Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado ist trotz Drohungen der autoritären Regierung ihres Landes in Oslo eingetroffen. „Ich kann bestätigen, dass María Corina Machado in Oslo angekommen ist und auf dem Weg hierhin ist“, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jörgen Watne Frydnes, in der Nacht zum Donnerstag vor Reportern vor dem Grand Hotel. Dort übernachten die Preisträger üblicherweise. Machado wurde monatelang nicht in der Öffentlichkeit gesehen.

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Am Donnerstag soll Machado das norwegische Parlament besuchen und den norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Störe treffen. Beide wollen gegen 10:15 Uhr eine gemeinsame Pressekonferenz geben. Zuletzt herrschte Rätselraten rund um den Aufenthaltsort von Machado.
So teilte das Nobel-Institut bereits im Zuge der abgesagten Pressekonferenz mit Machado mit, dass man bezüglich ihres Aufenthaltsortes „im Dunkeln“ sei. Machado war mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, den Preis nahm stellvertretend für sie ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado entgegen.
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María Corina Machado widmet Friedensnobelpreis auch Trump
Das norwegische Nobelkomitee hatte im Oktober verkündet, dass die an einem geheimen Ort innerhalb Venezuelas lebende Machado in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Das Komitee sprach ihr den renommierten Preis „für ihren unermüdlichen Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes und für ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von Diktatur zur Demokratie“ zu.
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Die 58-Jährige widmete die Auszeichnung daraufhin „dem leidenden Volk Venezuelas“ sowie US-Präsident Donald Trump für seine Unterstützung der venezolanischen Opposition. Venezuelas autoritärer Präsident Nicolás Maduro bezeichnete sie im Anschluss indirekt als „dämonische Hexe“ - ihren Namen nimmt er für gewöhnlich nicht in den Mund.

Wo ist María Corina Machado? Oppositionsführerin taucht ab
Machado gilt als einende Kraft der Opposition in Venezuela und entschiedene Widersacherin des seit 2013 autoritär regierenden Maduro. Sie hatte sich 2023 um die Präsidentschaftskandidatur in ihrem Land bemüht, wurde jedoch wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten von der Wahl im darauffolgenden Jahr ausgeschlossen. Kritiker werfen Maduro systematische Wahlmanipulation vor.
Machado ist vor geraumer Zeit aus Sorge um ihre Sicherheit innerhalb ihres Landes abgetaucht. Das Nobelkomitee war bislang davon ausgegangen, dass sie für die Preiszeremonie nach Oslo kommen könnte. Sie selbst hatte beteuert, alles daranzusetzen, um für die größte Ehrung ihres Lebens in die norwegische Hauptstadt reisen zu können.

Friedensnobelpreis: Machado droht bei Ausreise Festnahme oder Schlimmeres
Die venezolanische Staatsanwaltschaft hatte jedoch damit gedroht, Machado aufgrund verschiedener Ermittlungen gegen sie als flüchtig zu betrachten, sollte sie das Land verlassen. Ihr würde damit möglicherweise die Festnahme, ein Einreiseverbot oder Schlimmeres drohen, wenn sie aus Oslo nach Venezuela zurückkehren würde.
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„Mir sind alle erdenklichen Verbrechen vorgeworfen worden, bis hin zu Terrorismus“, sagte Machado jüngst in einem NRK-Interview. „Das Regime ist sehr deutlich geworden. Maduro hat gesagt, dass sie mich töten werden, wenn sie mich erwischen.“
Vor der Vergabe des Friedensnobelpreises an die venezolanische Oppositionspolitikerin hatten sich Menschenrechtler alarmiert gezeigt. Machado stehe einer US-Intervention in Venezuela positiv gegenüber und propagiere einen radikalen Regimewechsel, während Washington eine militärische Drohkulisse in der Karibik aufbaue, sagte Jan Königshausen von der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag. Sie stehe „weder für Demokratie noch für einen gerechten und friedlichen Übergangsprozess“.
Göttinger Gesellschaft warnt vor US-Intervention
„Für die von ihr befürwortete US-Intervention würde das Land einen hohen Preis zahlen - seine Souveränität“, sagte Königshausen weiter. Wer Frieden fördern wolle, müsse den Weg zu einem Frieden ebnen, der die Rechte der Zivilbevölkerung, der Indigenen und auch der Opposition schütze. „Weder die Repressionen des Maduro-Regimes noch militärische Interventionen von außen schaffen Frieden. Sie reproduzieren Gewaltmuster, die Lateinamerika seit langem prägen.“
Führende deutsche Politiker hatten Machado zum Nobelpreis gratuliert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete sie als Vorbild. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Glückwünsche erreichten Machado auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU). Das EU-Parlament hatte sie im Dezember 2024 als führende Vertreterin der demokratischen Kräfte in Venezuela mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis geehrt.
Es kommt bei den seit 1901 vergebenen Nobelpreisen nur äußerst selten vor, dass Preisträger ihre Auszeichnungen nicht persönlich in Empfang nehmen können. Fünf Friedensnobelpreisträgern war dies in der Preisgeschichte verwehrt geblieben, weil sie zum Zeitpunkt ihrer Auszeichnung in ihren Heimatländern inhaftiert waren.
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Vietnamesischer Politiker lehnte Friedensnobelpreis 1973 ab
Zu ihnen zählten der deutsche Journalist Carl von Ossietzky 1935, die myanmarische Politikerin Aung San Suu Kyi 1991, der chinesische Menschenrechtler Liu Xiaobo 2010 sowie zuletzt der belarussische Anwalt Ales Bjaljazki 2022 und die iranische Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi 2023.
Der vietnamesische Politiker Le Duc Tho war 1973 der bislang einzige Friedensnobelpreisträger, der den ihm zugesprochenen Preis aus freien Stücken ablehnte. Er war damals gemeinsam mit US-Außenminister Henry Kissinger ausgezeichnet worden und begründete die Zurückweisung des Preises damit, dass in Vietnam immer noch kein Frieden herrsche.
Der Friedensnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember feierlich im Osloer Rathaus überreicht - die Zeremonie findet heute um 13 Uhr statt. Am selben Tag, dem Todestag von Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896), werden später alle anderen Nobelpreise in den weiteren Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaftswissenschaften in Stockholm überreicht. Dotiert sind die Preise in diesem Jahr mit jeweils elf Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Euro) pro Kategorie.
dpa






