Eine neue Studie, die im „International Journal of Osteoarchaeology“ veröffentlicht wurde, berichtet von einer detaillierten Analyse von Tierknochen, die in einer antiken Stätte auf Mallorca entdeckt wurden, einer römischen Gründung aus der Zeit nach der Eroberung der Balearen im Jahr 123 v. Chr.

Fund auf Mallorca: Schnellimbiss der Römer mit ungewöhnlichen Gerichten

Einer der in der antiken Stadt Pollentia freigelegten Ladenräume wurde vermutlich als „Popina“ genutzt. Dabei handelt es um ein einfaches Lokal, in dem die lokale Bevölkerung kleinere Mahlzeiten oder Wein konsumierte. Hinweise darauf liefern sechs große Amphoren, die fest in eine steinerne Arbeitsplatte eingelassen waren, ein typisches Merkmal solcher römischen Gaststätten.

Unmittelbar angrenzend entdeckten die Archäologen eine etwa vier Meter tiefe Grube, die als Abfallgrube diente. Sie enthielt zahlreiche Bruchstücke keramischer Gefäße, deren typologische Merkmale eine Datierung der Nutzung auf den Zeitraum zwischen 10 v. Chr. und 30 n. Chr. ermöglichen. Neben Keramik fanden sich dort auch Überreste verschiedener Tierarten, darunter Knochen von Säugetieren, Fischen und Vögeln.

Diese ungewöhnlichen Funde liefern neue Anhaltspunkte zur Erforschung der Esskultur und der Praxis des Straßenverkaufs von Nahrungsmitteln in der römischen Provinz. Besonders bemerkenswert ist der Nachweis von Singdrosselknochen (Turdus philomelos), deren Verzehr auch in der heutigen mallorquinischen Küche, wenn auch selten, weiterhin zu finden ist. „Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass ihr Geschmack eher an kleine Wildvögel wie Wachteln erinnert als an Hühnerfleisch“, kommentierte Alejandro Valenzuela, Forscher am Mediterranean Institute for Advanced Studies (IMEDEA) auf Mallorca.

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Auffällige Muster entdeckt: Wissenschaftler untersucht historische mallorquinische Ernährung

Valenzuela widmete sich der Untersuchung der Bedeutung kleiner Singvögel in der antiken mallorquinischen Ernährung, ein oft vernachlässigtes Thema, da ihre fragilen Knochen selten gut erhalten sind. In der Abfallgrube von Pollentia jedoch dominierten Überreste von Singdrosseln das Vogelknochenmaterial.

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Eine genauere Analyse ergab ein auffälliges Muster: Während Schädel und Brustbeine (Sterna) häufig vertreten waren, fehlten nahezu alle Arm-, Bein- und oberen Brustknochen, also vor allem die fleischreichsten Teile des Vogels. Dieses Fehlen bestimmter Knochen deutet laut Valenzuela auf einen regelmäßigen Verzehr hin, wobei die Tiere zuvor zerlegt wurden. Historische Quellen belegen, dass Singvögel im Römischen Reich häufig mit Netzen gefangen und über lokale Verkaufsstellen zubereitet und verkauft wurden, ein Hinweis auf ihre Rolle in der städtischen Versorgung.

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Antike Imbisskultur: Straßenessen als fester Bestandteil des städtischen Lebens der Römerzeit

Neben Drosselknochen fand Valenzuela heraus, dass die Römer Haushühner (Gallus gallus) und europäische Kaninchen (Oryctolagus cuniculus) in großen Mengen verzehrten, was darauf hindeutet, dass sie auch in diesem antiken Schnellimbiss auf der Speisekarte standen. Römische Städte hatten einen dynamischen Zugang zum Essen, schreibt Valenzuela in der Studie, da saisonale Produkte wie Drosseln leicht in den täglichen Speiseplan integriert werden konnten und „Straßenessen ein grundlegender Bestandteil des städtischen Lebens war“.