• Moderatorin Julia Ruhs kritisiert die Entscheidung des NDR, das Format „Klar“ ohne sie fortzuführen
  • Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Daniel Günther (CDU) stellen sich hinter die Journalistin
  • Ruhs bezeichnet sich als „Mitte-rechts“ – und fordert ein TV-Format für diese Zielgruppe

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) setzt sein neues Format „Klar“ fort, trennt sich aber von Moderatorin Julia Ruhs. Das hatten NDR und Bayerischer Rundfunk (BR) am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung bekanntgegeben. Sie soll künftig nur noch die Folgen moderieren, die der BR verantwortet. Nach Informationen der „Welt“ war der Entscheidung ein „monatelanger interner Kampf“ im NDR vorausgegangen.

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Die Moderatorin kritisierte die Entscheidung der Sender. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, forderte die 31-Jährige auf einer Veranstaltung am Mittwochabend in Kiel mehr Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR). Dieser müsse „die ganze Bandbreite der Meinungen“ abbilden.

Moderatorin Julia Ruhs kritisiert BR: „Ich war die Einzige, die gesagt hat: Ich bin Mitte-rechts“

Wenn es Formate wie „Monitor“ oder „Reschke-Fernsehen“ gebe, müsse es auf der anderen Seite auch sowas wie „Klar“ geben, sagte sie. „Wenn das auf der einen Seite easy möglich ist, man auf der anderen aber gegen Windmühlen kämpft und sich übelste Diffamierungen anhören muss, dann ist was im Ungleichgewicht“, so Ruhs.

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„Ich wäre niemand, der sagt: Man muss Böhmermann verbieten“, zitiert sie die Boulevardzeitung. „Aber es muss genauso die Repräsentierung (sic!) geben von der anderen Seite.“ Ruhs spricht sich also für eine Art „Anti-Böhmermann“ aus. Außerdem übte die Journalistin Kritik an der Auswahl von Volontärinnen und Volontären beim BR: „Ich habe schon im Volontariat gemerkt, dass ich mit meiner politischen Meinung plötzlich Außenseiterin war.“ Im Volontariat sei sie nach eigener Aussage die Einzige gewesen, „die gesagt hat: Ich bin Mitte-rechts.“

Vorwurf: Rechte Stimmungsmache – BR hält an Ruhs als Moderatorin fest

Die Premiere von „Klar“ widmete sich der Migrationspolitik – und stieß auf heftige Reaktionen. Ruhs konzentrierte sich dabei auf die Folgen von Gewalt, die mit Zuwanderung in Verbindung gebracht wurden. Beobachter kritisierten, die Moderatorin bediene damit Ressentiments. Unsere Redaktion schrieb damals in einer Kritik dazu: „Julia Ruhs und die Redaktion nutzen das neue Format vor allem dafür, Frust zu kanalisieren. Dabei übersehen oder nehmen sie bewusst in Kauf, dass die Sendung am Ende einseitig und nicht konstruktiv bleibt.“ Auch von anderer Seite kam scharfe Kritik: TV-Satiriker Jan Böhmermann bezeichnete das Format als „rechtspopulistischen Quatsch“.

Laut den Recherchen der „Welt“ sei innerhalb des NDR wiederholt der Vorwurf erhoben worden, Ruhs betreibe rechte Stimmungsmache. Wie die Zeitung weiter mitteilt, sollen sich zudem 250 NDR-Beschäftigte in einem offenen Brief von der Sendung distanziert haben. „Kritisiert wurde von einzelnen Ausschussmitgliedern u. a. eine mangelnde Ausgewogenheit der Sendung, eine Überfrachtung mit Einzelthemen sowie eine zu starke Emotionalisierung“, heißt es in einem Bericht zur Programm-Ausschusssitzung am sechsten Mai.

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BR-Programmdirektor Thomas Hinrichs hingegen erklärte in einer Mitteilung: „Wir freuen uns über die ermutigenden Werte der Medienforschung zu Inhalten und Präsentation unseres neuen Formats ‚Klar‘ und werden die Reihe mit Julia Ruhs fortsetzen. Lob und Kritik nehmen wir gewissenhaft zur Kenntnis und entwickeln weiter, wo wir noch besser werden können.“

Söder und Günther werden deutlich: Ministerpräsidenten stellen sich hinter Ruhs

Die Entscheidung des NDR rief deutliche Kritik hervor. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) fand deutliche Worte für die Entscheidung, Ruhs nicht mehr bei „Klar“ einzusetzen. Es sei „ein extrem schlechtes Signal“, nach nur drei Pilotprojekten auf sie zu verzichten. Günther äußerte sich am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Hermann Ehlers Akademie, wo Ruhs auch ihr neues Buch „Links-grüne Meinungsmacht – Die Spaltung unseres Landes“ vorstellte. Günther war eigentlich als Gast einer Festveranstaltung anlässlich des NDR-Intendantenwechsels von Joachim Knuth zu Hendrik Lünenborg angekündigt, nahm daran jedoch nicht teil. Zu den Gründen dafür wurde offiziell nichts bekannt. Eine der Moderatorinnen des Abends, Caren Miosga, führte terminliche Gründe an.

In seiner Rede unterstrich Günther zudem die Bedeutung der Meinungsvielfalt. Diskurs bedeute, „dass es eine Bandbreite gibt, die eben auch dargestellt werden muss“. Entsprechend wichtig sei es, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk diese Meinungsvielfalt auch wirklich darstelle und garantiere. Im Gegensatz zum NDR habe sich der Bayerische Rundfunk richtig entschieden. „Und ich finde, (...) der Norddeutsche Rundfunk, sollte sich davon lieber eine Scheibe abschneiden“, sagte Günther.

Ähnlich äußerte sich auch Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU). Söder schrieb bei X: „Das ist kein gutes Signal für die Meinungsfreiheit, Pluralität und Toleranz im öffentlich-rechtlichen NDR.“ Konservative Stimmen gehörten zum demokratischen Meinungsspektrum, „auch wenn das einigen Linken nicht gefällt“.

Ruhs tritt nach: Was sie nach dem Rauswurf über den NDR sagt

Die betroffene Journalistin zeigte sich tief enttäuscht. Auf der Plattform X schrieb sie: „Ich bin fassungslos über die Entscheidung des NDR, genauso wie mein gesamtes KLAR-Team.“ Dass sie die Sendung nicht mehr für den NDR moderieren dürfe, nannte Ruhs ein „Armutszeugnis“. Ihre Absetzung bestätige außerdem Vorurteile vieler Zuschauer, „die sie im Bezug auf die Meinungsvielfalt schon hatten“.

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Ruhs ist seit 2023 Kolumnistin bei „Focus Online“, wo sie regelmäßig gegen linke Parteien, gesellschaftliche Bewegungen und die Grünen austeilt. Im Sommer veröffentlichte sie ihr Buch „Links-grüne Meinungsmacht. Die Spaltung unseres Landes“, in dem sie eine Dominanz linker Ideologien in den Medien beklagt.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte Ruhs nun zudem: „Mein „Klar“-Team und ich persönlich haben unglaublich viel Zuspruch für unser Format bekommen, von Menschen, die eigentlich schon das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die dortige Meinungsvielfalt verloren haben.“ Damit habe man das geschafft, wovon die Sender immer träumten – „eine verlorene Zielgruppe zurückzugewinnen“.

mit dpa/jcst/viv