Neuauflage

RTL-Ableger lässt Kultsendung "Formel Eins" wiederauferstehen

Dreamteam der 80er: Peter Illmann (li.) und Ingolf Lück. Illmann wird auch die Neuauflage moderieren.

Dreamteam der 80er: Peter Illmann (li.) und Ingolf Lück. Illmann wird auch die Neuauflage moderieren.

Foto: dpa

Hamburg.   Vor MTV und Co. war hierzulande "Formel Eins" Pflicht. Jetzt ist die Musiksendung aus den 80ern wieder zurück. Und mit ihr Peter Illmann, der wie damals das Format moderieren wird. Der Nostalgie-Trip rund um Hits von einst wird ab Oktober auf RTL Nitro laufen.

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„Hallo, ich bin der Peter“, sagt er damals in der ersten Sendung zur Begrüßung. Und erklärt: „Eigentlich sollte hier ein Dackel sitzen. Aber der Produktion war die Hundesteuer zu teuer, und da haben sie mich genommen.“ Klingt aus heutiger Sicht nicht besonders witzig, ist am 5. April 1983 aber der Beginn einer neuen Ära in der deutschen TV-Kultur. Denn der Peter, der mit Nachnamen Illmann heißt, präsentiert die „Formel Eins“. Nicht die mit den Autos, sondern die mit den Videoclips.

Sieben Jahre lief die Show, die deutschen Jugendlichen als erste die bunten Musikfilmchen auf den heimischen Fernseher brachte. Nun kehrt sie zurück. Nicht wie früher in der ARD, sondern beim RTL-Ableger „Nitro“. Aber der mittlerweile 54-Jährige Illmann ist wieder mit dabei.

Man hat ja nichts in den frühen 1980er-Jahren – jedenfalls musikalisch gesehen. Der Musikladen liegt in den letzten Zügen und kommt nur einmal im Monat. Und dieses MTV, von dem man so viel gehört hat, sendet nur in den USA. Trotzdem ist man vorsichtig in der ARD, strahlt die neue Musik-Clip-Sendung erst mal in den Dritten aus. Rekordverdächtige Einschaltquoten gibt es trotzdem bald. Beim WDR immer dienstags. Schon im Sommer ist die Sendung so beliebt, dass ein gleichnamiger Film mit rudimentärer Handlung, aber viel Musik ins Kino kommt. Und das Maskottchen der Reihe, der Zeichentrick-Hund „Teasy“ prangt bald auf dem Cover einer eigenen Schallplatten-Reihe – den „Formel Eins Hits“.

Ein Grund des Erfolges ist natürlich, dass die Sendung alles zeigt, was in den Charts angesagt ist, aber auch Berichte über und Interviews mit den Stars bietet. Querbeet und ohne Rücksicht auf Verluste. Beim Debüt singt Rainhard Fendrich vor Whitesnake und Nino de Angelo nach Michael Jackson. Allein die Chart-Platzierung ist für den Sendeablauf entscheidend.

Kulisse erinnert an einen Hinterhof der Bronx

Die Beliebtheit der Show hat allerdings auch mit der Art der Präsentation zu tun. Für „Formel Eins“ krempelt Regisseur Michael Bentele gängige Vorstellungen von Studiodekoration um. Inspiriert von mehreren Trips nach New York sieht es in Halle Zehn der Münchner Bavaria-Studios – in denen jede Woche aufgezeichnet wird – aus wie sich der Durchschnittsdeutsche einen Hinterhof in der Bronx vorstellt. Nicht selten wird vor brennenden Mülltonnen gesungen oder moderiert. Und wer Nummer eins der deutschen Hitparade wird, bekommt nicht etwa eine Urkunde, sondern ein Bauteil der BMW-Isetta, die Stück für Stück im Studio auseinandergepflückt wird. „Die Machart war anarchisch“, hat Illmann später mal gesagt. „Und ich durfte sagen, was ich wollte.“

Skandale gibt es auch. Na ja, eigentlich sind es Skandälchen. Über den nackten Frauen-Rücken in David Bowies „China Girl“ regen sich ein paar Zuschauer auf. Nach der Erstausstrahlung des 14-minütigen „Thriller“-Clips von Michael Jackson wollen aufgebrachte Eltern den Sender verklagen, weil ihr kleiner Sohn sich im Angesicht der Zombies vor Angst in die Hose gemacht hat. Ähnliche Beschwerden sind 2013 wohl nicht zu befürchten.

Nach 67 Sendungen macht Illmann Schluss. Es folgen Ingolf Lück, Stefanie Tücking und Kai Böcking, bis die Sendung im Dezember 1990 nach 307 Ausgaben endgültig eingestellt wird – an die Wand gedrückt von MTV & Co.

In zehn Sendungen will RTL Nitro die Show nun zu neuem Leben erwecken und die besten Musikclips aus der Blütezeit der Sendung präsentieren und von prominenten Gästen kommentieren lassen. Der Nostalgie-Trip beginnt aller Voraussicht nach am 19. Oktober. Dann darf Illmann wieder sagen: „Hallo, ich bin der Peter.“

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