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Erdogan-nahe Zeitungen verhöhnen Terroropfer von Manchester

Die Titelseite der türkischen Zeitung "Günes" nach dem Anschlag in Manchester.

Die Titelseite der türkischen Zeitung "Günes" nach dem Anschlag in Manchester.

Essen.  Zwei türkische Zeitungen verhöhnen die Opfer des Terroranschlags von Manchester und die britische Regierung: "Sie ernten, was sie säen."

Den abscheulichen Terroranschlag nach einem Konzert von Ariana Grande in Manchester, dem mindestens 22 Menschen zum Opfer fielen, nahmen zwei türkische Zeitungen zum Anlass, um mit der britischen Regierung abzurechnen. Die regimetreuen und nationalistischen Zeitungen "Yeni Akit" und "Günes" verhöhnten die Opfer des Anschlags jeweils auf ihren Titelseiten.

So überschrieb die "Günes" ihren Bericht etwa mit der Zeile: "Sie ernten, was sie säen" und bezieht diese makabere Aussage darauf, dass die britische sowie andere europäische Regierungen alles tun würden, um "Terrororganisationen wie die PKK oder die Gülen-Bewegung" zu schützen. Die Europäer würden die Türken bei der Bekämpfung des Terrors gar behindern. "Der von Europa ernährte Skorpion hat wieder zugestochen und nun verfällt der Westen in Panik", heißt es in dem Bericht der Günes.

Die "Yeni Akit" argumentiert auf ihrer Titelseite sehr ähnlich. "Sie haben Wind gesät und einen Sturm geerntet", schreibt das Blatt, das ebenfalls behauptet, der Westen hätte die Terrororganisationen in den Arm genommen und die Türkei bei ihrem Kampf gegen Extremisten allein gelassen. Dieses Mal hätten die Terroristen, die der Westen selber mit Waffen versorge, in England zugeschlagen. "Der Terror trifft euch wie ein Bumerang", kommentiert ein Autor der Zeitung den Anschlag auf der Titelseite.

Erdogan warf Deutschland Unterstützung von Terroristen vor

Die Wortwahl erinnert stark an eine Aussage des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus dem August 2016. Damals echauffierte sich Erdogan darüber, dass er bei einer Kundgebung in Köln nicht per Video-Stream live zugeschaltet werden durfte. Die deutschen Behörden hatten dies im Vorfeld untersagt und mit einem Abbruch der Kundgebung gedroht, falls gegen diese Auflage verstoßen werde.

Den deutschen Behörden warf Erdogan vor, bei einer früheren Veranstaltung in Köln eine Videoschalte der PKK zugelassen zu haben, obwohl die PKK auch in Deutschland verboten ist. „Sollen sie die Terroristen nur ernähren“ , sagte er. „Wie ein Bumerang wird es sie treffen.“

In den Wochen und Monaten vor dem Referendum in der Türkei sorgten viele türkische Zeitungen und Politiker - darunter auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan - immer wieder für Empörung hierzulande, weil sie nahezu täglich neue Nazi- und Terroristenschützer-Vorwürfe gegen deutsche Politiker und Medien veröffentlichten. (sat)

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