Archäologen stoßen regelmäßig auf menschliche Überreste, die Hinweise auf schwere Krankheiten oder gewaltsame Einwirkungen liefern. Im aktuellen Fall aus Spanien entdeckte ein Forschungsteam den Schädel eines Ritters, dessen ungewöhnliche Form auf eine seltene genetische Erkrankung schließen lässt. Aus medizinisch-historischer Perspektive ist der Fund besonders bemerkenswert.
Überraschender Fund: Ritter mit ungewöhnlicher Schädelform entdeckt
In einer kürzlich in der Fachzeitschrift „Heritage“ veröffentlichten Studie berichtet Carme Rissech, biologische Anthropologin an der Universität Rovira i Virgili in Spanien, von einer außergewöhnlichen Entdeckung bei Ausgrabungen auf Burg Zorita de los Canes. Die zwischen 2014 und 2019 durchgeführten Arbeiten konzentrierten sich auf den Friedhof der Festung, dessen Skelette nun umfassend untersucht wurden.
Dabei identifizierten die Forscher zwei bemerkenswerte Fälle aus dem Zeitraum zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Zunächst erregten demnach die Überreste einer Frau Aufmerksamkeit, deren Verletzungen auf gewaltsame Auseinandersetzungen und Kampfhandlungen schließen lassen, was für das Mittelalter eher ungewöhnlich war. Noch überraschender war der Fund eines Ritters, dessen deutlich verlängerte Schädelform den Wissenschaftlern offenbar sofort ins Auge fiel.
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Trotz der fortgeschrittenen Verwesung konnten die Wissenschaftler sein Alter auf Mitte bis Ende 40 bestimmen. Die Analysen deuten zudem auf ein sehr aktives Leben hin, das wahrscheinlich Kampfhandlungen einschloss und möglicherweise auch zu seinem Tod führte. Besonders auffällig war, dass sich drei Schädelnähte vorzeitig geschlossen hatten, was demnach zu den charakteristischen Fehlbildungen am Kopf führte.
Medizinisches Wunder: Forscher rätseln über die außergewöhnliche Schädelform
In der Medizin weist eine derartige Schädelform auf Kraniosynostose hin, so die Studie. Schließen sich die Schädelnähte deutlich früher als üblich – normalerweise erfolgt dies erst um das zwanzigste Lebensjahr – steigt der Druck auf das Gehirn, was neurologische Schäden verursachen kann. In der modernen Medizin wird diese Fehlbildung bei Säuglingen und Kindern früh erkannt und kann chirurgisch korrigiert werden. Eine solche Behandlung stand dem Ritter im Mittelalter selbstverständlich noch nicht zur Verfügung.
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Die weltweite Häufigkeit dieser Erkrankung liegt nach Angaben der Forscher bei etwa 1 zu 2500. Häufig beruhen die Ausprägungen auf genetischen Mutationen, die eine Verknöcherung mehrerer Schädelnähte bewirken. Diese Form wird als Crouzon Syndrom bezeichnet. Typische Merkmale sind weit auseinanderliegende, hervorstehende Augen, ein kleiner Kiefer sowie Hörverlust, während die kognitiven Fähigkeiten in der Regel unbeeinträchtigt bleiben.
Die meisten bisher bekannten mittelalterlichen Fälle betreffen Kinder. Dass dieses Individuum trotz möglicher Komplikationen bis ins Erwachsenenalter überlebte, bewerten die Wissenschaftler in der Studie als besonders bemerkenswert. Für eine eindeutige Diagnose im Hinblick auf das Crouzon Syndrom seien jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.



