Ein dänischer Samenspender hat über Jahre hinweg eine seltene Genmutation weitergegeben – ohne es zu wissen. Recherchen eines investigativen Netzwerks der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zeigen, dass mit seinem Sperma mindestens 197 Kinder gezeugt wurden. Für viele von ihnen könnte das gesundheitliche Risiko gravierend sein.

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Der Mann begann 2005 als Student für die European Sperm Bank (ESB) zu spenden. Das dänische Unternehmen, gegründet im Jahr 2004, vertrieb sein Material anschließend in 14 europäische Länder. Erst im Oktober 2023 wurde der Samen aus dem Verkehr gezogen, nachdem zwei Familien unabhängig voneinander die Fruchtbarkeitskliniken kontaktiert hatten: Beide Kinder waren an Krebs erkrankt, beide litten an einer seltenen genetischen Veränderung.
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Was zunächst wie zwei tragische Einzelfälle aussah, entpuppte sich schnell als weit größeres Problem. Die Diagnose führt zum sogenannten Li-Fraumeni-Syndrom, einer erblichen Mutation des TP53-Gens, das eine entscheidende Rolle bei der Reparatur von Zellschäden spielt. Betroffene tragen ein massiv erhöhtes Krebsrisiko: Studien zufolge erkranken 73 Prozent der Männer und 90 Prozent der Frauen im Laufe ihres Lebens.
Mindestens zwölf Elternpaare haben keine Warnung erhalten: Samenbank beteuert Mitgefühl
Laut EBU-Recherche wurden bis heute nicht alle betroffenen Familien benachrichtigt. Mindestens zwölf Elternpaare hätten bislang keine Warnung erhalten.
Die Samenbank „European Sperm Bank“ in Kopenhagen, von der die Spenden an sogenannte Kinderwunschzentren in verschiedenen europäischen Ländern weiterverkauft wurde, teilte mit, man habe tiefes Mitgefühl mit den Familien, Kindern und dem Spender. Es handle sich um eine zuvor unbekannte Mutation, die nur in einem kleinen Teil der Spermien auftrete, so die Mitteilung weiter. Der Spender selbst und seine Familie seien nicht erkrankt und eine Mutation dieser Art könne durch genetisches Screening vorsorglich nicht erkannt werden. Als der Gendefekt bestätigt worden sei, habe man den Spender unverzüglich gesperrt und Behörden und Kliniken informiert. Verantwortlich für die Informierung der Betroffenen seien aber die Kliniken.
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Allein in Belgien wurden 53 Babys mit dem Sperma gezeugt
Besonders viele Fälle sind den Berichten zufolge aus Belgien bekannt, wohin auch Frauen aus Deutschland zur Behandlung reisten. Allein dort sollen 53 Kinder von 38 verschiedenen Müttern mit dem Sperma gezeugt worden sein, obwohl es in dem Land ein Limit von maximal sechs Familien gibt, die Sperma eines einzigen Spenders verwenden dürfen. Etliche der Frauen sollen aus anderen europäischen Ländern für die Behandlung nach Belgien gereist sein, darunter auch aus Deutschland.
Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke forderte der Nachrichtenagentur Belga zufolge eine europäische Datenbank und internationale Beschränkungen für die Verwendung von Sperma eines einzelnen Samenspenders.
mit dpa









