Sie sehen aus wie polnische Autos, haben polnische Papiere und Kennzeichen – doch viele von ihnen haben Italien offenbar nie verlassen: Mehr als 60.000 Fahrzeuge mit polnischem Kennzeichen sind inzwischen auf Italiens Straßen unterwegs, vor allem in der süditalienischen Region Kampanien rund um Neapel. Nun wollen Italien und Polen die Kontrollen verschärfen.

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Nach Angaben des polnischen Büros der Kfz-Versicherer (PBUK) ist die Zahl der Fahrzeuge mit polnischer Zulassung in Italien in den letzten Monaten stark gestiegen. Für Autofahrer kann dies finanziell attraktiv sein: Mit der Verlagerung der formalen Zulassung nach Polen, so das Versprechen, könnten bis zu 70 Prozent bei Kfz-Steuer und Versicherung gespart werden. 

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Autos in Polen gemeldet: Grundprinzip nicht illegal – aber problematisch

An dem Modell gibt es aber zunehmend Zweifel. Die polnischen Behörden gehen gegen mutmaßlich fiktive Zulassungen vor. Im März nahm die Polizei in Warschau sieben Menschen fest. Sie sollen an einem System beteiligt gewesen sein, über das mehr als 1500 Fahrzeuge mithilfe falscher technischer Prüfungen und mutmaßlicher Bestechung lokaler Beamter in Polen zugelassen wurden. Die Fahrzeuge blieben den bisherigen Erkenntnissen zufolge allerdings in Italien.

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Das Grundprinzip ist dabei zunächst nicht illegal. Ein italienischer Fahrzeughalter kann sein Auto an ein Unternehmen in Polen übertragen. Das Fahrzeug wird in Italien abgemeldet und in Polen neu zugelassen. Anschließend kann es der bisherige Halter etwa über einen Miet- oder Leasingvertrag weiter nutzen. Problematisch wird es, wenn der Wagen den Eigentümer nur auf dem Papier wechselt, die polnische Firma faktisch nicht existiert oder die vorgeschriebene Versicherung fehlt. Auch bei Bußgeldern kann die Konstruktion Schwierigkeiten bereiten, wenn der formale Fahrzeughalter im Ausland sitzt. 

Seit März 2022 müssen ausländische Fahrzeuge, die Personen mit Wohnsitz in Italien länger als 30 Tage – auch verteilt über ein Jahr – zur Verfügung stehen, grundsätzlich im italienischen Register für ausländische Fahrzeuge (REVE) erfasst werden. Wie weit das System aber missbraucht werden kann, zeigte bereits ein Fall aus Kampanien. Die dortige Finanzpolizei beschlagnahmte vor zwei Jahren ein Paket aus Polen, das unter anderem 21 polnische Kennzeichen, 14 Zulassungsbescheinigungen und sechs Kaufverträge enthielt. Nach den Ermittlungen waren die betreffenden Fahrzeuge zwar in Italien aus dem Fahrzeugregister gelöscht, hatten das Land aber nie verlassen.

Bei Unfällen: Fehlender Versicherungsschutz ist ein Problem

Besonders alarmierend ist für die Behörden die Entwicklung bei den Versicherungen. Nach Angaben des PBUK waren 2024 in Italien rund 8000 Unfälle und Kollisionen mit Fahrzeugen mit polnischem Kennzeichen zu verzeichnen. In 514 Fällen bestand demnach keine gültige Haftpflichtversicherung. 2025 stieg die Zahl der Unfälle auf mehr als 11.000. Rund 1.300 davon wurden von Fahrzeugen ohne gültigen Versicherungsschutz verursacht.

Der Trend hat sich 2026 nochmals verschärft. In den ersten acht Monaten des Jahres erreichten die Schadenersatzforderungen aus Italien nach PBUK-Angaben bereits 35 Millionen Zloty – umgerechnet knapp acht Millionen Euro. Damit wurde der Gesamtwert des Vorjahres bereits deutlich übertroffen.

Genuss für wenig Geld

PBUK-Vizepräsident Piotr Zadrożny spricht inzwischen von einem systemischen Problem. Zwischen 2021 und 2025 sei die Zahl der vom polnischen Sicherungssystem entschädigten italienischen Fälle mit unversicherten Fahrzeugen nahezu auf das 17-Fache gestiegen. Die dafür gezahlten Summen hätten sich fast verzehnfacht. Italien mache inzwischen 44 Prozent der entsprechenden Ausgaben des PBUK für im Ausland verursachte Schäden mit polnischen Fahrzeugen aus.

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In Polen und Italien: Schärfere Kontrollen angeregt

Nun reagieren die Behörden. Polen will die technischen Kontrollen bei der Zulassung ausländischer Fahrzeuge verschärfen. Das PBUK fordert unter anderem, bei der ersten technischen Untersuchung vor einer polnischen Zulassung fotografische Nachweise vorzulegen. Damit soll überprüft werden können, ob sich das Fahrzeug tatsächlich in Polen befindet.

Auch Italien zieht die Kontrollen an. Seit Ende Mai ist die Eintragung ins REVE-Register mit der Zahlung der Zulassungssteuer IPT verbunden. Zudem können italienische Polizeibehörden seit August über öffentliche polnische Portale unter anderem Zulassungsdokumente und den Versicherungsschutz überprüfen. Eine weitere Verschärfung ist im Rahmen der geplanten Reform des italienischen Straßenverkehrsrechts vorgesehen.

Blick ins Ausland

Für im REVE registrierte Fahrzeuge soll die Haftpflichtversicherung künftig bei einem italienischen Versicherer oder einem Unternehmen abgeschlossen werden müssen, das in Italien zum Versicherungsgeschäft zugelassen ist. Noch handelt es sich dabei allerdings um einen Vorschlag und nicht um geltendes Recht.