Es klingt wie der Beginn einer Geistergeschichte: Ende letzten Jahres spülte der Atlantik Hunderte schwarze Lederstiefel an die Küste Großbritanniens. Freiwillige einer Umweltorganisation entdeckten die mit kleinen Nägeln beschlagenen Schuhe in Felsbecken in der Nähe des walisischen Ortes Ogmore-by-Sea. Eigentlich wollten die Helfer dort nur die Strände von Abfall befreien, doch schnell stellte sich heraus: die teilweise erstaunlich gut erhaltenen Schuhe gehören nicht in den Müll, sondern in ein Museum. Wahrscheinlich stammen sie aus dem 19. Jahrhundert und sind damit rund 150 Jahre alt, wie die BBC berichtet.

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Demnach vermuten Einheimische und örtliche Historiker, dass ein italienisches Handelsschiff die Schuhe geladen hatte. Vor 150 Jahren habe ein solches an einer nur wenige Kilometer vom Festland entfernten Felseninsel Schiffbruch erlitten. Ogmore-by-Sea, der Fundort der Schuhe, befindet sich am Eingang des Bristolkanals, einer im viktorianischen Zeitalter stark befahrenen Handelsrouten, die in die Hafenstadt Bristol führte. Im Bristolkanal herrschen die zweitstärksten Gezeiten weltweit – zwischen Ebbe und Flut liegen bis zu 14 Meter Tidenhub. Ein Albtraum für mit den Gewässern unerfahrene Kapitäne.
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Großbritannien: Freiwillige finden 400 Schuhe aus viktorianischem Zeitalter
Innerhalb von nur einer Woche fanden die Freiwilligen der Beach Academy 200 Schuhe in den Felsbecken, sagte Emma Lamport, eine Sprecherin der Umweltorganisation. Insgesamt seien bisher 400 Schuhe entdeckt worden.
Lamport zufolge sei die wahrscheinlichste Erklärung für den so späten Fund der Lederschuhe, dass die Ladung des gesunkenen Schiffs den Fluss Ogmore hinaufgespült wurde und die Stiefel sich schließlich im Flussbett festsetzten. Immer wieder würden seitdem die Schuhe aus den Sedimenten gelöst und in den Ozean gespült werden. Einwohner der Gegend berichten in den Sozialen Medien mindestens seit drei Jahren von ähnlichen an Stränden angespülte Stiefel.
„Einige der Stiefel sind in recht gutem Zustand, und bei manchen kann man ganz deutlich erkennen, dass es sich um Herrenstiefel handelt“, zitiert die BBC Lamport. Ebenfalls in den Felsbecken gefundene kleine Schuhe könnten entweder für Kinder oder Frauen bestimmt gewesen sein.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Archäologie am Strand: Wenn das Meer die Geschichte anspült
Immer wieder spülen Gezeiten und Meeresströmungen lange versunkene Artefakte an Strände und Küsten – Archäologen brauchen dann nicht einmal zu graben. Einer der häufigsten Funde sind antike römische Amphoren, die regelmäßig an den Küsten des Mittelmeers auftauchen, etwa vor Italien, Spanien oder Kroatien. Viele stammen von antiken Handelsschiffen, die vor rund 2000 Jahren gesunken sind.
Auch nicht ganz so alte Funde erzählen eine spannende Geschichte – und können heute noch gefährlich werden. So wird zum Beispiel weißer Phosphor aus untergegangener Weltkriegsmunition häufig mit Bernstein verwechselt und eingesteckt. Ist der Phosphor erst getrocknet, entzündet er sich an der Luft selbst und kann schwere Verbrennungen auslösen. An der deutschen Ostsee und Nordsee, aber auch an den Küsten der Niederlande, Dänemarks und Großbritanniens werden bis heute Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, darunter Wrackteile von Flugzeugen, Munitionskisten oder persönliche Gegenstände von Soldaten.
Besonders aufsehenerregend war auch 2018 der Fund der vielleicht ältesten Flaschenpost der Welt, die 1886 als Teil eines deutschen ozeanografischen Experiments ins Meer geworfen worden war und mehr als 130 Jahre später wieder in Australien auftauchte. In einem anderen Fall wurde erst im letzten Jahr die Flaschenpost zweier australischer Soldaten gefunden, die 1916 zwei Briefe in der Flasche in den Ozean warfen.







