Australien führt als erstes Land weltweit ein umfassendes Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige ein. Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat oder YouTube müssen sämtliche Konten minderjähriger Nutzer löschen. Die Regierung will Jugendliche damit besser vor Cybermobbing und problematischen Inhalten schützen, geht jedoch selbst davon aus, dass viele das Gesetz umgehen werden.

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Während eine große Mehrheit der Erwachsenen den Schritt begrüßt, warnen Wissenschaftler und Bürgerrechtsorganisationen, das Verbot sei ein grobes Instrument, könne die Meinungsfreiheit einschränken und Jugendliche sogar in riskantere Online-Räume drängen.
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Bereits jetzt gelingt es vielen Jugendlichen offenbar erstaunlich leicht, einfach dort weiterzumachen, wo sie aufgehört haben. Ihre Methoden erinnern an jene britischen Teenager, die schon im Sommer gelernt hatten, Alterskontrollen mit erfundenen Geburtsdaten und KI-generierten Bildern auszuhebeln, um den strengen Regeln des „Online Safety Acts“ zu umgehen.
In einem CNN-Bericht schildern australische Jugendliche, wie sie das neue Gesetz umgehen. Viele erzählen, sie hätten neue Accounts erstellt und dafür die Gesichter ihrer Eltern oder älterer Freunde genutzt, um die Alterserkennung zu täuschen. Andere hatten schon bei der ursprünglichen Anmeldung ein falsches Geburtsjahr angegeben und sind daher gar nicht betroffen. Zudem verzeichnen mehrere kostenlose VPN-Dienste laut Reuters in den vergangenen Tagen einen deutlichen Anstieg von Zugriffen aus Australien.
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Für viele Teenager bedeutet das Verbot auch einen abrupten Kommunikationsabbruch. Ein Junge sagte gegenüber CNN, es sei „lästig, an echte Telefonnummern zu kommen“, als man ihn fragte, ob WhatsApp oder Apples iMessage als Alternativen genügen würden. Ein anderer erklärte, er beziehe sämtliche Nachrichten über Instagram und habe kaum noch Kontakt zu traditionellen Medien.
Der 18-jährige Leo Puglisi, Gründer des Online-Nachrichtenkanals 6 News, lehnt das Verbot ab und zweifelt daran, dass es sein Ziel erreicht. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass junge Menschen dadurch nicht vom Social-Media-Gebrauch abgehalten werden würden – sein jüngerer Bruder sei unter 16 und weiterhin ganz normal online, ohne überhaupt versucht zu haben, das Verbot zu umgehen.
Puglisi, der seinen Kanal bereits mit elf Jahren gründete und heute ein kleines Team von neun schulpflichtigen Nachwuchsreportern leitet, betont, dass 6 News unter den neuen Regeln nie hätte entstehen können. In der Debatte müsse man sich vor Augen halten, so Puglisi zu CNN, dass hier 15-Jährige von sozialen Medien ausgeschlossen würden, nicht Fünfjährige – „und ein 15-Jähriger, der bereits einen Nebenjob ausüben darf, soll auch die Möglichkeit haben, sich bei YouTube einzuloggen.“
Stoppen Gerichte das Verbot?
Viele Jugendliche sind überzeugt, dass Aufklärung, klare Regeln und wirksame Schutzmechanismen sinnvoller wären als ein generelles Verbot. Ein Mädchen meint, feste Zeitlimits seien weit effektiver – „irgendwo zwischen einer und zwei Stunden wäre meiner Ansicht nach fair.“
Derzeit laufen zwei Klagen vor dem Obersten Gerichtshof Australiens, darunter auch eine, die Reddit am Freitag eingereicht hat. Das Unternehmen argumentiert, das Gesetz werfe „ernste Datenschutz- und Fragen der politischen Meinungsäußerung für alle Nutzer des Internets“ auf, betont jedoch, man halte sich bis auf Weiteres an die Vorgaben.
Gleichzeitig zeigen Reaktionen auf TikTok, wie verunsichert viele Jugendliche sind: Einige scherzen, sie würden sich nach dem Verbot der Jugendkriminalität zuwenden, andere kündigen an, auf weniger bekannte Apps wie Yope, eine Foto-Sharing-Plattform, oder Coverstar zu wechseln – eine App, die sich als sicherere TikTok-Alternative ohne Direktnachrichten und ohne „Creeps“ vermarktet. Wie es mit dem Verbot weitergeht, bleibt vorerst offen.
lcz






