Als Howard Carter 1922 in Ägypten das Grab des legendären Pharaos Tutanchamun fand, schrieb der Archäologe Geschichte. Vor allem die Totenmaske des „Kindkönigs“ entwickelte sich zu einem der wohl bekanntesten archäologischen Artefakte der Welt. Doch in dem Grab fanden die Forscher damals noch viel mehr – unter anderem ein außergewöhnliches Paar Sandalen, dem eine besondere symbolische Bedeutung zugeschrieben wird.

Archäologie: Schuhe in Tutanchamuns Grab als Botschaft für Feinde?

Tatsächlich befanden sich in der Grabkammer gleich mehrere Paare von Schuhen des ägyptischen Herrschers. Besonders interessant für die Wissenschaft ist ein Paar ungewöhnlich großer Sandalen. Howard Carter erfasste bei deren Fund Maße von 28,4 mal 9,2 Zentimetern und damit in etwa einer heutigen europäischen Schuhgröße 45. Nach einem aktuellen Bericht von LiveScience erregten vor allem die kunstvoll gestalteten Einlegesohlen das besondere Interesse der Forschung.

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Auffällig ist die hochwertige Verarbeitung – die Sandalen bestehen aus Holz mit Überzügen aus Rinde, grünem Leder und Goldfolienfragmenten. Zudem sticht die symbolisch aufgeladene Gestaltung hervor: Im Bereich des Fußgewölbes sind auf jeder Sandale zwei gefesselte Figuren dargestellt, die mit Lotus und Papyrus verbunden sind und damit laut LiveScience Ober- und Unterägypten repräsentieren. Ergänzt wird die Ikonografie durch die Darstellung von insgesamt acht Bögen, jeweils vier im Zehen- und Fersenbereich, sowie einen Riemen in Form eines Bogens. Die sogenannten neun Bögen gelten in der altägyptischen Symbolik als Sinnbild der Feinde Ägyptens.

Doch als Alltagskleidung waren die Sandalen wohl nicht gedacht. Vielmehr lassen sie sich als machtpolitisches Symbol deuten, das die Vorstellung ausdrückt, Tutanchamun habe seine Feinde im wörtlichen wie im übertragenen Sinne zertreten.

Sandals of Tutankhamun
Tutanchamun Sandalen: Forscher identifizieren besondere Symbolik© Egypt Museum | Egypt Museum

Faszination Tutanchamun: Fast unberührtes Grab macht ihn zur Legende

Als Herrscher nahm Tutanchamun politisch eine eher untergeordnete Rolle ein, da er bereits im Alter von etwa 19 Jahren vermutlich an den Folgen einer Malariaerkrankung starb. Zudem litt er infolge der engen Verwandtschaft seiner Eltern, Pharao Echnaton und dessen Schwester, an gesundheitlichen Beeinträchtigungen, darunter eine ausgeprägte Skoliose. Seine herausragende Bedeutung für Archäologie und Geschichtswissenschaft ergibt sich weniger aus seiner Regierungszeit als vielmehr aus der nahezu unversehrt erhaltenen Grabstätte, die einzigartige Einblicke in die Kultur des Alten Ägypten ermöglicht.

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Bei der Entdeckung der Mumie trug der junge Pharao vergoldete Sandalen sowie goldene Zehenkappen. Ob die reich verzierten sowie die symbolisch aufgeladenen Sandalen zu seinen Lebzeiten tatsächlich getragen wurden, ist bislang ungeklärt. Heute sind sie im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt.