Es sollte kurzer Partytrip zum „Ballermann“ auf Mallorca werden, bei dem 13 Kegelbrüder aus Münster mal so richtig Stimmung machen wollten. Doch der Ausflug der Männer vom Kegelclub „Stramm am Tisch“ endete in einem Albtraum: Acht von ihnen sollen für den Brand am 20. Mai 2022 in einer Kneipe verantwortlich sein und zu sieben Jahren Haft verurteilt werden. Ein Strafmaß, das in Spanien für reichlich Wirbel sorgt: Soll hier etwa ein Exempel statuiert werden? Die Nachricht, dass nun ein Großteil der Kaution zurückgezahlt wird, könnte Wasser auf die Mühlen derer sein, die meinen, dass mit mit den jungen Männern zu hart ins Gericht gegangen wird.

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Laut „Mallorca Zeitung“ sollen die acht Angeklagten, die 2022 insgesamt 500.000 Euro hinterlegen mussten, um nach rund zwei Monaten aus der Untersuchungshaft freizukommen, 368.000 Euro zurückerhalten. Das Landgericht habe angeordnet, dass die Kaution auf 131.430,60 Euro gesenkt werde. Der Grund lässt aufhorchen: Gutachten seien zwischenzeitlich zu einer wesentlich geringeren Schadenshöhe gekommen seien, als zunächst unmittelbar nach dem Brand vor fast vier Jahren angenommen worden sei. „Es ist ein großer Erfolg“, sagte die spanische Strafverteidigerin der Deutschen, Maria Barbancho, der Zeitung. .

Deutsche Kegelbrüder auf Mallorca: Zweifel an Beweislage

An der Anklage ändert sich allerdings nichts. Neben den sieben Jahren Gefängnis sollen die Acht Schadenersatz in Höhe von 100.000 Euro zahlen. Wann der Prozess beginnen könnte, der nun die Gemüter erhitzt, ist noch nicht bekannt. Hinzu kommt, dass sich mittlerweile Zweifel an der Beweislage, auch wird die langen Verfahrensdauer kritisiert.

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Was war passiert? Den Männern wird vorgeworfen, am Nachmittag des 20. Mai 2022 durch mutmaßlich vorsätzliche Brandstiftung ein Feuer in der Bar „Why not Mallorca“ ausgelöst zu haben. Nach Auffassung der Anklage sollen sie gleich am ersten Urlaubstag auf den Balkonen ihres Hotels mit Alkohol gefeiert haben und glühende Zigarettenstummel auf das Schilfdach einer tieferliegenden Barterrasse geworfen haben. Zudem heißt es in der Anklageschrift, sie hätten „Bier oder eine ähnliche Flüssigkeit“ auf das Dach geschüttet – was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft möglicherweise den Brand angefacht habe. Die Beschuldigten haben von Anfang an bestritten, für den Brand einer Bar in einer Kneipe Nahe des Ballermanns verantwortlich zu sein.

Heftige Debatten über Anklagepunkte: Wie kann Bier Brände beschleunigen?


Gerade der Punkt, dass die Staatsanwaltschaft Bier als möglichen Brandbeschleuniger bezeichnet, sorgt für heftige Debatten und auch für Spott in sozialen Netzwerken. „Man kann mit Bier Durst oder auch Feuer löschen“, kommentiert ein Leser im Online-Forum der Mallorca Zeitung. Aber ist Bier mit einem Alkoholgehalt von vier bis sechs Prozent wirklich eine brennbare Flüssigkeit? Experten verneinen das und auch das Anwaltsteam der „Kegelbrüder” sieht in dieser Behauptung der Ankläger einen Schwachpunkt. 

Andere Nutzer des Mallorca-Forums sprechen von einem „Showprozess“, mit dem möglicherweise ein Exempel statuiert werden solle. Mit anderen Worten: Sauftouristen, die ja auf Mallorca leider regelmäßig mit Exzessen und Fehlverhalten für negative Schlagzeilen sorgen, sollen vielleicht mit der hohen Strafforderung abgeschreckt werden. „Klar war der Brand schlimm und für die Betroffenen eine Katastrophe, aber ein Strohdach unter Balkonen eines Partyhotels ist auch schon schwer fahrlässig!“, heißt es weiter in den sozialen Medien. 

Feuer in einem Restaurant auf Mallorca
Flammen im Restaurant „Why Not“ in der Nähe des „Ballermanns“ auf Mallorca. Die Kegelbrüder aus Deutschland sollen wegen Brandstiftung sieben Jahren ins Gefängnis. © -/5vision/dpa | -

Im Netz ist die Aufregung groß: „Diese Anklage ist mehr als lächerlich – viel zu wenig Beweise“, heißt es in einem weiteren Kommentar. In der Tat ist nach Ansicht von Kritikern seitens des Ermittlungsrichters und der Staatsanwaltschaft bisher nur wenig handfestes Belastungsmaterial präsentiert worden. Auch die Länge des Verfahrens, das sich schon Jahre hinzieht, wirft Zweifel auf. „Wie lange das dauert, bis es endlich zum Prozess kommt – ein Wahnsinn“, schreibt ein anderer Debattenteilnehmer. 

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Verteidiger der deutschen Kegelbrüder: „zahlreiche entlastende Anhaltspunkte“


Zusätzliche Diskussionen löst der Inhalt der Anklageschrift selbst aus. Wie die Inselzeitung Diario de Mallorca berichtet, räumt die Staatsanwaltschaft ein, dass sich „nicht feststellen lässt, welche konkrete Handlung jeder einzelne der Beschuldigten vorgenommen hat“. Dennoch wird allen acht Angeklagten vorgeworfen, sie hätten „bewusst gehandelt“, sich gegenseitig angetrieben und „mit absoluter Verachtung für das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Hotelbewohner und der angrenzenden Betriebe“ agiert. 


Die Verteidigung weist diese Darstellung der Anklagebehörde entschieden zurück. In einer Pressemitteilung erklärten die Anwälte, die Ermittlungsakten enthielten „zahlreiche entlastende Anhaltspunkte“. Es gebe „keine belastbaren oder eindeutigen Beweise für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten“. Ihre Mandanten seien nicht schuldig und setzten auf eine objektive sowie faire Hauptverhandlung. 

Spanische Staatsanwaltschaft: Harte Strafen in prominenten Fällen


Hinzu kommt: Einige der Angeklagten engagieren sich nach Angaben der Verteidigung seit Jahren in ihrer deutschen Heimat bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sie hätten nach Ausbruch des Feuers Hotelgästen beim Verlassen des Gebäudes geholfen und dabei selbst Rauchvergiftungen erlitten – ein Umstand, der sich laut Anwälten eindeutig aus den Ermittlungsunterlagen ergebe.

Beobachter erinnern zugleich daran, dass die spanische Staatsanwaltschaft in prominenten Fällen nicht selten sehr harte Forderungen erhebt – die vor Gericht später keinen Bestand haben. Ein bekanntes Beispiel ist der Prozess gegen den früheren deutschen Rockerchef Frank Hanebuth. Die Anklage hatte 2023 unter anderem wegen angeblicher Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung auf Mallorca 13 Jahre Haft für den „Rockerkönig” gefordert. Doch das Gericht sprach Hanebuth, der sage und schreibe zehn Jahre auf seinen Prozess warten musste, mangels Beweisen frei.