer profitiert vom Krieg? Gold, Macht – und Hilfe
Im Krisenmodus
Alle Folgen

Roman Deckert hebt die internationale Dimension des Konflikts hervor: „Die Staatsarmee wird von Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt, die RSF-Milizen von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es ist kein rein sudanesisches Ringen um Macht, sondern ein regionales und internationales Kräftespiel.“

Trotz der brutalen Realität gibt es Lichtblicke. „Nur wenn Militär und Milizen sich zurückziehen und die Zivilgesellschaft wirklich gestalten darf, kann der Sudan überleben“, sagt Deckert. Gemeinschaftsinitiative, wie die sogenannten Emergency Response Rooms, versuchen unterdessen, die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Sie gelten als Hoffnungsträger für eine Zukunft, durch die das Land Frieden und Stabilität erreichen könnte.

"Die Krise im Sudan ist eine der schwersten humanitären Katastrophen der Gegenwart, aber sie ist auch eine der am meisten übersehenen", sagt Limia Ahmed, stellvertretende Leiterin der SOS-Kinderdörfer im Sudan.
"Die Krise im Sudan ist eine der schwersten humanitären Katastrophen der Gegenwart, aber sie ist auch eine der am meisten übersehenen", sagt Limia Ahmed, stellvertretende Leiterin der SOS-Kinderdörfer im Sudan.© news aktuell GmbH

Weitere Einblicke und Stimmen zur Situation im Sudan, unter anderem von Helfern von „Ärzte ohne Grenzen“, gibt es im Podcast „Im Krisenmodus“ mit Journalist Jan Jessen.

Mehr Reportagen von Kriegsreporter Jan Jessen

Folgen Sie dem Podcast „Im Krisenmodus“:

Im Podcast „Im Krisenmodus“ wird denjenigen eine Stimme gegeben, die den Alltag in Krisen- und Kriegsgebieten hautnah erleben. Soldaten, Helfer und Betroffene teilen ihre bewegenden Geschichten und berichten von den Herausforderungen und Tragödien, die Krieg und humanitäre Krisen täglich mit sich bringen.

Journalist Jan Jessen, bekannt für seine Reportagen aus den Brennpunkten der Welt, reist direkt an die Fronten und in Krisengebiete, um diese Geschichten einzufangen. Mit seiner journalistischen Expertise und sensiblen Herangehensweise gibt er den Menschen in Kriegs- und Konfliktregionen eine Plattform, die gehört werden muss.

Alle zwei Wochen erscheint eine neue, eindringliche Folge, die die Hörer:innen in eine andere Krisenregion entführt. Der Podcast lässt nicht nur das Grauen, sondern auch die Widerstandskraft und den Mut der Menschen spüren, deren Leben durch Konflikte erschüttert wurde.

Folgen Sie Im Krisenmodus auf Spotify, Apple, Amazon oder Ihrer bevorzugten Podcast-App.