Nach Heer, Marine und Luftwaffe folgt nun der Hörsaal: Spaniens Thronfolgerin Leonor weiß endlich, wie ihr Leben nach der harten Militärausbildung weitergeht. Die 20 Jahre alte Prinzessin wird im Herbst ein Studium der Politikwissenschaften an der öffentlichen Universität Carlos III in Madrid beginnen. Genauer gesagt auf dem Uni-Campus in Madrids Arbeitervorstadt Getafe, im Süden der spanischen Hauptstadt.

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Es ist eine Entscheidung, die perfekt zu dem Bild passt, das Leonor seit Beginn ihrer Ausbildung abgibt: keine Sonderrolle, keine royalen Abkürzungen, keine Extrawurst. Erst Kaserne statt Palast, nun staatliche Universität statt privates Elite-Institut. An der Hochschule erwarten Leonor vier Jahre Politikstudium – mit allem, was dazugehört: Vorlesungen, Seminare, Prüfungen sowie Verfassungsrecht, Soziologie, Wirtschaft, Geschichte und Internationale Beziehungen. Das Programm beginnt nach den Sommerferien, die die spanische Königsfamilie traditionell – zumindest teilweise – auf Mallorca verbringt. Warum Leonors Entscheidung durchaus mutig ist und in welche familiären Fußstapfen die Thronfolgerin damit tritt, lesen Sie hier.
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Spaniens Thronfolgerin Leonor: Studium macht Finanznöte sichtbar
Die Entscheidung, nach drei Jahren Kasernendrill, Schulung auf einem Marineschiff und Solo-Flügen im Militärflugzeug an einer öffentlichen Uni zu studieren, hat noch aus einem anderen Grund Symbolkraft. Denn die staatlichen Hochschulen klagen seit Jahren über Unterfinanzierung, während private Universitäten immer stärker auf den Bildungsmarkt drängen. Dass also nun ausgerechnet die künftige Königin an eine staatliche Uni geht, dürfte als willkommene Aufwertung verstanden werden.
Ein Student an Leonors künftiger Universität Carlos III brachte es im spanischen Fernsehen auf den Punkt: Es sei gut, dass Leonor an die Staatsuni komme, weil dadurch die chronischen Finanznöte der öffentlichen Hochschulen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Auch eine andere Studentin hieß die Prinzessin willkommen und bot ihr gleich Hilfe an: „Leonor, wir geben dir unsere Mitschriften, wenn du sie brauchst“, sagte sie. Das wird vermutlich nicht nötig sein, denn Leonor gilt als fleißige Schülerin.

Die ausgewählte Hochschule gehört übrigens keineswegs zur zweiten Liga. Die Uni Carlos III gilt innerhalb des öffentlichen Universitätssystems als eine der renommiertesten Adressen Spaniens. Besonders in den Sozial-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften hat sie einen sehr guten Ruf. Sie wird gerne als eine Art „Boutique-Uni“ beschrieben:
- vergleichsweise klein,
- aber stark nachgefragt,
- anspruchsvoll mit hohen Zugangshürden und
- vielen renommierten Professorinnen und Professoren.
Studium an öffentlicher Uni: Prinzessin Leonor folgt Spuren ihres Vaters
Auch frühere Politiker aus sehr unterschiedlichen Lagern unterrichten dort: ein ehemaliger konservativer Regionalpräsident aus Madrid ebenso wie ein Mitgründer der linken Partei Podemos. Für eine künftige Königin, die das politische Spanien verstehen muss, ist das vermutlich keine schlechte Schule.
Mit der Entscheidung folgt Leonor zugleich dem Vorbild ihres Vaters, König Felipe VI. Er begann seine akademische Ausbildung ebenfalls an einer öffentlichen Universität in Madrid: Er studierte Jura an der Universidad Autónoma. Später absolvierte er noch einen Master in Internationalen Beziehungen in Georgetown in den USA. Leonor schlägt nun einen ähnlichen, aber nicht identischen Weg ein: keine Juristerei wie der Vater, sondern Politikwissenschaften. Und nach allem, was zu hören ist, kein Sonderprogramm für Ihre Hoheit, sondern ein regulärer Studiengang. Genau diese Mischung aus Pflichtgefühl und demonstrativer Normalität macht sie derzeit zur wohl coolsten Zukunftsfigur der europäischen Königshäuser.
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Militärausbildung steigert Leonors Beliebtheit bei jungen Spaniern
Vorher muss die Prinzessin allerdings noch ihre militärische Ausbildung beenden. Seit Sommer 2023 durchläuft Leonor ein dreijähriges Programm in den spanischen Streitkräften: zuerst beim Heer, dann bei der Marine und auf dem Segelschulschiff „Juan Sebastián de Elcano“, zuletzt bei der Luftwaffe.
Vor allem diese militärische Ausbildung hat dem Ansehen Leonors in Spanien enorm geholfen. Aus der lange Zeit eher behütet wirkenden Königstochter ist in den Augen vieler Spanierinnen und Spanier eine junge Frau geworden, die früh aufsteht, Uniform trägt, auf Segelschiffen Wache schiebt, im Cockpit sitzt und sich einem harten Drill unterwirft. Dieses Bild hat ihre Popularität vor allem bei jungen Leuten nach oben getrieben.
Spanische Royals
Demnächst folgt also der nächste Rollenwechsel: von der Kadettin zur Studentin. Ganz normal wird dieses Studentenleben natürlich nicht werden. Leonor wird Sicherheitsleute haben, sie wird offizielle Termine wahrnehmen müssen, und nicht jeder Gang in die Cafeteria dürfte so unbeschwert sein wie bei ihren Kommilitonen. Doch schon die Entscheidung für eine öffentliche Universität sendet eine klare Botschaft: Diese Thronfolgerin soll nicht in einer royalen Blase ausgebildet werden, sondern in Kontakt mit jenem Spanien kommen, das sie eines Tages repräsentieren soll.







