Eigentlich wollte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez mit guter Laune in die heiße Phase des Wahlkampfes starten. Mit höheren Renten, besseren Mindestlöhnen und Warnungen vor einem Rechtsruck wollte er bei den Wählern punkten. Der Sozialdemokrat sprach sogar von einer „Kampagne der Liebe“, ließ sich bei Auftritten mit seiner Frau küssend fotografieren. Doch seit der Zugkatastrophe von Toledo ist Schluss mit der fröhlichen Show.

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Nur einen Monat vor der Parlamentswahl am 29. November hat sich die politische Stimmung im Land schlagartig verändert. Mindestens 69 Menschen sind tot. Und Spanien fragt sich, wie es sein kann, dass innerhalb von nur neun Monaten gleich zweimal Schnellzüge auf derselben Bahnstrecke schwer verunglücken und so viele Menschen sterben.
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Wurden notwendige Investitionen verschleppt?
Für Sánchez, der ohnehin wegen Korruptionsaffären in seiner Umgebung ums Überleben kämpft, kommt die Tragödie zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Seine Regierung ist für das staatliche Schienennetz verantwortlich. Und sie wird sich nicht damit herausreden können, dass möglicherweise ein einzelner Fahrdienstleiter einen verhängnisvollen Fehler beging. Denn ein modernes Sicherheitssystem sollte so ausgelegt sein, dass menschliche Fehler nicht gleich Dutzende Leben kosten.
Vor allem der Verkehrsminister und Sánchez-Vertraute Óscar Puente gerät unter Druck. Er war bereits beim ersten Zugunglück im Januar im Amt, als 46 Menschen wegen eines Schienenbruchs starben. Sánchez hält ihm bislang die Treue. Doch wenn sich herausstellt, dass notwendige Investitionen verschleppt wurden, wie auch unabhängige Experten bemängeln, könnte Puente für den Regierungschef zum politischen Ballast werden.
Dem konservativen Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo, der bei der kommenden Wahl als Favorit gilt, wird dieses Thema neue Munition liefern. Sobald die dreitägige Staatstrauer vorbei ist, dürfte daher der Ton deutlich schärfer werden. Die Konservativen wittern die Chance, die Regierung als unfähig darzustellen, die Bahnsicherheit zu gewährleisten. Und das ist auch in Spanien, dessen Hochgeschwindigkeitsnetz lange als europäisches Vorbild galt, ein höchst sensibles Thema.





