• Forscher analysieren uralte Bodenproben aus Steinzeitgräbern in Schweden
  • Eine moderne Analysemethode bringt überraschende Details ans Licht
  • Was die Forscher über einen besonderen Brauch der Steinzeitmenschen herausfanden

Im Rahmen einer aktuellen Untersuchung wendeten Archäologen der Universität Helsinki unter der Leitung von Tuija Kirkinen eine innovative Analysemethode an, um neue Erkenntnisse zur Bestattungspraxis der Steinzeit zu gewinnen. Die detaillierte Analyse der Bodenproben ergab, dass die Verstorbenen offenbar in sorgfältig gefertigter Kleidung und mit dekorativem Kopfschmuck beigesetzt wurden.

Neue Analysemethode: Archäologen entdecken seltene Überreste

Untersucht wurden Sedimentreste aus Gräbern der archäologischen Fundstätte Skateholm. Die Siedlung aus dem späten Mesolithikum liegt in Südschweden nahe der Ostseeküste und wird Jäger- und Sammlergruppen zugeschrieben, die dort zwischen 5200 und 4800 v. Chr. lebten und an diesem Ort einen Friedhof anlegten.

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Für die Analyse entnahmen die Archäologen systematisch Bodenproben aus mehreren Gräbern. In Regionen mit ungünstigen Konservierungsbedingungen war es bislang kaum möglich, Reste von Fell, Pflanzenfasern oder anderen weichen organischen Materialien nachzuweisen. Durch den Einsatz einer neu entwickelten Methode gelang es dem Forschungsteam jedoch, entsprechende Spuren in den Sedimenten zu identifizieren und damit bislang verborgene Aspekte der materiellen Kultur sichtbar zu machen.

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Neben erwartbaren Fragmenten von Knochen, Feuerstein, Holzkohle und Samen entdeckten die Wissenschaftler nach dem Sieben und Zentrifugieren der Proben unter dem Mikroskop zusätzliche Mikropartikel von Fasern, Haaren und Federn. Etwa ein Viertel dieser Funde konnte eindeutig bestimmten Tierarten zugeordnet werden, darunter Otter, Hirsche und Rinder.

Kostbare Bestattungen in der Steinzeit

Bei der Auswertung der Gräber zeigte sich in einem Fall eine auffällige Konzentration tierischer Rückstände im Kopfbereich eines bestatteten jungen Mannes. Nachgewiesen wurden Überreste von Hasentieren, vermutlich Berghasen, von einem Marder, von einer Fledermaus sowie von einer Eule. In Kombination mit Perlen aus Zähnen des Rothirsches legen diese Befunde nahe, dass der Verstorbene mit einem aufwendig gestalteten Kopfschmuck beigesetzt wurde. Insgesamt identifizierten die Archäologen bei 21 Individuen im Bereich von Kopf und Hals Spuren von Federn, was darauf hindeutet, dass gefiederte Elemente Teil ritueller Kopfbedeckungen gewesen sein könnten.

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Ein weiteres Grab enthielt die Überreste eines Kindes und eines erwachsenen Mannes. Neben Zähnen des Braunbären, Bernsteinperlen sowie Knochen und Steinwerkzeugen wurden dort auch Rehhaare und Federn eines Spechts nachgewiesen. Die analysierten Mikropartikel deuten darauf hin, dass das Kind möglicherweise ein Kleidungsstück aus Rehleder sowie einen Kopfschmuck mit Spechtfedern trug.

Kristiina Mannermaa von der Universität Helsinki betont die kulturelle Bedeutung von Vögeln und Federn für die steinzeitlichen Jäger und Sammler in Schweden. Zugleich weisen die Forscher darauf hin, dass die angewandten Analysemethoden weiter verfeinert werden können, um künftig noch detailliertere Einblicke in Kleidung, Rituale und symbolische Praktiken dieser Gemeinschaften zu gewinnen.