In Spanien und Frankreich kämpfen Feuerwehrleute gegen gewaltige Waldbrände. Einheimische und Touristen fliehen vor den Flammen. Hunderttausende Menschen müssen ihre Häuser oder Ferienunterkünfte verlassen. Selbst in Großstädten wie Madrid und Bordeaux wächst die Angst vor dem Feuer.

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Ausgerechnet Griechenland, das jahrelang als eines der am stärksten von Waldbränden betroffenen Länder Europas galt, ist bislang vergleichsweise glimpflich durch den Sommer gekommen. Das liegt nicht nur daran, dass die extremen Hitzewellen, die seit Juni weite Teile Westeuropas erfassten, das Land bisher weitgehend verschonten. Griechenland hat auch seinen Katastrophenschutz grundlegend umgebaut – und rüstet im Kampf gegen das Feuer auf wie kaum ein anderes europäisches Land.

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Feuerkatastrophen: Hunderte griechische Brandopfer in vergangenen Jahren

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat den Waldbrandschutz zur Chefsache erklärt. Bereits im Frühjahr versammelte er die zuständigen Minister sowie die Spitzen von Feuerwehr, Streitkräften, Polizei und Küstenwache zu einer Lagebesprechung in seinem Amtssitz. Die Botschaft war klar: Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen.

Denn immer wieder wurde Griechenland von verheerenden Feuerkatastrophen erschüttert. 2007 starben auf der Halbinsel Peloponnes 67 Menschen. Während einer Hitzewelle verbrannten 2021 auf der Insel Euböa mehr als 50.000 Hektar Wald und landwirtschaftliche Flächen. Zwei Jahre später vernichtete ein Großbrand im Evros-Delta rund 93.000 Hektar – das bis dahin größte zusammenhängende Feuer in der Geschichte der Europäischen Union.

Urlauber europaweit von Waldbränden betroffen:

Besonders traumatisch bleibt jedoch die Katastrophe von Mati. Im Juli 2018 raste ein Feuersturm durch den Küstenort östlich von Athen. 104 Menschen kamen ums Leben. Warnungen erreichten die Bevölkerung zu spät, Evakuierungen unterblieben, Feuerwehr, Polizei und Behörden arbeiteten schlecht zusammen. Viele Menschen wurden auf Straßen oder am Strand von den Flammen eingeschlossen. Die Tragödie gilt bis heute als Symbol für das Staatsversagen unter der damaligen Regierung von Alexis Tsipras.

„Hellenic Fire System“: Brandschutzmaßnahmen in Griechenland

Aus dieser Erfahrung zieht Griechenland heute Konsequenzen. Rund zwei Milliarden Euro investiert die seit 2019 amtierende konservative Regierung in den Ausbau des Katastrophenschutzes. Noch nie war das Aufgebot so groß wie in diesem Sommer. 18.804 Feuerwehrleute stehen mit 4300 Einsatzfahrzeugen bereit. Hinzu kommen 21 speziell ausgebildete Forst-Kommandos mit 1450 Einsatzkräften, die Brände möglichst schon im unwegsamen Gelände eindämmen sollen. Unterstützt werden sie von 85 Löschflugzeugen und Hubschraubern.

Feuerwehrmänner stehen in Griechenland vor einem gewaltigen Flächenbrand.
Um Waldbränden vorzubeugen, hat Griechenland verschiedene Maßnahmen ergriffen.© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Pantelis Fykaris

Eine Schlüsselrolle spielt die Früherkennung. Mehr als 100 Drohnen mit Wärmebildkameras überwachen gefährdete Gebiete. Erstmals setzt Griechenland außerdem auf ein satellitengestütztes Frühwarnsystem. Vier im Mai gestartete Satelliten des „Hellenic Fire System“ liefern rund um die Uhr Echtzeitdaten über mögliche Brandherde. Die Kameras entdecken zwar auch überhitzte Solarpaneele, heiße Fabrikdächer oder in der Sonne aufgeheizte Autos. Aber Künstliche Intelligenz filtert solche Fehlalarme heraus. Entwickelt wurde das System vom Münchner Start-up Orora Tech gemeinsam mit der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Nach Unternehmensangaben ist Griechenland das erste Land, das eine eigene Satellitenkonstellation vollständig in seinen staatlichen Waldbrandschutz integriert.

Wegen Waldsterben: Gefahr vor Großbränden wächst weiter

Auch organisatorisch geht das Land andere Wege als viele europäische Länder. Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz unterstehen der Zentralregierung in Athen. Das ermöglicht eine schnelle Koordinierung von Personal und Material. Im hochmodernen Lagezentrum des Ministeriums für Klimakrise und Zivilschutz an der Athener Kifisias-Avenue laufen die Daten von Feuerwehr, Drohnen, Satelliten und Wetterdiensten zusammen. Das Zentrum ist rund um die Uhr besetzt. Von hier aus werden Einsätze gesteuert und Verstärkungen innerhalb kurzer Zeit in andere Landesteile verlegt.

Wie groß die Herausforderung bleibt, zeigt die Region Attika rund um Athen. Seit 2017 wurden dort bei 13 Großbränden fast 173.000 Hektar Land zerstört, darunter mehr als 114.000 Hektar Wald. Das entspricht 38 Prozent der Waldflächen der Hauptstadtregion. Die Folgen reichen weit über die unmittelbaren Brandschäden hinaus. Wo Wälder verschwinden, heizen sich Böden und Luft stärker auf, gleichzeitig nehmen Erosion und Überschwemmungsgefahr zu. Klimaforscher warnen deshalb vor einem Teufelskreis: Je weniger Wald bleibt, desto größer wird das Risiko neuer Brände.

Gefahr noch nicht gebannt: Augustbrände in Griechenland möglich

Trotz aller Investitionen bleibt die Prävention eine Schwachstelle. Viele staatliche Wälder werden nicht ausreichend gepflegt, auch große Ländereien der orthodoxen Kirche verwildern vielerorts. Trockenes Unterholz und fehlende Forstwege erschweren die Brandbekämpfung. Deshalb baut Griechenland seine Löschflugzeugflotte weiter aus. Sieben neue Wasserbomber des Typs DHC-515 sollen ab 2028 ausgeliefert werden.

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Doch selbst modernste Technik kann Waldbrände nicht verhindern. Rund 90 Prozent aller Brände werden nach Angaben der griechischen Feuerwehr von Menschen verursacht – meist fahrlässig, teilweise aber auch vorsätzlich. Die Regierung hat deshalb die Strafen drastisch verschärft. Brandstifter müssen mit mindestens zehn Jahren Haft sowie hohen Geldstrafen rechnen.

Im Ministerium für Klimakrise und Zivilschutz zeigt man sich vorsichtig optimistisch. Die neue Strategie habe sich bislang bewährt. Doch die Waldbrandsaison ist nicht vorbei. Gerade der August gilt wegen der hohen Temperaturen und der oft stürmischen Meltemi-Winde als gefährlichster Monat des Jahres. Die eigentliche Feuerprobe könnte Griechenland also noch bevorstehen.