• Ein Großprojekt soll den Gardasee für Radfahrer noch attraktiver machen
  • Doch während der Bauarbeiten gibt es Ärger mit unvorsichtigen Urlaubern
  • Jetzt droht ein Bürgermeister mit hohen Strafen

Der Fahrradweg des malerischen Fischerdorfs Limone sul Garda bietet spektakuläre Ausblicke auf den Gardasee. Die Strecke wurde mit großem Aufwand direkt in den Fels gebaut und ermöglicht es, zu Fuß oder mit dem Fahrrad eine Route zwischen See und Himmel mit atemberaubender Aussicht zu erleben. Der Abschnitt ist Teil des Projekts „Garda by Bike“, das einen durchgehenden Radweg rund um den gesamten See vorsieht.

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Der noch unvollständige Radweg ist längst zu einer internationalen Attraktion geworden und zieht Radfahrer aus aller Welt an. Einige von ihnen nehmen dabei sogar erhebliche Risiken in Kauf, um das spektakuläre Teilstück bei Limone zu genießen – zum Unmut der Behörden. Trotz Verbots verschafften sich in den vergangenen Tagen mehrere Radler Zugang zu einem noch gesperrten Abschnitt, der in Richtung Riva de Garda verläuft. Ein Video, das sich rasch in sozialen Netzwerken verbreitete, zeigt mehrere Personen, die ihre Fahrräder schultern und sich teils akrobatisch auf einem schmalen Sims direkt über dem See bewegen, um ein geschlossenes Tor zu umgehen.

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Warnung am Gardasee-Radweg: Radfahrer klettern über Absperrung

Besonders an den Osterfeiertagen, als der Gardasee von Touristen mehr als gut besucht war, habe sich die Situation zugespitzt, beklagt der Bürgermeister von Limone, Franceschino Risatti, laut Medienangaben. Immer mehr Radtouristen ignorierten einfach das Verbot und setzten ihren Weg entlang des Seeufers fort – teilweise „wie Seiltänzer“, indem sie mit dem Fahrrad auf den Schultern über Mauern balancierten.

Dabei ist am Ende des aktuell freigegebenen Abschnitts eigentlich Schluss: Ein Tor und entsprechende Verbotsschilder machen das deutlich. Die Missachtung der Regeln sorgt nicht nur für Empörung, sondern auch für große Sorge. Denn hinter den Absperrungen beginnt eine ungesicherte Baustelle. Zudem verläuft der nicht freigegebene Abschnitt stellenweise exponiert direkt über dem See.

Fahrradweg am Gardasee bei Sonnenschein.
Die Region um den Gardasee bietet fantastische Routen für Fahrradtouristen. Der Übermut von manchen Radsportlern hatte aber schon fatale Folgen.© iStock | Simon Dannhauer

Italien: Bürgermeister von Limone kündigt schärfere Kontrollen an

Oft seien es sogar Familien mit Kindern, die das Verbot ignorieren, beklagt der Bürgermeister, der jetzt an die Vernunft der Besucher appelliert: Informationen zu gesperrten Abschnitten seien ausreichend vorhanden – auch für Touristen. Wer sich darüber hinwegsetze, riskiere empfindliche Strafen. Und gefährde sich selbst im höchsten Maße. Die Kontrollen sollen in der Gegend verschärft werden, verspricht der Bürgermeister.

Denn die Arbeiten am Garda-Radweg werden sich noch einige Zeit hinziehen. Eine Fertigstellung ist nicht vor 2028 vorgesehen. Das Bauprojekt ist besonders anspruchsvoll: Der Radweg wird am nördlichsten Teil des Gardasees entlang der Felswand auf Stegen verlaufen und im Felsen verankert sein. Die acht Kilometer lange Strecke zwischen Limone und Gargnano ist wegen der steilen Felsformation besonders problematisch.

Der Bau des Radwegs rund um den Gardasee und die damit verbundene Infrastruktur gelten als strategisches Projekt für den Tourismus. Die Planer versprechen „den schönsten Radweg der Welt mit einer Strecke von rund 140 Kilometern“ – aus ihrer Sicht ein Vorhaben mit enormem wirtschaftlichen Potenzial.

Tödliche Unfälle: Fahrradtourismus gefährdet Image der Region

Am nördlichen Gardasee wird seit Jahren massiv in den Radtourismus investiert, um die Region attraktiver zu machen. Deshalb sind alle Gemeinden an Italiens größtem See um Sicherheit bemüht. Denn eins steht fest: Unfälle könnten dem Image der gesamten Region schaden.

Wie real die Gefahr ist, zeigt ein tragischer Unfall aus dem Vorjahr: Ein 43-jähriger Radtourist aus Polen war im Bereich der Gardesana-Straße von einer steilen Böschung in den See abgestürzt und kam ums Leben. Der tödliche Unfall entfachte die Debatte über die generelle Sicherheit im Straßenverkehr neu. Das setzte sich fort, als im September ein 44-jähriger Radfahrer aus Italien bei einem Zusammenstoß mit einem Auto ums Leben kam. Nur einen Tag später starb ein weiterer Radfahrer auf der Provinzstraße Rivoli–Affi.

News aus Süditalien:

  • Autobahn und Bahnverkehr wegen Erdrutsch lahmgelegt

Diese Unfälle verdeutlichen die Risiken auf der stark befahrenen Gardesana-Straße. Täglich fahren hier etwa 15.000 Autos, am südlichen Seeufer sogar bis zu 25.000. Seit Jahren gilt sie als eine der gefährlichsten Straßen Italiens. Zwar soll der bislang nur abschnittsweise fertiggestellte Garda-Radweg für mehr Sicherheit sorgen, doch viele Radfahrer nutzen weiterhin die Gardesana-Straße. Einige Bürgermeister fordern deshalb inzwischen sogar ein Fahrverbot für Fahrräder auf dieser Verkehrsachse. Eine Forderung, die bei allen Verkehrsteilnehmern für vehemente Diskussionen sorgt.