Renata Lusin (38), Profitänzerin von „Let‘s Dance“ (RTL), ist seit März 2024 Mutter von Töchterchen Stella. Doch der Weg dahin war schwer. Nach drei Fehlgeburten war sie so verzweifelt, dass sie sich mit dem umstrittenen Medikament Granozyte behandeln ließ. Jetzt ist sie wieder schwanger. Hier erzählt sie, durch welche Höllen sie und ihr Mann Valentin Lusin (38), ebenfalls Profitänzer bei „Let‘s Dance“, gehen mussten. Und welche Auswirkungen das Trauma der Fehlgeburten bis heute hat.
Sie sind wieder schwanger. Wie geht es Ihnen?
Renata Lusin: Ich bin in der 19. Schwangerschaftswoche. Und mir geht es wirklich einfach nur top. Aber dieses Trauma kann ich nicht abschütteln. Es steckt noch tief in mir drin. Ich freue mich jetzt, ja, aber das Angstgefühl ist immer noch da. Das wird nie weg sein.
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Erinnern Sie sich noch, wie Sie sich genau gefühlt haben?
Lusin: Bei der ersten Fehlgeburt, es war die achte Woche, haben wir es keinem erzählt. Wir wollten einfach niemanden damit belasten – das war wohl der Hauptgrund. Ich weiß nur, ich war so geschockt. Dabei trifft es jede dritte Frau.
Beim nächsten Mal dann waren Sie bereits in der elften Woche.
Lusin: Und ich war wieder einfach nur topfit. Mein Arzt zeigte mir schon, wie sich der Embryo bewegte. Es sah aus wie ein kleines Gummibärchen. Aber dann, nach anderthalb Wochen, also in der 13. Woche, sagte der Arzt: „Tut mir leid, es gibt keinen Herzschlag.“ Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Für mich war es der totale Schock.

Was ging es dann weiter?
Lusin: Ich musste eine Ausschabung machen lassen. Ich erinnere mich noch genau: Es war ein Donnerstag, und den Mittwoch drauf sollte die OP stattfinden. Es war so furchtbar. Ich wollte nicht warten. Ich wollte, dass das sofort gemacht wird. Ich stand so unter Schock. Ich wollte es weghaben. Ich musste dann noch bis Montag warten.
Und dann habe ich Samstag und Sonntag noch eine Show und einen Workshop absolviert. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen konnte. Ich habe getanzt und gelächelt – mit einem toten Baby im Bauch. Klar, habe ich danach dann auch geheult bis zum Umfallen.
Profitänzerin reagierte bei dritter Fehlgeburt mit seltsamer Aktion
Dann wurden Sie sehr schnell wieder schwanger.
Lusin: Gott sei Dank, ja. Meine Eltern, beide Ärzte, sagten nur: „Jetzt leg die Beine hoch.“ Hab ich gemacht. Ich habe „Let’s Dance“ abgesagt und lag drei Wochen da, mit Beine hoch. Ich lag da und war unglücklich. Und das alles hat ja nichts gebracht. Irgendwie hatte es sich auch sofort so seltsam angefühlt. Und dann setzte die Blutung von selbst ein. Ich habe dann – es klingt verrückt – nach dem abgegangenen Embryo im Blut gesucht. Ich wollte ihn finden, um ihn untersuchen zu lassen. Ich wollte wissen, was los war. Aber ich habe ihn nicht gefunden.
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Warum haben Sie Ihr Leid öffentlich gemacht?
Lusin: Dadurch, dass ich mich entschieden hatte, die Fehlgeburten öffentlich zu machen, habe ich sehr viel Feedback von Frauen erhalten. So bin ich auf das Thema mit den KIR-Genen (Killer Cell Immunoglobulin-like Receptor) aufmerksam geworden.
Die Therapie gilt als umstritten.
Lusin: Aber in der Kinderwunschklinik in Grevenbroich hat man seit fast zehn Jahren positive Erfahrungen gemacht, wie ich erfuhr. Ich bin dann nach einer Klinik-Odyssee dorthin gegangen. Bei einem Gentest wurde bestätigt, dass mir alle drei entsprechenden KIR-Gene, die die Schwangerschaft unterstützen, fehlen – und dass mir wohl mit einem Medikament wie Granocyte geholfen werden kann.
