Paläontologische Untersuchungen in Bayern haben Fossilienfunde hervorgebracht, die neue Einblicke in die Zeit des späten Jura ermöglichen und bisherige Annahmen über die Lebensweise lokaler Flugsaurier in Frage stellen. Bemerkenswerterweise beruhen die gewonnenen Erkenntnisse auf den Folgen eines tragischen Unglücks.
Spektakulärer Fossilienfund in Bayern erschüttert Forscher
Ein außergewöhnlicher Fossilienfund aus dem Jura Süddeutschlands brachte zwei Jungtiere der Flugsaurierart Pterodactylus antiquus ans Licht. Die rund 150 Millionen Jahre alten Skelette deuten darauf hin, dass die Tiere während eines tropischen Sturms abstürzten und in einer Lagune ertranken. Die Untersuchung der Überreste legt nahe, dass starke Winde sie aus der Luft rissen und in die Wasserströmungen drängten.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Pterodactylus antiquus gilt als die erste beschriebene Pterosaurierart und Namensgeber der umgangssprachlich verwendeten Bezeichnung „Pterodaktylus“. Die beiden Individuen zählen zu den kleinsten bisher bekannten Exemplaren mit einer Flügelspannweite von etwa 20 Zentimetern, vergleichbar mit jener einer Fledermaus. Erwachsene Tiere dieser Art erreichten Spannweiten von über einem Meter und verfügten vermutlich über eine deutlich höhere Flugstabilität.
Die Fossilien geben nicht nur Einblick in die Entwicklung von Flugsauriern, sondern deuten auch auf sturmbedingte Massensterben junger Individuen hin. Aufgrund ihres außergewöhnlich guten Erhaltungszustands wurden die beiden Jungtiere von den Forschenden „Lucky“ und „Lucky II“ genannt – eine Anspielung darauf, dass ihre empfindlichen Skelette trotz widriger Umstände erhalten geblieben sind.
Überraschend gut erhaltene Fossilien liefern neue Erkenntnisse
Pterosaurier besaßen extrem leichte Skelette mit hohlen, dünnwandigen Knochen, die zwar optimal für den Flug, jedoch ungünstig für die Fossilisation waren. Entsprechend selten sind Funde, die nicht nur Erhaltungszustand, sondern auch Hinweise auf die Todesumstände liefern.
Die beiden entdeckten Exemplare stammen aus der Plattenkalkformation von Solnhofen (Oberjura, ca. 153–148 Mio. Jahre), einer subtropischen Lagunenlandschaft im heutigen Bayern. Diese Fundstätte ist berühmt für ihre außergewöhnlich detailreichen Fossilien. Auffällig ist, dass dort häufig Jungtiere konserviert wurden, während größere, robuste adulte Individuen meist nur fragmentarisch erhalten sind. Dabei handelt es sich um ein ungewöhnliches Muster, das gängige Annahmen zur Fossilisation in dieser Region infrage stellt.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der Doktorand Rab Smyth entdeckte zunächst ein bemerkenswert gut erhaltenes Jungtier („Lucky“) im Bergér Museum Harthof. Ein Jahr später fand er ein weiteres Exemplar („Lucky II“), heute im Bürgermeister-Müller-Museum Solnhofen ausgestellt. Unter UV-Lichtanalysen zeigte sich eine deutliche Fraktur im Flügelknochen, die vermutlich zum Tod des Tieres beitrug. Für Paläontologen ist dies ein außergewöhnlich aufschlussreicher Befund.
Tragisches Unglück stellt bisherige Annahmen infrage
Beide Jungtiere, „Lucky“ und „Lucky II“, wiesen Frakturen am Oberarm auf, die auf extreme Windkräfte während des Fluges hinweisen. Die Verletzungen sind vergleichbar mit Verletzungen heutiger Vögel und Fledermäuse bei schweren Stürmen. Vermutlich wurden die jungen Pterosaurier durch starke Böen von Land ins offene Lagunengebiet verdrängt, wo Strömungen sie in die Tiefe zogen und rasch sedimentär überdeckten.
- Aktuelle Nachrichten aufs Handy? Hier geht es zur neuen WAZ-News-App – für Android und iOS.
- Die WAZ auch bei Social Media – ob WhatsApp, Instagram oder Facebook.
- Sie mögen den Tag kompakt zusammengefasst? Dann sind Sie beim täglichen WAZ-Newsletter richtig – hier entlang.
Die Analyse dieser Exemplare, ergänzt durch Daten von mehr als 40 weiteren Individuen, legt nahe, dass die Häufung kleiner Pterosaurierfossilien in Solnhofen auf wiederholte sturmbedingte Massensterben zurückzuführen ist. Erwachsene Tiere mit größerer Spannweite konnten solche Ereignisse offenbar eher überstehen.
Damit stellt die Studie das lange vertretene Bild, die Solnhofener Lagunen seien primär von kleinen Flugsauriern bewohnt gewesen, infrage. Viele der Fossilien repräsentieren vielmehr unerfahrene Jungtiere, die nahegelegene Inseln besiedelten und Stürmen zum Opfer fielen.







