„Ja, stimmt Leute, ich geh’ in Knast.“ Mit diesen Worten begann der Berliner Schauspieler Adrian Julius Tillmann sein neuestes Video auf seinem Instagram-Account. Als Indie-Rapper ist der 29-Jährige unter dem Pseudonym „Ritter Lean“ bekannt.

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In den vergangenen Jahren sei er „ein paar Mal ohne Ticket erwischt worden“, erklärt Tillmann. In einem dieser Fälle habe er ein Ticket gehabt, habe dann aber vergessen, es an der vorgegebenen Stelle nachzuzeigen. Zum Verständnis: Wer in Berlin im öffentlichen Nahverkehr ohne Ticket erwischt wird, aber eigentlich eine Karte besitzt, bekommt sieben Tage Zeit, um diese nachzureichen. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf ihrer Webseite schreiben, kann das mittlerweile auch online erledigt werden. Statt der ursprünglichen 60 Euro fallen nur sieben Euro Bearbeitungsgebühren an.
Berliner Rapper Ritter Lean wollte ins Gefängnis – weil er ohne Fahrschein fuhr
Tillmann erklärt, dass er aufgrund seiner ADHS-Erkrankung ohnehin viele Sachen vor sich herschiebe. Das scheint nun in diesem Fall zu einer Strafanzeige geführt zu haben. Denn wer in Deutschland mehrfach ohne gültigen Fahrschein fährt, begeht laut Paragraf 365a Strafgesetzbuch eine Straftat. Es handelt sich explizit um keine Ordnungswidrigkeit. Viele Unternehmen erstatten also eine Anzeige, auf die ein Strafverfahren samt Geldstrafe folgt. Im weiteren Verlauf haben die Betroffenen zwei Möglichkeiten: Entweder sie zahlen die vom Gericht festgelegte Geldstrafe – oder sie treten eine Ersatzfreiheitsstrafe an. Heißt: Sie gehen ins Gefängnis.
Für diesen Weg hatte sich zunächst Tillmann entschieden, wie er in dem Video mit dem Titel „Knast-Statement“ deutlich machte. „Ich geh’ jetzt, auch wenn ich es mir eigentlich leisten kann, rein, um darauf aufmerksam zu machen, dass es gestört ist, dass man wegen ohne Ticket fahren in ner Zelle sitzt“, schrieb der Künstler in seinem Instagram-Beitrag.
Am Donnerstag, nur einen Tag später, folgte der Rückzieher: Er habe sich nun doch gegen das Gefängnis entschieden, schreibt er in einer Instagram-Story. „Knast ist kein Joke. Ich habe deshalb gezahlt und bin doch nicht rein“, erklärt er darin.

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Freiheitsfonds: Initiative kauft Inhaftierte wegen Schwarzfahrens frei
Tillmann machte in seinem ersten Beitrag auch auf die Berliner Initiative „Freiheitsfonds“ aufmerksam. Die setzt sich für eine Abschaffung des Straftatbestands der „Beförderungserschleichung“ ein – der Fachbegriff fürs Schwarzfahren. Der Freiheitsfonds kauft daher Menschen frei, die wegen mehrmaligen Schwarzfahrens ins Gefängnis müssen, wenn sie die Geldstrafe nicht zahlen können. Nach eigenen Angaben war das bisher rund 1600 Mal der Fall. Die Initiative arbeitet ehrenamtlich und spendenfinanziert.
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„Aber man könnte auch einfach dieses dumme Scheiß-Gesetz abschaffen und das Neun-Euro-Ticket zurückbringen“, forderte Tillmann. Aber das sei Bundeskanzler Friedrich Merz „leider bisschen zu teuer“. Er gebe den Leuten stattdessen lieber einen Tankrabatt, an die Leute, die ohnehin ein Auto hätten, und keinen korrekten Preis an Leute, die mit dem ÖPNV fahren müssen, bemängelt der Künstler.








