Dramatische Szenen spielen sich derzeit an der Adriaküste ab. Ein riesiger Erdrutsch bedroht in Süditalien die Gemeinde Petacciato – und legt gleich mehrere Verkehrsverbindungen lahm. Während etwa 50 Anwohner bereits fliehen mussten, fürchtet der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, dass der Hang wochen- oder sogar monatelang in Bewegung bleibt. Die Lage bezeichnete Ciciliano als komplex. Und sie hat Folgen für andere Regionen.

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Der Hang in dem Gebiet gilt seit Langem als instabil. Erdbewegungen wurden dort immer wieder registriert. Nun habe sich der Erdrutsch aber nach Unwettern „reaktiviert“, wenn auch langsam, so Ciciliano. Der Erdrutsch erstreckt sich demnach über etwa vier Kilometer. „Dies ist ein nationaler Notstand. Die Sicherheit der Bevölkerung und die Wiederherstellung der Verkehrsverbindungen haben oberste Priorität“, sagte der Präsident der Region Molise, Francesco Roberti, der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.

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Verkehrsverbindungen unterbrochen: Italien „faktisch in zwei Teile geteilt“

Betroffen sind außerdem wichtige Verkehrsverbindungen in der Gegend. Wie der Fernsehsender Rai berichtete, ist ein Abschnitt der Autobahn A14 auf beiden Seiten gesperrt. Die Autostrada A14 verbindet den Norden Italiens mit dem äußersten Südosten des Landes. Auch der Bahnverkehr dort ruht derzeit. Seit Mittwochabend sollen jedoch 60 Techniker damit beschäftigt sein, die Adria-Linie wieder befahrbar zu machen. Am Freitagmorgen sollen dann wieder Züge fahren, allerdings nur mit reduzierter Geschwindigkeit. 

Auch Apulien hat mit den Auswirkungen des Erdrutsches zu kämpfen. Demnach ist die weiter südlich gelegene Region Italiens nun isoliert. Der Präsident der Geologenkammer Apuliens, Giovanni Caputo, betonte laut Rai, dass die aktuelle Krise der Wasserversorgung und Infrastruktur auf Planungen zurückzuführen sei, die auf veralteten meteorologischen Daten basierten. Um dieser Situation zu begegnen, schlägt Caputo die Einrichtung einer geologischen Abteilung in der Region Apulien vor. Der Mangel an Planung und kontinuierlicher Überwachung, so Caputo abschließend, verursache extrem hohe wirtschaftliche Kosten für die Bevölkerung.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht nach Angaben ihres Büros in ständigem Kontakt mit den lokalen Behörden. In einer Mitteilung aus ihrem Amtssitz hieß es, Italien sei durch die Verkehrsunterbrechungen „faktisch in zwei Teile geteilt“. Alle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verbindungen könnten erst nach technischen Prüfungen bewertet werden, hieß es weiter.

Spezialsystem mit 50 Brunnen soll Erdrutschregion stabilisieren

Eine Lösung scheint jedoch in Arbeit. Die betroffene Region könnte bald durch spezielle Tiefentwässerungsarbeiten mit rund 50 Brunnen stabilisiert werden, erklärt Simone Venturini, technische Leiterin der Firma Technital, der „Corriere della Sera“. Wann jedoch für die Menschen vor Ort Entwarnung gegeben werden kann, ist bisher offen.

pau/jcst mit dpa