Leere Tankstellen, lange Warteschlangen und protestierende Lastwagenfahrer: In Süditalien spitzt sich der Konflikt um die hohen Dieselpreise zu. In Kalabrien sind zahlreiche Tankstellen ohne Benzin und Diesel. Grund dafür sind Proteste, die die Zu- und Ausfahrt einer wichtigen Raffinerie blockieren. Zugleich wächst die Sorge, dass Proteste von Landwirten und Spediteuren die Kraftstoffversorgung sogar noch weiter beeinträchtigen könnten.

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In Cosenza im Norden Kalabriens sind die Vorräte an den meisten Tankstellen bereits vollständig aufgebraucht, was auch Auswirkungen auf den Tourismus hat. Die angespannte Versorgungslage beeinträchtigt den Verkehr und greift auch auf andere Provinzen über. In Catanzaro, der Hauptstadt der Region, bilden sich ebenfalls lange Schlangen vor den noch versorgten Tankstellen. Der drohende Treibstoffmangel wirkt sich inzwischen auch auf kommunale Dienstleistungen aus. Besonders gefährdet ist der Schulbusverkehr.
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Benzinmangel in Italien belastet Landwirtschaft
Die Proteste der Bevölkerung richten sich gegen die hohen Kraftstoffpreise und die gestiegenen Betriebskosten. Die regionale Logistikvereinigung Fedralog hat Aktionen angekündigt, die bis kommenden Dienstag dauern sollen. Die Lastwagen stehen am Straßenrand, ohne die Verkehrswege vollständig zu blockieren. Dennoch kommt es wegen verengter Fahrbahnen zu Verkehrsbehinderungen. Die Ordnungskräfte überwachen die Aktionen. In Kalabrien wurden rund 15 Proteststandorte eingerichtet. Dazu zählen Bereiche am Flughafen Lamezia Terme, am Hafen von Gioia Tauro sowie im Raum Cosenza nahe den Autobahnanschlüssen.
Neben den hohen Dieselpreisen setzen den Betrieben gestiegene Produktionskosten und die schwierige Marktlage zu. Die Landwirte fordern deshalb zusätzliche staatliche Unterstützung. Sie fordern einen deutlich günstigeren, staatlich festgelegten Preis für Agrardiesel. Andernfalls drohe, dass weitere landwirtschaftliche Flächen aufgegeben werden müssten.
Italien: Proteste gegen Treibstoffmangel weiten sich aus
Der Unmut wächst auch in anderen Teilen Italiens. In der süditalienischen Adria-Region Apulien haben bereits eigenständige Protestaktionen von Lastwagenfahrern begonnen. Weitere Aktionen autonomer Gruppen wurden auf Sizilien angekündigt.
Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat für den 27. Oktober ein Gespräch im Verkehrsministerium in Rom angesetzt. Viel Spielraum hat Meloni nicht. Wegen der schweren Verschuldung Italiens kann die Regierungschefin strukturelle Maßnahmen zur Senkung der Treibstoffpreise nicht ergreifen.
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Die Proteste bringen die Rechtsregierung in Verlegenheit. Der Präsident des Transportverbands Conftrasporto, Pasquale Russo, bezeichnete die Proteste als spontane Aktionen, die nicht von den Branchenverbänden organisiert oder gesteuert würden. Gerade das sei besorgniserregend, da die Aktionen die zunehmende wirtschaftliche Verzweiflung vieler Unternehmen widerspiegelten. Auch Unatras, der nationale Zusammenschluss der Güterverkehrsverbände, spricht von einer flächendeckenden und nicht länger tragbaren Belastung. Beide Organisationen fordern die Regierung zu einem raschen Eingreifen auf. Sollte es nicht kurzfristig zu Gesprächen kommen, müsse ein landesweiter Transportstopp geprüft werden, warnte Russo.
Sizilien: Fünftägiger Transportstopp angekündigt
Auch auf Sizilien verschärft sich der Konflikt. Das Komitee der sizilianischen Transportunternehmen kündigte einen fünftägigen Transportstopp an. Die Regierung in Rom habe bislang nicht ausreichend auf die Forderungen der Branche nach Maßnahmen gegen die hohen Kraftstoffpreise reagiert. Von Freitag an wollen die Unternehmen ihre Sattelauflieger in den Häfen Siziliens nicht mehr bewegen. Die Aktion soll bis zum 20. Oktober um Mitternacht dauern. Die Lastwagen sollen während des Protests auf den Betriebshöfen bleiben, erklärte Salvatore Bella, Koordinator des Komitees. Man werde so lange stillstehen, bis die Regierung auf die Forderungen eingehe.
Damit wächst der Druck auf die Regierung, eine Lösung für die steigenden Betriebskosten im Transportgewerbe zu finden. Sollten sich die Proteste ausweiten und die Kraftstoffversorgung weiter verschlechtern, könnten die Folgen weit über Süditalien hinausreichen.