Wobei es wichtig ist zu sagen: kann. Ein paar andere Kliniken haben mich ausgelacht und waren gegen diese Behandlung. Sie sagten, dass auch Frauen ohne KIR-Gene gesunde Kinder auf die Welt bringen. Außerdem ist dieses Medikament in Deutschland nur in Verbindung mit Chemotherapie zugelassen, in Frankreich allerdings auch in der Reproduktionsmedizin.
KIR-Therapie bei Fehlgeburten
Ein Mangel an KI-Rezeptoren (Killer Cell Immunoglobulin-like Receptor) kann dazu führen, dass sich der Embryo nicht richtig in die Gebärmutter einnistet und abgestoßen wird. In der Folge kann es dann immer wieder zu Fehlgeburten kommen. Ob einer Frau diese Rezeptoren fehlen, wird per Blutuntersuchung festgestellt.
In einigen Kinderwunschkliniken setzt man in diesen Fällen ein Medikament (Granocyte) aus der Krebsmedizin ein: In der Schwangerschaft fördert es das Wachstum der frühen Plazenta, erhöht das Schwangerschaftshormon (HCG) und das Gelbkörperhormon und regt eine Reihe von schützenden Funktionen gegen einen eventuellen Angriff auf das mütterliche Immunsystem an. Im Endeffekt stabilisiert er die Schwangerschaft und reduziert Schwangerschaftskomplikationen wie Aborte oder die Frühgeburtlichkeit, so Prof. Wolfgang Würfel von der Kinderwunschklinik München.
Renata Lusin über umstrittenes Medikament: „Ich wollte alles ausprobieren“
Sie haben viel riskiert.
Lusin: Alle Babys haben maximal bis zur 13. Woche im Bauch überlebt. Es kann auch alles Zufall sein, und vielleicht wäre Stella auch ohne Spritzen geboren, aber die Verzweiflung war zu hoch, und ich war bereit, alles auszuprobieren – auch wenn ich miserable Blutwerte hatte. Das Medikament belastet eben unter anderem eben die Leber sehr stark. Aber andere Nebenwirkungen hatte ich glücklicherweise nicht.
Wie war es, als Sie dann mit Stella schwanger waren?
Lusin: Es war einfach nur traumhaft. Dennoch war ich nach all den Erfahrungen auch sehr skeptisch. Richtige Freude, wie sie andere Frauen empfinden, das war bei mir so nicht möglich. Ich konnte es nicht richtig genießen, weil ich immer diese Angst hatte, es könnte doch noch was Schlimmes passieren. Ich habe auch immer in mich reingehört, ob ich das Baby noch spüre. In der 19. Woche hatte ich so ein schönes Blubbern im Bauch gespürt. Da wusste ich: Das ist das Baby. Es hat mich glücklich gemacht. Aber ich hatte das Vertrauen verloren. Ich wollte mir schon ein Ultraschallgerät kaufen, um immer gucken zu können, ob alles in Ordnung ist.
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Und dann wurden Sie nach der Geburt von Stella wieder schnell schwanger.
Lusin: Ja, es hat wieder superschnell geklappt. Als ich schwanger war, haben wir dann wieder das Medikament gespritzt.
Wie haben Sie Ihren Mann in der schweren Zeit erlebt?
Lusin: Valentin war immer total verständnisvoll und ist immer sachlich geblieben. Das war für mich so unglaublich wichtig. Ich bin ja genau das Gegenteil – sehr emotional. Natürlich ging ihm das auch sehr nahe. Aber er hat mir nie gezeigt, dass er verzweifelt ist. Er hat mir gesagt, dass er seine Gefühle in unserem autobiografischen Buch „Let’s live“ verarbeiten konnte.
Ist Ihre Tanzkarriere eigentlich vorbei?
Lusin: Oh nein, ich hoffe, dass ich ganz schnell wieder auf der „Let’s Dance“-Bühne zurück bin. Tanzen ist doch auch mein Leben. Ich hoffe so auf ein Comeback.
Dieser Artikel erschien erstmals am 20. November 2025.










